Heiligenhaus und Streuobstwiesen

Mehr Blüh- und Streuobstwiesen sollen in die Stadt: „Wiese mähen ist einfach Quatsch“

Experten arbeiten an einem neuen Konzept für Blumen- und Streuobstwiesen. Auslöser war eine schlichte Panne.

Rund um die Realschule am Nordring ist das Gras braun - und kurzgeschnitten. Am Rand, im Schatten, sind fast reife kleine Äpfel im Angebot. Probieren erlaubt. Jedenfalls dann, wenn der pensionierte Realschul-Biologielehrer Dietmar Borbe eine ganze Expertenrunde zusammentrommelt, um eine Idee für den Umgang mit städtischen Wiesen in Umlauf zu bringen. Borbe ist Mitglied im Bürgerverein Oberstadt/Nord. Dessen Chef Friedrich-Ernst Martin ist zur Realschule gekommen, außerdem Förster Hannes Johannsen, Ingmar Janssen für die SPD und der Biologielehrer Carsten Jansen, sozusagen Borbes Nachfolger an der Realschule.

An den Anfang aller Betrachtungen stellt die Gruppe eine kleine Panne. Die Stadtbetriebe hatten im Hochsommer die Wiese vor der Schule ratzeputz kurzgeschnitten – das passiert turnusmäßig alle paar Wochen. Und es ärgert Borbe turnusmäßig alle paar Wochen. Friedrich Ernst Martin kommentiert trocken: „Bei Hitze Wiese mähen ist Quatsch.“ In einem Brief an alle Fraktionen wurde Borbe schon ausführlicher: „Wenn alle zwei bis drei Wochen gemäht wird, so wie ich es vor 50 Jahren selbst gelernt hatte, damit alles schön sauber, ordentlich und steril aussieht, dann kann sich nichts entwickeln, das wusste ich damals nicht besser, inzwischen habe ich dazugelernt.“ Der Biologe fordert Einsatz für mehr Streubost- und Blühwiesen. Nicht nur rund um die Realschule, sondern auch nahe dem Kult-Café am Panoramaradweg.

Bei Förster Hannes Johannsen rennt er damit offene Türen ein. Dass die Stadtbetriebe überhaupt an der Realschule gemäht hatten – das bucht der Fachmann als versehentliche Panne. Allerdings eine, die sich nicht wiederholen sollte. Dabei helfen könnte eine neue Karte, die alle Flächen ausweist, die nur zweimal jährlich gemäht werden sollen. Eine Karte, die den Mitarbeitern an die Hand gegeben werden kann. Schulung soll hinzukommen, auch für die jungen Leute, die in Heiliigenhaus ihr „Freiwilliges Ökologische Jahr“ absolvieren. Im eigenen Umfeld, am Waldmuseum, experimentiert Johannsen seit einiger Zeit mit Blühstreifen und alten Wildobstbäumen. „Mehr Mut zur Wildnis fördern“ nennt er das. Wobei Wildnis für ihn nicht gleichzusetzen ist mit Unordnung.

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„Eine Streuobstwiese gehört zu den wertvollsten Lebensräumen“, sagt Borbe. Zahlen dazu: Gut drei Viertel der landwirtschaftlichen Produktion beruht auf Insektenbestäubung. Vorschläge zur Verbesserung der Situation in Heiligenhaus fänden sich in Nachbarstädten und -ländern. „In Duisburg wird der Seitenstreifen der Straße bewusst in Abschnitten gemäht. Ein sehr weitsichtiges und vorbildliches Verhalten. Essen hat dafür ein eigenes Konzept aufgelegt“, schrieb Borbe weiter an die Fraktionen. Ganz so weit ist man in Heiligenhaus noch nicht – aber Johannsens Projekt rund um Blühstreifen wird wachsen.

Weniger einig war man sich am Ende bei der Bestimmung der verköstigten Apfelsorte: Johannsens Tipp: „Elstar“. Biologielehrer Jansen: „James Griese“.

Auf jeden Fall lecker säuerlich.