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Heiligenhaus: Hier feiert Europa

Heiligenhaus : Hier feiert Europa

In der Feuerwehrscheune vergnügten sich die Teilnehmer des Internationalen Jugendkulturcamps am Samstag beim Bergfest. Es ist also Halbzeit im Camp, das am kommenden Wochenende mit einer Präsentation der Workshop-Ergebnisse zu Ende geht. Ist eine gemeinsame Identität in Sicht?

Man konnte gar nicht sagen, ob die Party in der Scheune der Stadtwerke Heiligenhaus drinnen oder draußen stattfand. Auf dem Fest zur Halbzeit des Internationalen Jugendkulturcamps, ein Projekt innerhalb des Kulturfestivals Ruhr 2010, wollten die jungen Menschen unter die Leute gehen. Sie wollten sich mischen, zeigen und, wie überhaupt in den insgesamt zwei Wochen des Camps, vor allen Dingen entfalten.

Die Stadt Heiligenhaus ist für Ruhr 2010 eine Besonderheit, denn sie liegt als Gastgeber außerhalb des Ruhrgebiets. Als solche zieht sie Europäer aus den entferntesten Zipfeln der Union an. Junge Menschen, die sonst nie zusammen gekommen wären, entdecken dort ihre gemeinsame Identität. Dieses Projekt zu begleiten, war für Bürgermeister Jan Heinisch und die Organisatoren des Abends, Hannes Johannsen und Hendrik Schulze Neuhoff, ein Ehrenanliegen.

Das Konzept des Camps schweißt zusammen. Jeden Tag erarbeiten Teilnehmer aus zehn Ländern in Workshops die Themen wie Alltagsheldentum, Identität und Verantwortung.

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So wie Linn Marx (29), Fotografin. Im Laufe der ersten Woche habe ihr Team "ästhetisch jeden Tag einen anderen Kursteilnehmer umgebracht". Zum Beispiel mit Wasserbomben. Fotografisch ging es darum, den richtigen Moment zu erwischen, den, in dem der Luftballon platzt, der Beworfene das Gesicht verzieht und das Wasser nur so spritzt. Inhaltlich schufen sie eine selbstironische Botschaft: Wie man kreativ und entschlossen mit allzu ernst Genommenem oder unreflektierten Gewohnheiten bricht.

Anne Willing (31) von der evangelischen Kirchengemeinde Heiligenhaus baute ein mittelalterliches Zeltdorf. Denn die Leitfigur des Camps ist Robin Hood, ein Held, der mit sozialen Systemen seiner Zeit brach. "Wir bringen den Helden Robin Hood ganz nah an die Campteilnehmer", so Willing. So erfahren sie, was passiert, wenn man wie zu alten Zeiten auf Schafsfellen um ein Feuer sitzt. Man erzählt. Und zwar von Heldentaten und voneinander."

Durch die Sprachbarrieren nutzen die jungen Menschen das Medium des jeweiligen Workshops als Kommunikationsmittel. "Deshalb arbeiten alle mit so viel Herzblut mit", sagt Julian Mertens (26), kultureller Intendant des Camps.

An den Abenden stellt sich immer ein anderes Land vor. Die Ukraine stellte sich mit einer Diaschau vor und legte Reisebroschüren aus. Am Abend der Party brachten vier bis fünf Schotten die ganze Scheune zum Tanzen. "Das war ganz schön zünftig", resümiert ein Teilnehmer, selbst noch schwitzend. Den Durchbruch für das Gemeinschaftsgefühl hätten aber die Polen geschafft. Mit ihrer selbstbewussten Vorstellung einer "schwindelerregenden Vielfalt an Wurst" und polnischer Musik hatten sie nach zwei Abenden die erste Party ausgelöst. Mit polnischen Elektrobeats haben sie die Stimmung der jungen Europäer zum Kochen gebracht. Da lassen sich Nachbarschaft, Thekenpersonal und Feuerwehr, die für die Sicherheit der Anlage sorgt, gerne auf ein paar Überstunden ein.

Eine Mutter, die am Abend der Party etwas abseits stehend das Geschehen beobachtet, bemerkt: "Hier feiert ein Europa abseits der Bürokratie."

(RP)