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Ratingen und Corona: „Ich würde lieber zur Schule gehen“

Ratingen und Corona : „Ich würde lieber zur Schule gehen“

Der Shutdown geht in die Verlängerung. Eltern, Schüler und Kitakinder müssen sich wieder neu organisieren. RP-Autorin Monika von Kürten fragte Schüler, wie es ihnen damit geht.

Die Vögel, die im Winter nicht in den Süden fliegen, haben es in der derzeit kargen Landschaft nicht leicht, Nahrung zu finden. „Wir haben darum für die Vögel Futter gemacht, damit die auch im Winter etwas essen können. Mir hat es Spaß gemacht, weil ich gerne helfe“, sagte die kleine Mila. Gemeinsam mit den anderen Kindern des Awo-Familienzentrums am Breitscheider Weg und ihren Erziehern hatte sie vergangene Tage dafür aus Kokosfett und Vogelfuttermischung in Tassen und an Tannenzapfen kleine Futterstationen erstellt. Beides wurde in den Bäumen und Büschen auf dem Gelände des Kindergartens verteilt.

Aber wer von den Kindern in den kommenden Tagen die Vögel beim Fressen beobachten kann, steht noch in den Sternen. Der Ministerbeschluss, wie es in den nächsten Wochen mit den Kindertagesstätten weitergehen soll, steht noch aus. Bisher heißt es nur, dass die Einrichtungen lediglich für einen Notbetrieb geöffnet bleiben dürfen und dass die Betreuungszeit pro Kind verkürzt werden soll. Was das genau heißt und wie alles ablaufen soll, weiß noch niemand.

„Wie auch immer die Entscheidungen aussehen werden, wir werden sie umsetzen. Für uns steht auf jeden Fall der Schutz der Kinder, ihrer Familien und der Mitarbeiter in unserer Einrichtung an erster Stelle. Wir zählen dabei stark auf das Verantwortungsbewusstsein der Eltern, mit denen die Zusammenarbeit zum Glück hervorragend klappt. Uns ist es dabei wichtig, dass die Familien nicht alleine gelassen werden und sich vor allem die Kinder in dieser widrigen Situation trotzdem wohlfühlen. Auch mit den Kindern, die zu Hause bleiben, werden wir den Kontakt aufrechterhalten, damit sie nicht ausgeschlossen werden“, sagte Sandra Wasserloos, Leiterin des Awo-Familienzentrums.

 Kinder des Awo Familienzentrums stellten Futterstationen für Vögel her. Dann kam die Nachricht, dass der Kitabetrieb auf ein Minimum reduziert wird.
Kinder des Awo Familienzentrums stellten Futterstationen für Vögel her. Dann kam die Nachricht, dass der Kitabetrieb auf ein Minimum reduziert wird. Foto: Monika von Kürten

Bei den Schulen ist die Entscheidung der Schließung bereits gefallen. Der Präsenzunterricht wird bis Ende Januar ausgesetzt.

„Für die Familien ist das Homeschooling eine Belastung; ein Selbstläufer oder Dauerlösung ist es nicht. Man muss sich komplett neu organisieren“, sagte eine Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. „Miko besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums. Er muss sich in jedem Fach pünktlich per Schulcloud anwesend melden. Danach erhält er die Aufgaben. Die Arbeitsblätter für seinen Bruder Jari (dritte Klasse) suche ich ihm täglich heraus. Bei Fragen sind wir Eltern in der Zeit durchgehend gefordert, sei es, dass etwas mit dem Laptop nicht funktioniert oder eine Frage in einem Fach auftritt. Da ich von zu Hause arbeite, versuchen wir alle Schularbeiten vormittags zu erledigen, sodass die Nachmittage zum Spielen sind. Was auf der Strecke bleibt? Meine eigene Arbeit. Die wird dann nachmittags oder abends erledigt“, berichtete sie.

Und was sagen ihre Söhne? „Am Anfang des Jahres fand ich den Lockdown gar nicht so schlimm. Ich bekam Aufgaben von der Schule und konnte mir so die Zeit einteilen. Doch irgendwann wurde es zu Hause langweilig, und ich war froh, dass ich wieder zur Schule durfte. Anfangs hatten wir Wechselunterricht, dann war wieder normaler Unterricht. Als wir im Dezember wählen konnten, ob wir die Schule besuchen oder zu Hause lernen, bin ich erst noch gegangen. Doch dann bin ich lieber zu Hause geblieben, weil ich an Weihnachten meine Großeltern sehen wollte und das Ansteckungsrisiko verringern wollte. Ich finde es schade, dass jetzt wieder kein Präsenzunterricht stattfindet. Beim Homeschooling bin ich auf mich alleine gestellt. Klar, Homeschooling ist besser als gar nichts, aber es ersetzt nicht den Gang zur Schule. Mir fehlt die Schule, aber besonders vermisse ich die Pausen mit meinen Freunden“, meint Miko.

Sein Bruder Jari war ebenfalls beim Distanzunterricht im Frühjahr anfangs noch sehr motiviert, doch auch er freute sich, als wieder regulärer Schulbetrieb war. Die erneute Aussetzung des Präsenzunterrichts gefällt ihm gar nicht, er würde lieber wieder „normal“ zur Schule gehen. „Nach einigen Wochen wollte ich damals nicht mehr alleine im Zimmer hocken und lernen. Ich war froh, dass ich vor den Sommerferien noch einmal in die Schule gehen durfte. Vor den Weihnachtsferien durften wir uns aussuchen, ob wir in die Schule gehen. Ich würde immer lieber zur Schule gehen, weil ich dort meine Freunde sehen kann und mir das Lernen dort mehr Spaß macht und einfacher ist. Ich wünsche mir, dass Corona endlich aufhört und dass wir uns wieder mit ganz vielen Menschen treffen können. Dann würde ich als Erstes meinen Geburtstag nachfeiern“, sagt er.