Neue Serie Mit Dem Landwirt Durchs Jahr (1): Im Januar schnauft Bauer Bossmann durch

Neue Serie Mit Dem Landwirt Durchs Jahr (1) : Im Januar schnauft Bauer Bossmann durch

Kaum ein Landkreis in Deutschland ist dichter besiedelt als Mettmann. Und doch gibt es hier mehr als 280 landwirtschaftliche Betriebe. In einer neuen Serie begleiten wir die Bauern durchs Jahr - jeden Monat mit einem anderen Schwerpunkt.

Von Thomas Gutmann und Maxim Leirich

Dominik und Hans-Peter Schreiber warten auf ihrem Hof in Ratingen-Homberg einen Gabelstapler. Foto: Blazy

Langenfeld/Monheim Gestreichelt hat Josef Aschenbroich die Raubkatze nicht. "Aber ihr tief in die Augen geschaut, das habe ich schon", erzählt der Langenfelder Landwirt stolz. Statt der 15.000 Hühner, mit denen er es daheim zu tun hat, ist er kürzlich Leoparden, Elefanten und Nilpferden begegnet. Mit seiner Frau Gerlinde hat er sich zweieinhalb Wochen Südafrika geleistet. Zweieinhalb Wochen Urlaub im Jahr und das auch noch am Stück - für einen Fulltime-Bauern wie Aschenbroich ist das zeitlicher Luxus. "Früher", sagt der 57-Jährige, "hätte es das nicht gegeben".

Im Januar ist in Südafrika Hochsommer - nicht gerade das Traumklima für einen Naturburschen vom Fuße des Bergischen Landes. Doch die Aschenbroichs konnten nur durch dieses Zeitfenster schlüpfen: "Unsere Hühner sind ja keine Tamagotchis. Die können wir nicht einfach abstellen." Gleich nach den Feiertagen gehe es jedoch etwas ruhiger zu in der Gastronomie, die ein gut Teil der Eier abnimmt. "So konnten wir unsere Abwesenheit durch Streckung der Lieferungen organisieren." Die Hauptarbeit übernahm Sohn Jens (30), der Juniorchef des Unternehmens. "Außerdem ist meine Schwägerin eingesprungen - ein echter Familienbetrieb eben", sagt Aschenbroich.

Etwas durchschnaufen kann auch Robert Bossmann im Januar. "Wir verreisen im Winter zwar nicht, dennoch handelt es sich um die ruhigsten Wochen im Jahr", sagt der Landwirt aus Baumberg. "Ruhig", das heißt nach Worten seiner Frau Sabine: "Mein Mann arbeitet dann so viel wie andere bei Normalpensum." Da weder Aussaat noch Ernte anstehen, bleibt auf dem Neuverser Hof nahe der Stadtgrenze zu Düsseldorf mehr Zeit für Büroarbeiten und Reparaturen. Und für die Familie! Drei Töchter haben die Bossmanns. "Wir machen Ausflüge, gehen Schlitten fahren und solche Sachen", freut sich der Vater.

Außerdem sind da noch drei Attraktionen gleich vor der Haustür: "Wir haben drei Ziegen im eigenen Garten, nicht als Nutztiere, sondern zum Vergnügen. Sie sind so etwas wie unsere natürlichen Rasenmäher", sagt Bossmann. Die von ihm angebauten Feldfrüchte - Erdbeeren, Spargel, Raps, Weizen und Zuckerrüben - verlangen derzeit kaum Aufmerksamkeit. Gegenmaßnahmen gegen Kälteschäden seien nur bei extremen Minusgraden oder Temperaturstürzen zu treffen.

Auch Karl-August Niepenberg vom Gut Scheifenhaus in Haan bleibt in Sachen Frost cool. "Im Winter gibt es eigentlich keine Risiken. Der Winterraps und Winterweizen nimmt erst ab Temperaturen von minus 15 bis minus 20 Grad Schaden", sagt der promovierte Agrarwissenschaftler. Niepenbergs Gut Scheifenhaus ist vor allem für den Anbau und Verkauf seiner Weihnachtsbäume bekannt. Der Hof ist seit rund 250 Jahren im Familienbesitz. Die Familie wohnt dort bereits in der achten Generation. "Teile des Hofs haben wir vermietet, während das alte Fachwerkhaus saniert wurde und weiter gepflegt wird", erklärt der Haaner.

Auch auf dem Gut Scheifenhaus geht es im Januar eher ruhiger zu. "Das Wintergetreide ist bereits ausgesät, während die Zuckerrüben erst im Frühjahr gepflanzt werden. Es bleibt somit mehr Zeit für die Buchführung, Sanierungen und die Verwaltung", sagt Niepenberg. Und auch für Urlaub und Familie: "Besonders für meine Enkel, die gerne mit dem Traktor fahren", sagt der Hausherr.

Ähnlich ist es auf dem Forellenhof Schreiber in Ratingen. "Im Januar haben wir mehr Zeit für Freizeit und Familie", sagt Landwirt Hans-Peter Schreiber. "Die Pflanzen benötigen keine weitere Pflege. Das Getreide ruht. Einzig die Tiere müssen jeden Tag versorgt werden. Der Januar ist deshalb als Ferienmonat bestens geeignet."

Langweilig wird es auf dem Hof, auf dem vier Generationen leben, aber auch in den "ruhigen" Wochen nicht. Denn der kleine Familienbetrieb hat nicht nur Kartoffeln und Forellen im Angebot, sondern auch eigene Freiland-Gänse sowie Wurst, Eier und Honig von anderen Gutshöfen. "Unsere Kartoffeln verkaufen wir persönlich auf dem Markt", sagt Hans-Peter Schreiber. Neben seiner Frau helfen auch Sohn und Mutter bei der Arbeit.

(RP)
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