1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhauser Bürgerhilfe hilft Menschen in Zeiten von Corona

Einfach anrufen : Mit dem Abstand wächst Zusammenhalt

Das Netzwerk der Heiligenhauser Bürgerhilfe, die unter 0157 33147198 zu erreichen ist, soll auch darüber hinaus Zukunft haben.

Die Auswirkungen der globalen Krise zeigen sich vor allem in den Strukturen auf kommunaler Ebene: Es schlägt die Stunde der Solidarität vor der Haustür. Während die einen sich also um Toilettenpapier zoffen, gründen die anderen kurzerhand nachbarschaftliche Hilfsprojekte mit dem Versprechen „Wir sind für euch da!“

Menschen aus der Risikogruppe oder ältere Mitbürger, die Hilfe brauchen, wie sie auch immer aussehen mag, sind beispielsweise bei der Initiative der stadtweiten und noch jungen Bürgerhilfe richtig. Die Idee dazu stammt von den Brüdern Kesavan und hat schnell Kreise gezogen. Wer die Nummer der Bürgerhilfe, die 0157 33147198 wählt, der landet bei Raj Kesavan und trifft sofort auf ein offenes Ohr. Er bringt aus seiner ehrenamtlichen Arbeit bereits ein Netzwerk mit, das sich nun stetig vergrößert und über eine WhatsApp-Gruppe mit etwa 50 Teilnehmern in ständigem Kontakt ist.

„Wer Zuhause bleiben muss, für den können wir Essen nach Hause fahren, einkaufen oder mit ihren Hunden rausgehen. Wir telefonieren aber auch einfach mal und schnacken mit den Anrufern.“ So rufen immer mal wieder Menschen an, die einfach ihre Sorgen teilen müssten, dann gehe es beispielsweise um Einsamkeit und beinahe in jedem zweiten Anruf um Angst, „auch in diesen Situationen muss keiner allein sein“, betont der Initiator. „Viele die anrufen, sind sozial benachteiligt und gehören zur Risikogruppe“, sie würden gerade jetzt oft übersehen, sagt Kesavan.

Die Bürgerhilfe wirkt deswegen auch über die Stadtgrenzen hinaus, so freuen sich derzeit auch Velberter Damen über die Hilfe der Heiligenhauser, die ihnen das Essen bringen. Mindestens einer ist pro Tag immer irgendwie unterwegs. „Wir haben uns aus mehreren Gruppen zusammen gesetzt“, erklärt Kesavan. So ist man zum Beispiel direkt mit der Facebook-Gruppe „Hilfe in der Corona Krise Heiligenhaus“ vernetzt, auch andere Ehrenamtliche sind dabei, die Erfahrung in verschiedenen Bereichen mitbringen.

Damit gibt es derzeit etwa doppelt so viel Helfer wie Arbeit: Bis zu 20 Menschen nehmen das Hilfsangebot derzeit in Anspruch. Die Strukturen sind gelegt: „Und es funktioniert gut. Wir arbeiten jetzt alle Hand in Hand. Wenn eine Nachfrage da ist, haben wir in fünf Minuten geklärt, wer sich kümmert.“ Auf kurzem Weg, schnell und ohne große Umwege. Dass es derzeit nicht so viele Hilferufe gibt, das sei gut: „Daran merken wir, dass viele ältere Menschen, die Familien und Freunde oder auch Nachbarn haben, die sich kümmern.“

Scheu vor einem Anruf muss aber keiner haben. „Die Menschen, die tatsächlich öfter bei mir anrufen, sind diejenigen, die vom System ein bisschen vergessen wurden. Besonders alte Menschen, die keinen mehr haben oder auch diejenigen, die ohnehin in schwierigen Lebenssituationen stecken. Die Nummer ist dann schon auch eine kleine Seelsorge“, sagt Kesavan. Aus seiner Arbeit mit Flüchtlingen weiß er um Probleme auf anderen Erdteilen. „Im Vergleich dazu geht’s uns hier sehr gut. Irgendwas müssen wir zurückgeben.“

Und so ist Helfen für ihn Ehrensache: „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Nummer der Bürgerhilfe nach der Corona-Krise aktiv bleibt, auch die WhatsApp-Gruppe wird bestehen bleiben. Man könnte das Handy dann immer weiterreichen, so dass auf jeden Fall immer jemand abnimmt, wenn ein Mensch Hilfe braucht.“

Info: Besuchen Sie auch die neue Plattform der Rheinischen Post unter www.rp-gemeinsamstark.de. Auf dieser Plattform wollen wir Helfer und Hilfsbedürftige zusammenführen, beispielsweise für den Einkauf für einen älteren Nachbarn oder das Hilfspaket für Obdachlose. Gleichzeitig wollen wir einen Marktplatz für Dienstleistungsunternehmen aus Handel, Handwerk und Gastronomie schaffen, die durch die Krise in Not geraten sind.“ (Link: https://www.rp-gemeinsamstark.de/)