Interview mit Jan Heinisch: "Heimatpolitik eint unsere Gesellschaft"

Interview mit Jan Heinisch: "Heimatpolitik eint unsere Gesellschaft"

Der Staatssekretär im NRW-Heimatministerium, Jan Heinisch, spricht über die Konjunktur des Begriffs.

Der ehemalige Bürgermeister von Heiligenhaus ist ein ausgesprochener Heimat-Fan: Sie stärke die eigene Identität, sagt er.

Herr Heinisch, sind Sie eigentlich ein heimatverbundener Mensch?

Jan Heinisch Ja. Ich lebe gerne dort, wo ich wohne, und freue mich auch nach Urlaub oder sonstiger Abwesenheit, wieder nach Hause zu kommen.

Was bedeutet heimatverbunden für Sie konkret?

Heinisch Heimat bedeutet örtliche Besonderheit und Spezialität, die es anderswo nicht gibt. Dazu gehören Stadtbild, Landschaft, Küche, liebe Menschen, also Dinge, die uns im Urlaub in der Fremde auch als besonders schöne Eigenheiten des Urlaubsorts auffallen. Heimat ist Bestandteil meines Lebenswegs, sie gehört zur eigenen Identität.

Wo ist Ihre Heimat - und: gehören besondere Menschen dazu?

Heinisch Meine Heimat ist Heiligenhaus mit seiner Umgebung, ein Stück weit auch mein früherer Studienort Düsseldorf und unser ewiges Familien-Urlaubsziel, die Bretagne. Natürlich gehören auch die Familie dazu, mein Freundeskreis von der Feuerwehr und viele weitere liebe Menschen.

Bund und Land haben jetzt Heimatministerien: eine richtige Entscheidung in Ihren Augen (ist die Zeit reif dafür)?

Heinisch Eindeutig ja. Die Politik zeigt damit mehr Bewusstsein für die guten Dinge, die uns prägen und verbunden haben. Das kann ja kein Fehler sein.

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Was macht ein Heimatministerium anders als ein Innenministerium?

Heinisch Heimatpolitik ist etwas völlig anderes als Innenpolitik. Innenpolitik sorgt vor allem für polizeiliche und sonstige Sicherheit in unserem Land, Heimatpolitik kümmert sich um lokale Identität, stärkt das Zusammenleben und eint ein Stück weit unsere Gesellschaft. Beides ist zwar beim Bund aus guten Gründen unter einem ministeriellen Dach, aber das musste nicht zwingend so sein. In Nordrhein-Westfalen sind die Themenfelder ja auch in getrennten Häusern verortet.

Die Rheinische Post veröffentlicht seit fünf Jahren "Heimatserien", zweimal jährlich. Wir beobachten eine neue Wendung zum Positiven, was den Begriff angeht. Woran liegt das nach Ihrer Erfahrung?

Heinisch Globalisierung, Digitalisierung, weltweit immer schnellere und bebilderte Informationen über Katastrophen und Konflikte sorgen ein Stück weit für Verunsicherung. Heimat indes gibt Halt, Orientierung und Sicherheit. Insofern gibt es eine positive Hinwendung zu einem Begriff, den man einst als altbacken empfand.

Kennen Sie ein Synonym zum Wort Heimat?

Heinisch In fast allen anderen Sprachen interessanterweise nicht. Am ehesten wird "Heimat" dort mit "lokaler Identität" übersetzt. Das trifft es zwar, aber der Begriff ist weit weniger emotional.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihre Heimat bewerben: Wie würde das aussehen?

Heinisch Ich würde Bilder sprechen lassen. Prägende, schöne Gebäude, lebendige Plätze, schöne Ausblicke über die Stadt und auf unsere Landschaft mit blühenden Rapsfeldern, auf denen meine Bienen fliegen. Ich bin nämlich Hobby-Imker.

GÖKÇEN STENZEL STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)