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Ratingen: Hilfe nach der Diagnose

Ratingen : Hilfe nach der Diagnose

Gestern hatte die Demenzinitiative zu einem kleinen Neujahrsempfang in ihrem Laden in der Wallpassage eingeladen. Dort wurde Bilanz über das vergangene Jahr gezogen. Fazit: Die Zahl der Betroffenen steigt.

Demenz, diese Diagnose hinterlässt einen tiefen Schock, sowohl bei den Erkrankten selbst als auch bei den Angehörigen. Denn nun beginnt ein langer Weg, bei dem Geist und Körper langsam verfallen, die Erkrankten werden zu Pflegefällen.

Damit Betroffene nicht alleine bleiben und sich Hilfe suchen können, gibt es seit fünf Jahren den kleinen Laden der Ratinger Demenzinitiative in der Wallpassage. Gestern gab es einen kleinen Neujahrsempfang im Laden, bei dem die Projektleiterin Hildegard Heinrich das vergangene Jahr bilanzierte.

Überblick über Angebote

640 Besucher kamen 2009 zur Beratung in den Laden. "Dazu gab es zahlreiche Familienkonferenzen", erklärte Hildegard Heinrich. Familienkonferenzen, damit meint sie die Treffen von Partnern und Kindern, nachdem die Diagnose Demenz gestellt worden ist. Manchmal kommen die Angehörigen aus der ganzen Republik zusammen zur Demenzinitiative, um sich beraten zu lassen. Denn eine umfassende Beratung sei sehr wichtig.

In Ratingen hat die Demenzinitiative den Überblick. Keine leichte Aufgabe, schließlich sind im Stadtgebiet rund 70 Institutionen in die Arbeit mit Demenzkranken und deren Angehörigen eingebunden. Dazu gehören neben Krankenhäusern, Pflegeheimen und Seniorentreffs auch Angehörigengruppen.

So gibt es inzwischen in fast allen Stadtteilen so genannte Demenzcafés, in denen die Erkrankten betreut werden. "Die Angehörigen haben so wenigstens ein paar Stunden Zeit für sich selbst, in denen sie etwas erledigen können", so Hildegard Heinrich.

Die Stadt unterhält drei dieser Demenzcafés — in Ratingen Mitte, Süd und Ost. Andere werden von den Kirchen oder Institutionen wie der Diakonie unterhalten. Nur Eggerscheidt, Tiefenbroich und Ratingen West haben dieses Angebot noch nicht.

Wie wichtig die Cafés sind, zeigen die Zahlen. In Ratingen sind rund 1400 Menschen an Demenz erkrankt, jährlich kommen etwa 400 dazu. "Das Thema Demenz wird immer wichtiger, weil immer mehr Menschen davon betroffen sind", sagte der stellvertretende Bürgermeister David Lüngen, der beim Neujahrsempfang die Stadt vertrat.

Die Bedeutung sei inzwischen auch allen Ratinger Parteien klar, betonte Lüngen. So habe der Rat erst im Dezember beschlossen, auch in diesem Jahr die Demenzinitiative mit 18 000 Euro zu unterstützen. Gerade der Laden in der Wallpassage sei ein niederschwelliges Angebot mitten im Herzen der Stadt. Dort könne man sich beraten lassen, ohne erst Ämter oder Einrichtungen aufsuchen zu müssen.

Trotzdem ist die Demenzinitiative auf Spenden angewiesen. Die Theodor Fliedner-Stiftung gibt jedes Jahr 22 000 Euro, doch damit kann bei weitem nicht alles finanziert werden. So wurde beispielsweise der dringend nötige neue Teppich im Laden von den Rotariern gespendet.

(RP)