Ratingen: Junge Kunst in der Burg

Ratingen: Junge Kunst in der Burg

Nach einer längeren Pause stellen jetzt wieder Schüler der Kunstakademie Düsseldorf im Konzerthaus der Wasserburg am Mühlenkämpchen aus. Wer ihre Arbeiten sehen will, muss sich beeilen, denn die Schau ist nur drei Tage lang geöffnet. Nachmittags gibt es zusätzlich Gitarrenmusik.

Für vier Studenten der Klasse Herbert Brandl hat sich die mit der jährlichen Leistungsschau der Akademie verbundene Hoffnung erfüllt: Sie haben Aufmerksamkeit erregt und können jetzt noch einmal ausstellen. Der Raum im Konzerthaus (Foyer und Saal) der Wasserburg ist im Gegensatz zur großzügigen Akademie begrenzt und die Arbeiten sind auch nicht gerade kleinformatig – macht alles nichts, sagen die jungen Künstler, und arrangierten sich gestern bei den Aufbauarbeiten kameradschaftlich. Am Freitag, wenn erstmals fürs Publikum geöffnet wird, muss alles am richtigen Platz und ins rechte Licht gerückt sein.

Stoffe, Farben, Gartenwalze

Anica Bücker (26) hat für ihre riesige schwarzweiße Druckgrafik schon einen Platz im Konzertraum gefunden. Das Malerstadium hat sie hinter sich gelassen, ihr Interesse gilt jetzt Oberflächenstrukturen und Materialität. Ihren Drucken liegen Stoffe mit unterschiedlichen Haarlängen, die sie imprägniert, frisiert und in Farbe taucht, buchstäblich zugrunde: Sie legt anschließend eine Leinwand auf besagte Stoffe und bearbeitet diese so lange mit einer Gartenwalze, bis Zufall und Kontrolle ein von optisch verwirrenden Schärfen und Unschärfen geprägtes Bild hervorbringen. Gegenständlicher wird es bei Rhea Standke (40), die Unterwasserbilder in leuchtenden Farben malt. Dafür muss sie nicht tauchen, sondern bloß in Fotobänden blättern und ein Motiv – zum Beispiel Kugelfische oder Korallen – finden, das sie malerisch umsetzt. Christian Seidler (27) malt nicht und druckt auch nicht, sondern experimentiert mit Farben, Kohle und Asche, die er mal benachbart, mal schichtet, mal kleckst und tupft. Seine Bilder gibt er als Projektionsflächen frei, ganz im Sinne des "offenen Kunstwerks": "Mir ist wichtig, dass Bilder sich nicht zu schnell erschließen lassen und langweilig werden", betont der Akademie-Schüler.

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Allzu rasche Entschlüsselung muss auch Studienkollegin Alicia Viebrock (25) nicht fürchten. Sie kombiniert Ölfarbe mit schwarzer Tusche, "um Bewegung in meine Bilder zu bringen". Grau, Graublau, Schwarz und dann doch noch einige farbige Flächen prägen ihre Strommasten-Bilder, die beim Betreten des Konzerthauses sofort ins Auge fallen. Einige Masten stehen noch und sind miteinander vernetzt, andere liegen wie ein Rudel abgebrannter Streichhölzer kreuz und quer. "Da wird Energie frei und da ist etwas im Umbruch", deutet Alicia Viebrock ihre "impulsive Malerei".

Nicht nur optisch, auch akustisch wird am Freitag, Samstag und Sonntag etwas geboten: Gitarrist Inaki Ochoa (27) aus Barcelona, der derzeit im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums bei den Burgherren Christa und Bruno Lambart zu Gast ist, lädt jeweils ab 16 Uhr zu einer ausgedehnten Kostprobe seines Könnens ein.

(RP)
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