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Interessenten wollen dem Bahnhof Ratingen Ost Leben einhauchen

Zwei Interessenten wollen dem Bahnhof Ost neues Leben einhauchen. : Tanzen oder Essen im Bahnhof Ost

Seit über zehn Jahren ist das Bahnhofs-Gebäude Eigentum der Stadt. Nun gibt es zwei Ratinger Interessenten. Die Tanzschule am Wall möchte dorthin umziehen. Außerdem möchte ein Gastronom dort Veranstaltungsräume einrichten.

Über viele Jahre hat die Stadt Ratingen vergeblich versucht, das Bahnhofsgebäude in Ost an einen Pächter zu bringen: Die enormen Sanierungs- und Umbaukosten des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem Jahre 1872 und fehlende Ideen haben wohl potenzielle Investoren abgeschreckt. Nun liegen zwei konkrete Vorschläge von Interessenten aus Ratingen auf dem Tisch: Die Tanzschule am Wall würde gerne dorthin umziehen, um sich zu vergrößern, Christian Pannes vom Talschlösschen hat ein Konzept vorgelegt für Veranstaltungsräume und eine moderne Gastronomie in altem Stil des Bahnhofes.

Der Politik wurden die Ideen bereits vorgestellt. Nun soll sich eine nichtöffentliche Arbeitsgruppe damit beschäftigen. Eine Entscheidung soll bereits Ende des Jahres fallen. Wie zu hören ist, lässt sich der Arbeitskreis von zwei Experten aus der Gastronomie- und Immobilienbranche beraten. Der Arbeitskreis soll der Verwaltung und dem Rat dann eine Empfehlung aussprechen. Grundlage für den langwierigen Entscheidungsfindungsprozess sind die Businesspläne mit komplettem Zahlenwerk, Lebensläufen bis hin zu Bauplänen und detaillierten Öffnungszeiten. Wie zu hören ist, muss an den Plänen noch herumgeschraubt werden.

Die Idee, im alten Bahnhof zu tanzen, ist nicht neu: Schon Rolf Steuwe, damals Kulturdezernent, hatte vor vielen Jahren von einer Dependance des Tanztheaters NRW geträumt. Das Konzept eines Kulturbahnhofes hat sich in vielen anderen Städten bewährt. Pannes bestätigte auf Anfrage, dass er ein Konzept vorgelegt habe, wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt mit Verweis aufs laufende Verfahren nicht näher äußern.

Was bislang durchgesickert ist: In der ehemaligen Fahrradwerkstatt auf der rechten Seite soll ein Restaurant entstehen, stilvoll auf Alt getrimmt, aber mit modernen Accessoires. Im Erdgeschoss ist Platz für zwei zusammenlegbare Veranstaltungsräume mit zusammen etwa 270 Quadratmetern. Im Obergeschoss sollen zwei weitere Räume für kleinere Gesellschaften eingerichtet werden: In diesem Sektor herrscht in Ratingen bekanntlich Mangel.

Schon im März hatten die Grünen in der nichtöffentlichen Machbarkeitsstudie eine weitere Variante, nämlich einen vereinsgeführten Kulturbahnhof, vermisst: Vorbild, so Christian Otto, Sprecher für Stadtentwicklung, könne der baugleiche Bahnhof Kettwig sein. Er empfiehlt einen Blick auf den Internetauftritt der Interessengemeinschaft Bahnhof Kettwig unter www.bahnhof-kettwig.de.

Die Stadt hatte zu Beginn des Jahres noch einen weiteren teuren Vermarktungsversuch starten wollen, obwohl zwei Interessenten feststanden. Doch die BU drückte aufs Tempo, nachdem die beiden Interessenten feststanden und regte ein Auswahlgremium an. Ein Sozio-Kulturelles Zentrum hält man bei der CDU wohl für nicht tragfähig, dort tendiert man wohl eher zu einer Gastronomie-Variante, wie dies auch in der Nutzungsanalyse empfohlen wird. Als beispielhaftes Referenzobjekt fehlt der Bahnhof Kettwig allerdings in der Analyse.

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Das Objekt, das die Stadt im Jahre 2004 im Zuge der „1000 Bahnhöfe“-Aktion von der Bahn günstig erstanden hat, wurde seitdem angeboten wie sauer Bier. Offenbar scheuten mögliche Pächter (immer standen Gastronomie und Kultur im Vordergrund der Überlegungen) die bei Altbauten nicht kalkulierbaren Folgekosten. Immerhin erklärte sich aber die Verwaltung bereit, für die Sanierungskosten aufzukommen: Bis zu drei Millionen Euro will sie springen lassen, um das Entrée der Stadt aufzupolieren und endlich mit neuem Leben zu füllen. Die grüne Fraktion sieht die Stadt ohnehin in der Pflicht, ihre Immobilie selbst in Stand zu setzen.