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Höseler Reh kehrt zurück in den Kreisverkehr

Wappentier ist zurück : Höseler Rehe: Bei Diebstahl ertönt Alarm

Der Kreisverkehr im Herzen des Stadtteils Hösel beherbergt nun eine ganze Reh-Familie. Eine Alarmanlage soll dafür sorgen, dass das Wappentier nicht noch einmal gestohlen wird.

Dass das Höseler Reh mehr als nur ein Wappentier für die Bürger in Hösel ist, zeigte nicht nur das Entsetzen, das den Ratinger Stadtteil nach dem Diebstahl der Reh-Skulptur aus dem Kreisverkehr erfasste, sondern zeigte sich ganz besonders deutlich an der Spendenbereitschaft der Höseler.

Der Stadtteil ohne Reh ist schlicht unvorstellbar. Denn der schreitende Rehbock, der seit 1938 das Höseler Wappen ziert, ist längst zu einem Wahrzeichen geworden. Das sagt auch Bürgermeister Klaus Konrad Pesch: „Hösel und die Rehe – das Symbol trifft es einfach.“ Er selbst hat seine ganz eigene Geschichte mit dem Höseler Wappentier. „Ich kam vor ziemlich genau 26 Jahren nach Hösel“, erinnert er sich zurück. Zuerst galt es, Stadt und Leute kennen zu lernen. Pesch tat dies vor allem zu Fuß und mit dem Fahrrad, wobei er viel auch in den Wäldern unterwegs war und die „Originale“ dort beobachtet hat.

Auch Michael Droste von der Geschwister-Gerhard-Stiftung, der Eigentümerin der Reh-Skulptur, verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Höseler Reh. „Es war mein Vater, der vor 25 Jahren das Reh gefunden hat“, erzählt er. Diese Skulptur kam ins Zentrum und zierte dort den Kreisverkehr. Während all der Zeit musste das Reh ziemlich viel über sich ergehen lassen. Mal wurde es mit Verhütungsmitteln behängt, mal bekam es einen Sombrero auf den Kopf. Doch nicht nur harmlose Späße wurden mit dem friedlichen Waldtier getrieben. Es wurde auch mit roter Farbe besprüht, die Beine abgesägt. Daraufhin nahm die Stiftung die Skulptur aus dem Kreisverkehr, was zu lautstarken Protesten der Höseler Bevölkerung führte. Also wurde das reparierte Reh wieder im Kreisverkehr aufgestellt.

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In der Nacht zum 19. Mai 2020 verschwand das Höseler Reh dann auf nimmer Wiedersehen. „Es stand nur noch ein Stumpen“, sagt Droste. Die Polizei machte der Geschwister-Gerhard-Stiftung wenig Hoffnung, dass die Skulptur gefunden werden könnte. „Es ging direkt wieder los“, erinnert sich Michael Droste. Die Höseler wollten nicht ohne Reh sein. Also startete die Stiftung eine Spendenaktion. „Binnen weniger Tage ist die hochgerauscht“, freut sich Droste. Das Geld war da – fehlte nur noch das Reh. „Eine Nachbarin hat das Reh im Internet entdeckt“, verrät Droste. Natürlich musste erst einmal geschaut werden, ob die Skulptur passt. Michael Droste fuhr gemeinsam mit CDU-Ratsherr Peter Thomas ins Bergische Land und staunte nicht schlecht, als er die Skulptur betrachtete. „Das sieht aus, als wäre es der Bruder von unserem Reh.“

Aber der Rehbock zog nicht allein nach Hösel, sondern brachte seine Familie mit. Nun residieren Rehbock, Ricke und zwei Kitze auf dem Kreisverkehr im Zentrum von Hösel. Vorher wurde der Kreisverkehr von der Abteilung Stadtgrün passend hergerichtet. So steht die Reh-Familie auf Findlingen, umgeben von Farn und heimischen Pflanzen. Doch nicht nur schön sollte die Reh-Familie stehen, sondern vor allem sicher. So wurde überlegt, wie das neue Wahrzeichen vor Vandalismus und Diebstahl geschützt werden könnte.

„Stacheldraht, Netze, eine Hecke waren im Gespräch“, erzählt Michael Droste. Die zündende Idee kam jedoch von der Firma KomMITT Ratingen, die jedes Reh mit einem Sensor ausstattete. „Wir haben uns darum gekümmert, dass die Rehe bleiben, wo sie sind“, sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Hermes, „und jedem die Freude vergeht, der sich unrechtmäßig daran zu schaffen macht.“ Eine Sirene wird ganz Hösel in Alarmbereitschaft versetzen, sollte jemand versuchen, eins der Rehe zu bewegen. „Das war uns eine Herzensangelegenheit“, so Hermes.

Die Höseler sind glücklich über ihre Reh-Familie. „Ich finde das ausgezeichnet“, betont Dr. Hans Kraft (SPD). „Wir wünschen uns, dass es bleibt, wo es hingehört.“ Und damit jeder erfährt, was es mit dem Höseler Reh auf sich hat, wurde vor dem Hösel-Center gegenüber der Reh-Familie ein Infoschild aufgestellt, auf dem die Geschichte des Wappentiers nachgelesen werden kann.