Heiligenhaus: Was die Innenstadt nach vorn bringt

Analyse : Was die Innenstadt nach vorn bringt

Während das neue Nahversorgungszentrum langsam in die Höhe wächst, hat zeitversetzt Nachdenken über ein neues Einzelhandelskonzept eingesetzt. Vor zehn Jahren erschien der Vorgänger. Nicht alles, was dort drin steht, ist inzwischen obsolet.

Das neue Nachdenken über Stadtentwicklung läuft aktuell auf mehreren Ebenen. Die augenfälligste: Bereits in seiner Ansprache zum neuen Jahr hat Bürgermeister Beck das „Jahr der Kräne“ ausgerufen. Der größte Kranausleger schwebt längst über der Baustelle Hitzbleck-Areal, wo der Investor HBB das neue Nahversorgungszentrum baut. Parallel dazu gibt es auf einer zweiten Ebene Knatsch.

Es kommt eine alte Befürchtung wieder zum Vorschein: Das neue Zentrum jenseits der Westfalenstraße könne den Einzelhandel entlang der Hauptstraße negativ treffen. Den Kritikern des Vorhabens in der Fraktion der WAHL hielt die CDU unlängst entgegen, es könne nicht sein, Einzelhändler gegen Investoren auszuspielen.

Im Schuhhaus Dornemann läuft nach über 90 Jahren am Standort Hauptstraße der Räumungsverkauf. Foto: Blazy, Achim (abz)

Benötigt werde stattdessen ein Workshop zur Zukunft der Innenstadt. Ein entsprechender Antrag hierzu liegt den Wirtschaftsförderern für ihre nächste Sitzung (am 21. November) vor.

Da werden Erinnerungen wach an ein längst erledigtes Projekt: Das Einkaufszentrum Ecke Westfalenstraße und Kettwiger Straße wird es nicht geben. Dort, wo es hin sollte, ist inzwischen ein Parkplatz, nachdem der Vertrag zwischen Stadt und damaligem Investor nach längerem Tauziehen aufgelöst worden war. Pikanterweise werden genau diese neuen Parkplätze nun vor allem deswegen gebraucht, weil in Sichtweite zum alten Plangelände tatsächlich ein Nahversorgungszentrum entsteht (ein weniger furchteinflößener Name ist bisher nicht gefunden).

Aber das ist nur ein Nebenaspekt. In Erinnerung ist auch, wie lange Ratsgremien im Vorfeld der Planung des ersten Einkaufszentrums versuchten, Einfluss auf die dort anzubietenden Sortimente und auf Geschäftsgrößen zu nehmen. Rückblickend lässt sich feststellen: Das war so gut gemeint wie jeder Protektionismus. Aber das Vorgehen umwehte ein Hauch von Weltfremdheit.

Zehn Jahre ist es auch her, dass die IHK Velbert ein Einzelhandelskonzept für Heiligenhaus nebst Analyse vorstellte. Lesenswert ist das Papier immer noch in Teilen. Und der Form nach könnte es für künftige Diskussionen als eine Art Blaupause für zu beantwortende Fragen dienen. Schon damals kamen die CIMA-Experten zu einem hammerharten Zwischenfazit: „In wichtigen Schlüsselfragen offenbart die Stadt eine wenig attraktive Einzelhandelsstruktur. Gerade in der Innenstadt werden die Probleme offensichtlich: Die langgestreckte Struktur des Geschäftsbereichs trägt das Risiko einer zunehmenden Perforierung, d.h. größerer und kleinerer Unterbrechungen des Besatzes, in sich.“ Und der Ausweg? Expertenantwort: „Hier ist eine ausgeprägtere Schwerpunktbildung wünschenswert.“

Auch die Frage nach eventuellen Umsatzverlagerungen beschäftigte die Fachleute schon vor zehn Jahren. Ihr eindeutiges Votum: Diese seien „Folge des bisher nur mäßig entwickelten Angebotsniveaus und signalisieren nicht zuletzt die Notwendigkeit eines Strukturwandels innerhalb des örtlichen Einzelhandels, wenn das Einzelhandelsangebot in der Innenstadt deutlich nachhaltig ausgebaut werden soll“.