Hösel: Kinderaktion im Oberschlesischen Landesmuseum

Hösel : Aus dem Kinderleben von anno dazumal

Aktion und Führung im Landesmuseum. Ausstellung erinnert an Kindheiten des 19. und 20. Jahrhunderts.

(JoPr) An diesem Wochenede ist für Jung und Alte einiges los im Obeschlesischen Landesmuseum an der Bahnhofstraße. Am Samstag, 27. April, können Kinder Taschen mit verschiedenen Mustern gestalten und mit nach Hause nehmen.

Kleider machen Leute – das wussten auch die Schlesierinnen, als sie ihre Trachten mit farbigen Blumen- und Rankenmuster zu verzieren begannen. In der Dauerausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums sind einige besonders schöne Kleidungsstücke und Accessoires ausgestellt. Angelehnt an die ebenfalls bunten Taschen und Kissen, werden am Samstag ab 14.30 Uhr mit einer Schablonentechnik Baumwolltaschen mit eigenen Mustern und Figuren gestaltet. Diese dürfen mit nach Hause genommen werden.

Und am Sonntag, 28. April 2019, wird 15 bis 16 Uhr eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“ angeboten.

Wer erinnert sich nicht an die eigene Kindheit? Viele verbinden damit eine unbeschwerte Zeit des Spielens und Tobens, Schulfreundschaften, Schummeln bei der Klassenarbeit, Zeit mit der Familie und vieles mehr. Hingegen haben Kinder in Kriegs- oder Krisenzeiten auch sehr negative Erfahrungen gemacht und sind durch solche Erinnerungen zum Teil bis ins hohe Alter stark belastet.

Als Erwachsener blickt man häufig verklärt auf die Kindheit zurück. Unbeschwert, sorglos und einfach sei damals alles gewesen. In der Tat war Kindheit anders. Das Leben vieler Kinder im 19. und 20. Jahrhundert war von harter Arbeit und auch strenger Erziehung in den ohnehin schwierigen Zeiten wie den beiden Weltkriegen, der Abstimmung, Flucht oder Vertreibung geprägt. Die freie Wahl der Schule, der Ausbildungsstätte oder der Gestaltung der freien Zeit hatten viele Kinder nicht. Sie wurden aufgrund der familiären Verhältnisse, der damit zusammenhängenden finanziellen Möglichkeiten oder auch der Religion schon in bestimmte Richtungen gedrängt. Kinder waren auch Arbeitskräfte oder unterstützten die Familie und den Familienhaushalt.

Es galt als selbstverständlich, dass Kinder im Haus oder auf dem Hof mithalfen oder sogar in Fabriken oder Bergwerken arbeiteten, um so zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Hatten sie doch freie Zeit zur Verfügung, so bastelten sie sich selber Spielzeuge oder spielten mit den Nachbarskindern selbstausgedachte Spiele wie das „Klippespiel“ oder „Pinke-Spiel“, die in Schlesien besonders beliebt waren.

Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurden Spielzeuge massenhaft hergestellt und zunehmend für Familien erschwinglich. Mehrere und verschiedene Spielzeuge zu besitzen war aber noch immer nur wenigen Kindern vorbehalten.

Eine historische Puppe in Originalkleidung aus der „Spielzeugstube“ von Hildegard Markmann in Eschede in der Lüneburger Heide besitzt für ihre Eigentümerin einen besonders hohen Erinnerungswert an die eigene Kindheit. Als kleines Mädchen musste sie mit ihrer Familie aus Schlesien flüchten. Dabei zerbrach ihre Puppe, ihr einziges Spielzeug. In den 1980er Jahren entdeckte Frau Markmann diese „Minerva“-Puppe und erwarb sie für ihre Spielzeugsammlung, wo es Kinderspielzeug aus mehr als zwei Jahrhunderten zu sehen gibt.

In Schlesien produzierte die Fa. Buschow & Beck unter der Schutzmarke „Minerva“ Ende des 19. Jahrhunderts Puppenköpfe aus Blech, die zusätzlich mit einer Celloloidschicht überzogen waren. 1896 verlegte die Firma ihren Sitz ins sächsische Nossen.

Die Führung ist zugleich eine facettenreiche Zeitreise durch das Leben der Kinder und Jugendlichen im 19. und 20. Jahrhundert. Angefangen bei der Geburt über die Schulzeit bis zu den schwierigen Zeiten der Weltkriege oder des Kommunismus werden verschiedene Lebensbereiche näher beleuchtet. Im Anschluss an die Führung gibt es bei frischem schlesischem Kuchen ausreichend Gelegenheit, sich über eigene Kindheitserinnerungen auszutauschen.

Der Komplettpreis für Eintritt, Führung, Kaffee und Kuchen beträgt 10 Euro. Für dieses Angebot ist eine Anmeldung unter 02102 / 965-0 oder info@oslm.de erforderlich.

Wer nur an der Führung teilnehmen möchte zahlt 6 Euro für Eintritt und Führung.

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