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Kontrollen : Immer noch viele Unfälle wegen Alkohol

Kontrollen : Immer noch viele Unfälle wegen Alkohol

2019 gab es 32 Unfälle mehr als noch 2016 laut neuestem Unfallbericht. Polizei setzt im Kampf gegen Promillesünder auf geschulte Beamte.

Ratingen Vorbildlich handelnde Verkehrsteilnehmer meldeten vergangenen Samstag laut Kreispolizeibehörde die vermeintliche Trunkenheitsfahrt eines Autofahrers auf der außerörtlichen Asbrucher Straße in Velbert-Neviges. Die aufmerksamen Zeugen hatten einen silbergrauen Honda Civic bemerkt, der die Landstraße 353 in sehr auffälligen Schlangenlinien nach Wuppertal befuhr und dabei wiederholt auf die Gegenfahrbahn oder gefährlich nahe an den Straßengraben geriet. Die Zeugen meldeten der Polizei umgehend Fahrzeug und Kennzeichen, und dank dieser guten Hinweise konnte die Polizei das beschriebene Fahrzeug und dessen Fahrer nur wenige Minuten später an der Nevigeser Halteranschrift antreffen und überprüfen.

Dabei bestätigte sich der begründete Verdacht der Zeugen. Der Fahrer hatte mehr als 1,8 Promille intus. Solche Meldungen von Verkehrsteilnehmern sind beileibe kein Einzelfall. Die Polizei ist zwar nicht darauf angewiesen, aber ermuntert natürlich jeden, Fahrzeuge zu melden, die den Verkehr behinderten. „Das ist eine wertvolle Hilfe“, sagt Ulrich Löhe, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde.

Hinter dieser Polizeimeldung, die es fast wöchentlich zu lesen gibt, steckt aber auch eine gefährliche Tendenz. Die Hemmschwelle, sich nach Alkoholkonsum hinters Lenkrad zu setzen, scheint generell wieder zu sinken – trotz diverser öffentlicher Kampagnen. Zudem: Nicht nur landes-, sondern auch kreisweit haben die Unfallzahlen mit Alkoholeinfluss seit dem Jahre 2016 deutlich zugenommen. Gab es 2016 noch 115 Unfälle im Kreis, stieg die Zahl 2019 auf 147 Unfälle an, steht im aktuellen Verkehrsunfallbericht der Kreispolizeibehörde. Das ist ein Anstieg von rund 27 Prozent. Was aber auch zur Statistik gehört: Im gleichen Zeitraum gab es kreisweit immer weniger Unfälle, die auf Drogen zurückzuführen sind.

Löhe kann die Zahlen sowie die Entwicklung im Verlaufe der vergangenen Jahren einordnen. „Die Anzahl festgestellter Alkohol- und Drogenfahrten unterliegt ständigen Schwankungen.“ Begründung: Der entscheidende Parameter sei hier, wie viel Zeit und Personal die Polizei für entsprechende Kontrollmaßnahmen im Straßenverkehr zur Verfügung stehen. Man müsse wissen, so Löhe, dass es sich bei den statistischen Zahlen nur um die Ergebnisse von Kontrolldelikten handelt. Die Dunkelziffer an Alkoholfahrten, die ohne Unfall endeten, dürfte somit weit höher liegen. Je mehr Löhes Kollegen aber kontrollierten, „umso mehr Feststellungen“ gebe es auch, heißt es von der Kreispolizeibehörde. Die Frage, ob tatsächlich mehr oder weniger Fahrzeuge unter Alkohol- und Drogeneinfluss gefahren werden, lässt sich anhand der Ergebnisse aus den Kontrollen somit letztlich abschließend „nicht valide klären“. Die Unfallzahlen mit Alkoholeinfluss hätten da etwas mehr Aussagekraft.

Dass die Polizei seit etlichen Jahren Alkoholfahrten den Kampf angesagt hat, ist nichts Neues. „Die Überwachung von Alkoholkonsum am Steuer ist bereits seit sehr vielen Jahren geübte Praxis aller im Straßenverkehr eingesetzter Kollegen. Viele von ihnen haben dafür oft schon eine sehr sensible und ‚geübte Nase‘ entwickelt“, erklärt Löhe. Dadurch würden Trunkenheitsfahrten auch im Zuge allgemeiner Kontrollmaßnahmen im Verkehr – oft auch aus ganz anderem Anlass – festgestellt. Dank der Alkoholtestgeräte könne man „Promillesünder“ leicht überführen.

Hingegen sei das Erkennen von Fahrten unter Drogeneinfluss deutlich schwieriger. „Dazu sind spezielle Kenntnisse und Testverfahren erforderlich, an deren Ende im konkreten Verdachtsfall nur eine oder mehrere Blutproben konkrete Ergebnisse versprechen. Hierzu werden immer mehr Kollegen geschult“, sagt Löhe. Kontrollmaßnahmen im Straßenverkehr zur Erkennung von Alkohol- und Drogenfahrten fänden im Kreis zu jeder Tages- und Nachtzeit statt. Dabei sind es überwiegend allgemeine Verkehrskontrollen der Streifen der jeweiligen Polizeiwachen, bei denen dann auch Alkohol festgestellt wird, heißt es von Ulrich Löhe. An besonderem Anlässen (Karneval oder Silvester) fänden auch immer wieder personalintensivere Kontrollmaßnahmen an gezielt ausgesuchten Kontrollorten statt.