Heiligenhaus: Im Bücherschrank gibt's Lektüre rund um die Uhr

Heiligenhaus: Im Bücherschrank gibt's Lektüre rund um die Uhr

Mitglieder des Arbeitskreises Kultur schauen jeden Tag vorbei, um unerwünschte Titel auszusortieren.

Es ist diese mysteriöse, magische Anziehungskraft die von Bücherschränken ausgeht, wenn man ihnen im Alltag begegnet: "Nur mal eben kurz hineinschauen, nur aus Interesse. Ich muss ja nichts mitnehmen", sagt man sich dann selbst, obwohl der Stapel der ungelesenen Werke daheim bereits turmartig hoch ist.

Man öffnet die schwere Tür des Schranks und der Blick gleitet über die Bücherrücken - und dann steht da genau das Buch, das man eigentlich schon immer mal lesen wollte. Leseratten kennen die Verführung durch die öffentlich zugängigen Bücherschränke, von denen auch zwei in Heiligenhaus stehen. Deren Konzept ist simpel: Jeder kann kostenfrei Bücher nehmen, oder Bücher hineinstellen. Ob klassische Weltliteratur, Taschenbücher oder Sachwerke, der Bücherschrank ist eine echte Wundertüte.

Seit dem Juli 2013 ist einer von ihnen auf dem Plateau des Basildonplatzes zu finden, er war damals der zweite im ganzen Kreis Mettmann. Die Initiative des Stadtmarketing-Arbeitskreises "Kultur und Gesellschaft" konnte dafür das Sponsoring durch RWE gewinnen. "Leseförderung ist uns wichtig. Deswegen soll hier vom Kinderbuch bis hin zu Sachbüchern alles zu finden sein", kündigte Arbeitskreis-Sprecherin Ruth Ortlinghaus bei der Eröffnung an und hat Recht behalten.

"Man sieht immer Menschen, die hier stöbern." Gemeinsam mit Dagmar Haarhaus betreut sie das "öffentliche Möbelstück", legt Bücher aus dem umfangreichen Lager des Arbeitskreises Kultur nach, oder nimmt unerwünschte Literatur hinaus. "Mindestens einer von uns schaut jeden Tag einmal rein, denn immer wieder werden Bücher hineingelegt, die dort nichts zu suchen haben."

Gemeint sind beispielsweise extremistische Werke, aber zum Beispiel auch veraltete Computerbücher oder Duden. Für einen Schock sorgte dann allerdings der Neujahrsmorgen 2016. Vandalen sorgten für massive Beschädigung des Stahlmöbels und seines Inhalts. Der Sponsor übernahm die Reparatur und es entspannt sich eine Welle der Hilfsbereitschaft: hunderte von Büchern wurden direkt gespendet, so dass der Schrank schnell wieder aufgefüllt werden.

Wenige Monate später wurde dann auch der zweite Bücherschrank in der Stadt eröffnet: An der Moselstraße in der Unterilp wurde ein baugleiches Modell, dank des gleichen Sponsors, errichtet. Hier kümmern sich Mitglieder des Bürgervereins des Stadtteils um den Schrank, der an einem lauschigen, grünen Plätzchen eröffnet wurde, an dem auch eine Sitzbank installiert wurde.

"Die Bücher haben Mitglieder des Bürgervereins zusammen getragen", freute sich damals Bürgervereins-Vorsitzender Alfred Salmon. "Die Idee des Bücherschrankes ist im Rahmen der seniorengerechten Quartiersentwicklung für die Stadtteile Ober- und Unterilp entstanden", erklärte der damalige Fachbereichsleiter für Soziales, Jörg Saborni.

In dem Projekt aus dem Jahr 2014, das vom Kreis Mettmann kofinanziert wurde, wurden die älteren Bewohner gefragt, was ihnen in ihren Stadtteilen fehle. Leseförderung im Stadtteil, niedrigschwellig und möglichst kostenfrei, gehörte damals dazu.

(sade)
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