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Heiligenhaus: In die Welt gehen macht kreativ

Heiligenhaus : In die Welt gehen macht kreativ

"Harvard" heißt das berufliche Zauberwort für Martin Bechthold. Seit mehr als zehn Jahren ist der gebürtige Heiligenhauser Professor an der amerikanischen Elite-Universität. Derzeit macht er Heimaturlaub.

Der Vater von drei Mädchen unter zehn Jahren besucht momentan wieder einmal mit Familie seine Eltern in Heiligenhaus. "Ein Bedürfnis, das jährlich zu den privaten Highlights zählt", betont der bescheiden wirkende Intellektuelle, "Professor für Architectural Technology". Sein Besuch ist jeweils auch eine Freude für Freunde und Bekannte, die aus erster Hand mehr über Studium und Beruf im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" erfahren möchten.

Weder Abenteuerlust noch Fernweh zogen den Professor ins Ausland, sondern bessere Chancen bei der Weiterbildung, bei Lehre und Forschung. Schon als Student fand der Diplom-Ingenieur und Architekt in der multikulturellen Begegnung Gleichgesinnter "viel impulsgebende Kreativität, denn der Austausch von internationalen Experten erweitert nicht nur den fachlichen Horizont".

Das hat der heute 44-Jährige schon früh während des Berufsweges erfahren. So bei seiner mehrjährigen Tätigkeit in dem spanischen Architekturbüro "Santiago Calatrava" in Paris und nun an der Harvard-University, wo nicht nur Professoren aus aller Welt lehren, sondern auch weltweite Verbindungen zu führenden Wissenschaftlern geknüpft werden. Hier in Amerika fand der Heiligenhauser sein doppeltes Glück: beruflich an der "weltweit führenden Universität auf dem Gebiet der architektonischen Zukunftstechnologien, meinem Fachgebiet, und mit der Familiengründung". Bechthold heiratete eine Kollegin, eine in Amerika geborene Italienerin, die er während seines Studiums in England kennenlernte und die heute vorwiegend künstlerisch tätig ist.

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Frühere Visionen wie den Bau von ausgefallenen Kirchen und Theatern musste der Professor allerdings aufgeben. "Visionen ändern sich halt" — nun gelten sie vor allem der Forschung und der Lehre. Hierzu hat der Professor mit einem Lehrstuhl auf Lebenszeit an der Privatuniversität auch nach der weltweiten Wirtschaftskrise beste Voraussetzungen. Gelder für sein Forschungsgebiet moderner architektonischer Technologien auch in Bezug auf Nachhaltigkeit wie Energie, Umweltschutz und Ökologie in der Stadt- und Landschaftsarchitektur — hier hat Amerika großen Nachholbedarf — fließen reichlich von "Drittgeldgebern", den interessierten Wirtschaftszweigen.

"Wir unterliegen einem großen Leistungsdruck mit ständig neuen Herausforderungen. Das macht die Forschungsarbeit aber auch spannend", sagt Bechthold, der immer mit einer überschaubaren Studentenzahl arbeiten kann. Der persönliche Kontakt mit Studenten und Doktoranden ist daher stets gewährleistet. "Außerdem ist ein selbstständiges Arbeiten ohne den berüchtigten deutschen Bürokratismus die Norm, und das fördert die Kreativität ungemein" bilanziert der Professor, dessen besondere Freude darin liegt, dass seine Studenten nach den Examina angemessene Arbeitsplätze finden.

Und das ist bei einem Harvard-Absolventen ja bestimmt keine Schwierigkeit.

(RP)