Heiligenhaus: Hilfsverein sucht dringend Sponsoren

Heiligenhaus: Hilfsverein sucht dringend Sponsoren

Seit 19 Jahren begleiten Petra Ullrich und der Verein "Vergessene Kinder" Familien in Rumänien, die in bitterer Armut leben. Doch es fehlen Geldspenden. Dem Verein droht das Aus.

Adrian ist keine drei Jahre alt, als seine Mutter ihn verlässt, weil er den HI-Virus in sich trägt. Er lebt fortan bei seinen Großeltern und wird zwölf Jahre später der Krankheit erliegen. Es fällt Petra Ullrich nicht leicht, von ihrem ersten Patenkind in Rumänien zu sprechen, das sie nicht nur in seinen letzten Stunden begleitet hat. Aber die Erzählungen von Adrian geben einen Einblick, warum die dreifache Mutter den Verein "Vergessene Kinder" mit solchem Herzblut voran treibt.

Eine Berufung, die besonders schwer wird, wenn der Verein, so wie jetzt, in schwere Wasser gerät, denn: "Wenn wir nicht bald Sponsoren finden, die uns finanziell kräftig unter die Arme greifen, dann hat der Verein keine Zukunft. Unsere Reserven reichen höchstens noch bis März." Eine Katastrophe nach 19 Jahren Engagement, zu dem die Heilpraktikerin über eine Patientin kam: "Was ich gesehen habe, als ich das erste Mal in Rumänien war, hat mich nicht los gelassen. Kinder, die nicht aus ihrem Bettchen gehoben wurden, nicht laufen konnten und in ihrem eigenen Kot und schlimmstenfalls Blut gelegen haben." Auch der Hunger sei allgegenwärtig. "Wer das einmal gesehen, gerochen und erlebt hat, vergisst das nicht."

  • Handball : Die Neuen sind Glücksgriffe für Lintorf

Doch der Verlust eines Hauptsponsors ist nicht die einzige schlechte Nachricht für den im Jahr 2000 gegründeten und 78 Mitglieder starken Verein: "Vor ein paar Tagen ist unser Sprinter kaputt gegangen, mit dem unsere tatkräftigen Helfer regelmäßig die Sachspenden zusammen tragen." Gesammelt wird alles das, was in Familienhaushalten benötigt wird, zum Beispiel Schuhe und Kleidung für Kinder und Erwachsene, Hygieneartikel, Baumaterialien, Baby- und andere, haltbare Nahrungsmittel, Medikamente, sowie Schulranzen. Sachspenden, die etwa alle sechs Wochen mit einem Lkw in das siebenbürgische Medias gefahren werden. Ihr Ehemann, der Orthopäde Carl-Heinz Ullrich erzählt, dass allein der Transport mit dem Sattelschlepper rund 2500 Euro koste. Und genau dieses Gefährt soll im nächsten Monat wieder auf die Reise geschickt werden, um die "Weihnachtsgeschenke im Schuhkarton" zu den Familien zu bringen, für deren Kinder es oft das einzige Weihnachtsgeschenk sein wird.

"Die Geld- und Sachspenden kommen zu 100 Prozent den Menschen zu Gute für die sie gedacht sind", betonen die Ullrichs. Zwei bis drei Mal im Jahr ist die Vereinsgründerin selbst vor Ort, die Spendenvergabe übernimmt sie persönlich, andernfalls übernimmt das eine Vertraute. Die Familien kennt sie persönlich: "Grundsätzlich ist es uns aber wichtig, die ganze Familie zu betreuen." Wie etwa in dem Projekt "2 for Kids", in dem Kinder aus bitterarmen Analphabeten-Familien betreut werden und den regelmäßigen Schulbesuch ermöglicht bekommen, monatlich sind das noch einmal etwa 2000 Euro Fixkosten für die Miete oder Lebensmittelkauf. Auch Mütter bekommen Nachhilfe. "Bildung ist der Schlüssel gegen Armut, damit die Menschen in ihrem Land eine Chance bekommen." Unterstützt werden zudem Diabetes- und Medikamentenbetreuung wie auch HIV-Aufklärungskampagnen. Für Adrian kommen diese Hilfen zu spät - in diesem Jahr wäre er 30 geworden. Weitere Informationen unter 02056 255327 oder www.vergessene-kinder.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE