Ratingen Jugend versöhnte die Völker

Ratingen · Meaux gilt geographisch und kulturgeschichtlich als Perle unter den Heiligenhauser Partnerstädten. Während der französischen Woche vom 26. August bis 2. September wird die Stadt wieder im Mittelpunkt stehen. Eine Erinnerung an die Ursprünge der höchst lebendigen Verbindung.

heiligenhaus/meaux Idyllisch im Department Seine-et-Marne in der Region Île-de-France gelegen, hat Meaux eine ereignisreiche 2000-jährige Vergangenheit. Diese alte Kulturlandschaft in der Brie, nur 50 Kilometer von der Metropole Paris entfernt, mit ihren lieblichen Weiden und Wäldern, den geschichtsträchtigen Dörfern und Städten, den wechselnden architektonischen Stilen und den bunten Märkten wird während der französischen Woche in Heiligenhaus wieder im Mittelpunkt stehen – und das als Hommage an eine lebendige Tradition deutsch-französischer Städtepartnerschaft über einen Zeitraum von 42 Jahren.

Der hohe Stellenwert dieser Völkerfreundschaft wurzelt neben den intensiven Beziehungen von Vertretern aus Rat und Verwaltung vor allem in den freundschaftlichen Begegnungen von Vereinen, Organisationen, Institutionen, Jugendgruppen, Künstlern und Kulturschaffenden. Wie waren die Anfänge?

1963 wurde nach Jahrhunderten der Feindschaft und Rivalität der Elysée-Vertrag zur Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich besiegelt. Die führenden Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer sahen in den Bereichen Jugend, Sprache und Kultur wesentliche Grundpfeiler der deutsch-französischen Partnerschaft. Im Jugendaustausch lagen auch die ersten völkerversöhnenden Beziehungen zwischen Meaux und Heiligenhaus. Pionierarbeit leisteten damals die Jugendämter: in Heiligenhaus Stadtjugendpfleger Franz-Josef-Hage, in Meaux Charles Beauchart.

Seit 1964 bestand eine Jugendcharta zwischen dem "Maison des jeunes et de la culture" und dem damaligen Jugendfreizeitheim Hülsbecker Straße. "Mit großem Vergnügen nahmen Heiligenhauser Schüler an archäologischen Ausgrabungen am Rande von Meaux teil, waren beglückt über den Fund jeder Ton- oder Ziegelscherbe. Sie lernten spielend wissenschaftliches Arbeiten", erinnert sich das ehemalige SPD-Ratsmitglied Hermann Schmid. "Mit den jungen Franzosen wehte bereits ein Hauch des typischen Savoir vivre durch unseren Jugendclub", erzählt Ubald Stark und betont, dass einige damals geschlossene Freundschaften heute noch bestehen.

Aus den positiven Erlebnissen des Jugendaustauschs entstand schnell der Wunsch zur Gründung einer Städtepartnerschaft. So unterzeichneten am 17. Mai 1970 die Bürgermeister Jean Bouvin und Felix Wittmann die Partnerschaftsurkunde, zu besichtigen heute noch im Ratssaal beider Städte. Pionier der ersten Stunde waren in Meaux Marcel Daubroche und Pierre Leprette, in Heiligenhaus der verstorbene Stadtdirektor Karlheinz Klein und später der ehrenamtliche Bürgermeister Peter Ihle. Zu tragenden Eckpfeilern in den städtepartnerschaftlichen Beziehungen wurden lange Zeit der Franzose "Colonel" Roger Allard und in Heiligenhaus Helga Schniewind und Reinhard Schneider, später auch die Kulturkomitee- und Partnerschaftsvorsitzende Uschi Klützke.

Bis heute gibt der ehemalige Kulturamtsleiter Reinhard Schneider Impulse, schwärmt von Highlights in beiden Städten, etwa von den Aufnahme-Zeremonien in die Käsebrüderschaft des "Brie de Meaux", den bereits Karl der Große zu schätzen wusste. Als Gourmet singt Schneider ein Loblied auf die Markthallen.

Verantwortliche aus Rat und Verwaltung, Vereinsvorsitzende und viele Bürger haben sich um die partnerschaftlichen Begegnungen verdient gemacht. Sie organisieren Individualreisen oder begleiten Gruppenreisen zu Messen, Märkten, dem historischen Spektakel vor der Kathedrale Saint-Etienne, kümmern sich um Schul- und Sportaustausche (allen voran Wolfgang Burat), Sänger- und Fliegertreffen, Ausstellungen und Konzerte. Meaux wurde für viele Heiligenhauser zur zweiten Heimat – und umgekehrt.

(ror)
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