Ratingen: Jetzt kommen die Reformatorinnen

Ratingen: Jetzt kommen die Reformatorinnen

Nach dem Lutherjahr widmet sich eine Ausstellung den Frauen.

Nicht mal eine Minute - und Google hat 180 Treffer zu einer Ausstellung gefunden, die der Öffentlichkeit Leben, Freud und Leid, Bedeutung und Ambitionen von anderthalb Dutzend Reformatorinnen nahebringen möchte. Das Lutherjahr ist verrauscht und die Frauen, die helfend hinter ihm und seinesgleichen standen, bekommen nun en bloc ein ehrendes Gedächtnis. Es ist freilich nicht so üppig wie das des aufmüpfigen Mannes aus Eisleben.

Die Ausstellung ist im Haus am Turm (Angerstraße 11/Turmstraße 10) untergebracht, wird am Sonntag, 17. Juni, um 11.15 Uhr nach dem Gottesdienst eröffnet und kann bis zum 29. Juni zu den Öffnungszeiten des Hauses betrachtet werden. Höhepunkt, so Jürgen Lindemann, Vorsitzender der Kirchengemeide Ratingen und Promoter der Ausstellung, soll ein Vortrag sein, den Irene Diller, Gender- und Gleichberechtigungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, am Montag, 25. Juni, um 19.30 Uhr zum Thema "Ilse Härter, Dorothee Sölle und viele andere - Reformatorinnen im 20. Jahrhundert", im Haus am Turm hält.

Außer überlebensgroßer Holzgestalten (acht Stück), Papierplakaten und allerlei Infotafeln gibt es ein Buch und eine Art Hörspiel (zusammen zehn Euro), die den Besuchern das Thema noch näher bringen können. Die Öffnungszeiten sind nicht überbordend, aber immerhin in einer Örtlichkeit mit regem Publikumsbetrieb zu nutzen: Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 und 15 bis 20 Uhr, am Freitag von 9 bis 15 Uhr und nach telefonischer Absprache unter der Rufnummer Ratingen 109411.

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Die Reformatorinnen waren in ihren Anfängen auch, wie viele andere Frauen, hauptsächlich "Die Ehefrau von..." - zwar an reformatorischen Prozessen beteiligt, aber erst später aktiv einbezogen. Pfarrer Dr. Hans Ulrich Brinkmann, Kenner des ambitionierten Themas: "Die Ausstellung will die oft vergessenen Frauen in Erinnerung bringen".

Er erinnert an die Vorstellung der Reformatorinnen beim Reformationsmahl im Jahr 2015, als die Solinger Superintendentin Ilka Werner, Vorsitzende des ständigen theologischen Ausschusses der Landeskirche, weibliche Reformatoren aus der Versenkung geholt hat. Es ging da um Frauen mit blumenreichen Namen wie Argula von Grumbach und Wibrandis Rosenblatt, die auch in dieser Ausstellung berücksichtigt werden. Wer möchte, kann mit den reformatorischen überlebensgroßen Holz-Damen auch Selfies machen. Je zwei von ihnen sind in der Stadt-, in der Friedens-, der Paul-Gerhardt- und der Versöhnungskirche zu Gast.

Es sind nicht nur die Frauen, die vor Jahrhunderten keine Anerkennung als Reformatorinnen gefunden haben - in der evangelischen Kirche im Rheinland gab es vor 50 Jahren auch noch keine Pastorinnen.

(gaha)