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Hospizbewegung Ratingen wird 25 Jahre alt

Welthospiztag : Hospizverein gibt letzten Stunden Würde

In einem kleinen Rahmen fing alles an. Heute sind rund 70 Ehrenamtler im Ratinger Hospizverein tätig. Zum 25-jährigen Bestehen informierten die Mitglieder auf dem Marktplatz über ihre Arbeit.

Gegründet wurde die Hospizbewegung Ratingen im Jahr 1995. „Es hat alles ganz klein und beschaulich angefangen“, erzählt Koordinatorin Heike Kruse-Chittka. Doch mit den Jahren wurde nicht nur der Verein größer, er schloss auch Kooperationen mit dem St. Marien-Seniorenheim und der Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).

Natürlich wuchs auch die Zahl der Ehrenamtlichen kontinuierlich. Aktuell sind 70 Ehrenamtliche im Einsatz, viele als Sterbebegleiter, andere führen Beratungen zur Patientenverfügung durch, wieder andere sind in der Trauerarbeit tätig.

Reinhild Hillebrand ist Sterbebegleiterin. Sie hat gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen. „Die Ausbildung hat jetzt ein Jahr gedauert“, berichtet sie. Weil wegen Corona eine wochenlange Unterbrechung stattfinden musste. Dennoch freut sie sich auf ihre neue Aufgabe. „Ich habe mich entschlossen, Sterbende zu begleiten“, erzählt sie. Sie hat selbst schon ihre Mutter, ihren Bruder und ihren Lebensgefährten bis zum Tod begleitet. „Es ist mir wichtig, den Menschen noch etwas Gutes zu tun und dabei zu helfen, dass sie in Würde gehen können.“

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In Würde und selbstbestimmt sterben zu können, ist für die meisten Menschen entscheidend. Die neue Gesetzgebung bezüglich der Beihilfe zum Suizid soll hier Möglichkeiten eröffnen, obwohl das Bundesverfassungsgericht selbst in seinem Urteil auf die drohenden Gefahren hingewiesen hatte, etwa dass die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe zu einer gesellschaftlichen Normalisierung der Suizidhilfe führen und sich der assistierte Suizid als normale Form der Lebensbeendigung insbesondere für alte sowie kranke Menschen etablieren könnte. Diese Debatten haben wohl auch das Motto des diesjährigen Hospiztages „Solidarität bis zuletzt“ bestimmt.

Auch am Stand der Ratinger Hospizbewegung auf dem Marktplatz wird über dieses Thema gesprochen. „Man legt nicht einfach eine Pille hin und sagt, mach mal“, erklärt Kruse-Chittka, „das ist ein langer Prozess.“ Denn nicht jeder, der äußert, er möchte nicht mehr leben, will auch wirklich Suizid begehen. Häufig stecken Ängste vor Schmerzen, Hilflosigkeit, Einsamkeit oder davor, anderen  zur Last zu fallen, dahinter. Hier gilt es für die Koordinatorinnen sowie die Ehrenamtlichen der Hospizbewegung genau hinzuhören und Alternativen aufzuzeigen.

Noch immer ist wenig bekannt, dass Hospizarbeit und Palliativversorgung umfassende Möglichkeiten zur Unterstützung eines würdevollen, weitgehend beschwerdefreien, selbstbestimmten und am „natürlichen Ablauf“ ausgerichteten Sterbens bieten. Heike Kruse-Chittka wird im kommenden Jahr eine Schulung dazu anbieten.

Neben dem Hospiztag-Motto und dem 25-jährigen Jubiläum der Ratinger Hospizbewegung, war auch das Thema „Patientenverfügung“ am Stand präsent. „Wir haben eine Corona-Zusatzverfügung entwickelt“, sagt Heike Kruse-Chittka. Diese Zusatz-Patientenverfügung deckt die Versorgung während einer Corona-Erkrankung ab. Der Patient entscheidet, ob er vollumfänglich therapiert werden möchte, Wiederbelebungsmaßnahmen oder lediglich eine palliativmedizinische Versorgung wünscht. Auch die „normale“ Patientenverfügung wurde an interessierte Standbesucher gerne weitergegeben.

(Sandra Grünwald)