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Heiligenhaus: Wirbel um Privatschul-Abschlüsse

ANALYSE : Prüfungen: Aufatmen bei Privatschülern

Nach massiven Elternprotesten gegen Termine am Ferienende und zum Beginn des kommenden Schuljahrs – auch aus Heiligenhaus – und einer Petition des Privatschulverbandes sollen die Prüfungen nun doch bis Schuljahrsende über die Bühne sein.

Die Tochter der Heiligenhauserin Anja Winterscheidt besucht die zehnte Klasse der Velberter Privatschule Villa Wewersbusch, sie steht damit kurz vor dem Abschluss. Der sollte, ganz wie gewohnt, mit den vier Klausuren und einer mündliche Prüfung zum Schuljahrsende über die Bühne sein. So wird es jetzt auch kommen, aber der Weg dorthin war, vorsichtig gesagt, ein verschlungener Pfad. Oder anders: ein Lehrstück in Sachen Unwägbarkeiten zu Coronazeiten. Denn die Schul-Obrigkeit in Düsseldorf blieb offenkundig nicht unbeeindruckt von Eltern- und Lehrerargumenten.

Aber der Reihe nach: Erst in der vergangenen Woche hatte Anja Winterscheidt Alarm geschlagen. Die Ausgangssituation stellte sich für sie so dar: Während an staatlichen Haupt-, Real- und Gesamtschulen auf zentrale Abschlussprüfungen mit landesweit einheitlichen Aufgaben zu Gunsten von durch Lehrer gestellte Tests verzichtet werde und die Schulen ihre Prüfungstermine selbst wählen könnten, hätten sich, so Winterscheidt in einem Schreiben an NRW-Landtagsabgeordnete, die Bedingungen für Privatschüler in den sogenannten Externenprüfungen verschlechtert.

Deutlichster Kritikpunkt der Eltern: Die Termine für die schriftlichen Prüfungen waren für die letzte Ferienwoche und die erste Schulwoche des kommenden Schuljahres vorgesehen. Die mündlichen Prüfungen für Mitte August. Eventuelle Nachschreibetermine für September. Die Befürchtung der Eltern: Das bringe eine Gefährdung des weiteren schulischen und beruflichen Weges ihrer Kinder mit sich.

Zumal für den Abschluss einzig die Noten dieser Prüfungen gelten, keine Schuljahresnoten. Betroffen sind nach Winterscheidts Angaben über 2000 Schüler in ganz NRW. „Sowohl für eine Berufsausbildung, als auch für den Besuch von weiterführenden Schulen wie Berufskollegs, ist vor Beginn die Vorlage eines Abschlusszeugnisses notwendig. Dies können unsere Kinder nicht vorlegen.“ Gesucht war, nach Wintscheidts Worten, eine „zeitgerechte Abschlussprüfung“.

Die ist offenbar gefunden. Denn es kann bei der Vor-Corona-Terminplanung bleiben, wie Michael Löser, Leiter der Villa Wewersbusch, am Montag auf Anfrage erläuterte. „Es ist so, dass die massiven Elternbeschwerden, wie auch eine Petition des Privatschulverbandes, in der vergangenen Woche wohl zu einem Umdenken im Ministerium geführt haben.“

Auch Löser sah durch spätere Termine Probleme auf Schüler zukommen – und zwar in Sachen Lebensplanung: „Nur zwei Beispiele. Eine Schülerin wird nach Berlin umziehen. Zwischenzeitlich musste sie damit rechnen, für die Prüfungen jeweils nach Düsseldorf einpendeln zu müssen.“ Auch geplante Auslandsaufenthalte seien langfristig vorgeplant gewesen und eben nicht einfach zu verschieben.

Konkret geht die Lösung nach den Worten des Velberter Schulleiters nun so: Die Eltern werden umgehend Post von der Bezirksregierung erhalten. Darin werden sie darüber informiert, wie die Prüfungen bis zum Schuljahrsende laufen können. Dies wiederum lasse sich dann mit wenigen Klicks im Internet organisieren.

Löser macht auch auf eine weitere Besonderheit aufmerksam: „Damit ist der alte Termin zum Ende der Schulferien nicht aus der Welt. Diese Möglichkeit bleibt erhalten.“ Wer also später seine Prüfungen ablegen wolle, könne sich dafür entscheiden. „Wie gehen aber davon aus, dass unsere Schüler alle bis zu den Sommerferien mit den Prüfungen durch sein möchten.“