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Heiligenhaus: Wie der Bahnhof zum Leben erwachte

Heiligenhaus : Wie der Bahnhof zum Leben erwachte

Am 31. März 1925 rollte offiziell der erste Zug auf die Gleise am Heiligenhauser Bahnhof. Ein Festtag in der kleinen Gemeinde, die lange um den Bahnanschluss hat zittern müssen. Reste dieser Zeit sind noch zu bewundern.

Es soll ja bis heute manchmal vorkommen, dass man auf einen Zug länger warten muss als angekündigt. Die Wartezeit, die die Heiligenhauser zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts jedoch haben in Kauf nehmen müssen, dürfte allerdings Rekord-Charakter haben.

Der alte Eisenbahnwagen am ehemaligen Bahnhof Heiligenhaus ist ein umgebautes Museumsstück. Foto: Achim Blazy (abz)

Denn: Die Gleise mussten erst verlegt werden. In die Quere kamen den Planern und Bauarbeitern dabei Unwegbarkeiten durch organisatorische Herausforderungen, eine äußerst problematische Topografie sowie einen Weltkrieg. Gleise gab es damals zwar in der Stadt, die aber vor allem für den Personennahverkehr, und nur nachrangig für den Güterverkehr, denn sie waren dem Bedarf der wachsenden Industrie kaum gewachsen. So rollte zwischen Heiligenhaus und Hösel seit 1899 eine schmalspurige Dampfbahn, die von einer Lokomotive gezogen wurde: Der „Feurige Elias“, von den Einheimischen auch gern „Püffer“ (Pfeiffer) genannt.

Diesen Anblick bietet der ehemalige Bahnhof Isenbügel inzwischen vom Panoramaradweg aus. Foto: Achim Blazy (abz)

Von Heiligenhaus in Richtung Velbert fuhr seit dem und noch bis 1952 eine elektrische Straßenbahn. Mit Zwischenstationen kostete eine Fahrt mit dem „Püffer“ von der Station hinter dem Heiligenhauser Rathaus bis zum heutigen S-Bahnhof Hösel 25 Pfennig. Bereits im ersten Betriebsjahr seien auf beiden Strecken insgesamt etwa 300.000 Personen befördert und tausende Tonnen Güter transportiert worden. Mit dem Einmarsch der Franzosen kam für den „Feurigen Elias“ im Februar 1923 aber das Aus. Notwendige Investitionen aufgrund der hohen Beanspruchung waren nicht stemmbar, und so hoffte man in Heiligenhaus auf die baldige Fertigstellung der Niederbergbahn für den Personennah- und Güterverkehr.

Die Strecke, die Wuppertal, Wülfrath, Velbert und Heiligenhaus an Essen anbinden sollte, ließ jedoch auf sich warten. Die Planungen seit 1896 kamen immer wieder ins Stocken, die Umsetzung der ersten Pläne von 1906 in Bautätigkeit mussten gegen eine Vielzahl von Barrieren durchgesetzt werden. Dabei litt nicht zuletzt die Nachbarschaft der beiden Gemeinden Velbert und Heiligenhaus. Doch als am 31. März 1925, einem Dienstag, der erste Zug ganz offiziell und endlich auf der Trasse aus der östlichen Nachbarstadt nach Heiligenhaus rollte, wollte man, so heißt es in der damaligen Festschrift, die Querelen vergessen. Bereits 1922 wurde der Bau des Empfangsgebäudes des Bahnhofes (an der heutigen Bahnstraße) genehmigt und in Auftrag gegeben, die Arbeiten starteten zügig. So verfügte der Bahnhof an der eingleisigen Strecke über fünf Gleise, eines davon mit Bahnsteig und sollte neben „Isenbügel“ und „Sportfeld“ einer von drei Haltepunkten sein. Um das Stationsgebäude nach dessen Fertigstellung zu verwalten, und damit auch das Innere vor Beschädigungen zu schützen, setzte die Reichsbahndirektion Elberfeld eine Bahnhofswirtschaft in Betrieb. Erster Pächter war Wilhelm Jansen gefunden. Durchgängig bis nach Essen wurde die Strecke erst ein Jahr später. Auch das wurde wieder groß gefeiert. Nur von langer Dauer war die Freude nicht. Am 27. Mai 1960 wurde der Personennah-, 1975 der Güterverkehr wieder eingestellt. 1990 wurde der Bahnhof inklusive Gastwirtschaft geschlossen. Versuche die Gemeinden Velbert, Heiligenhaus und Wülfath an den Personennah- oder Güterverkehr (ausgenommen die Angertalbahn) anzubinden scheiterten. Die Trasse ist heute mit dem Panoramaradweg wieder zugänglich.

Im nächsten Teil des Stadtquiz suchen wir ein Heiligenhauser Urgestein der Kneipenszene mit Hang zur Jazzmusik.