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Heiligenhaus: Trauer um Alice Thormählen

Heiligenhaus : Trauer um Alice Thormählen

Die Mäzenin und Grande Dame der heimischen Unternehmerschaft starb im Alter von 91 Jahren.

„Ich glaube fest an das Glück und den Erfolg innerhalb der Arbeit. Je intensiver ich arbeitete, desto mehr erlebte ich davon. Glück und Zufriedenheit waren daher meine Lebenselixiere“, sagte Alice Thormählen einmal. Jahrzehntelang hat sie diese Ziele gemeinsam mit ihrem Mann Hans Joachim „in glücklicher Lebens- und Arbeitsgemeinschaft“ verwirklicht. Wer die beiden zusammen erlebt hat, dürfte das bestätigen können.

Auch der Umbau des Alten Pastorats folgt Thormählens Ideen. Foto: Blazy, Achim (abz)

Sie gründeten 2008 eine Stiftung, die ihrer beiden Namen trägt und nach seinem Tod im Jahr 2012 bereitete ihr das Geben an unzählige große und kleinere Projekte innerhalb ihrer „geliebten Heimatstadt“ Glück und Zufriedenheit. Sie sorgte dafür, dass der Fuhrpark der Heiligenhauser Tafel stets weiter rollen konnte und dass dort ein dringend benötigter Herd gekauft werden konnte. Dank ihr standen über 400.000 Euro für die Renovierung und Neuausstattung des größten Veranstaltungsortes in der Stadt, der Aula des Immanuel-Kant-Gymnasiums, zur Verfügung. Seit den Anfängen des Campus‘ finanzierte sie außerdem mit ihrer Stiftung Stipendien für engagierte Studierende. Mit der Sanierung des Gebäudes der ungenutzten Kiekert-Hauptverwaltung hat sie ein Schmuckstück gezaubert, das nun Heimat für die Stadtbücherei und das Campus-Schülerlabor ist. Und auch ihr Herz für die Bewohner des Lebenshilfe-Wohnheims, für die Kultur und Vereine vor Ort war groß.

Der Thormählenpark in der Innenstadt ist eines der großen Vorhaben, die Alice Thormählen unterstützte. Foto: Blazy, Achim (abz)

Ursprünglich habe sie, die Tochter einer Belgierin, die an einem Karfreitag geboren wurde, Sprachen studieren wollen, doch kurz nach dem Krieg bekommt sie keinen Studienplatz. Sie arbeitet erst einmal in der Schweiz und in Frankreich, bevor sie auf Wunsch ihres Vaters Ernst Woelm in der Buchhaltung seiner Firma „Hespe & Woelm“ einspringt. In den 50er Jahren wird sie sie Firmenchefin von „Teleflex“ und damit zur Exotin in einer Männerdomäne. Zur Seite steht ihr ab 1962 ihr Mann. Eigentlich ein gelernter Hotelier, der mit 28 Jahren noch einmal eine Grundausbildung absolviert und Meister wird. Beide packten auch selbst mit an, wo immer es notwendig war – ihre Mitarbeiter werden später noch in höchsten Tönen von ihren Chefs sprechen.

Im Thormählen Bildungshaus auf dem Campus hat die Stadtbibliothek einen neuen Standort gefunden. Foto: Blazy, Achim (abz)

Für die Firma Teleflex findet das kinderlose Paar keinen Nachfolger und verkauft 1992, „Hespe & Woelm (HELM) fusionierte mit dem Unternehmen Karl Woelm Söhne (KWA) und liegt somit nun in den Händen der Söhne der Vettern. Das Paar selbst folgt dem Vorbild ihres Vaters auch in den Spuren des Wohltäters und gründet im Ruhestand ihre Stiftung. Bis zuletzt half Alice Thormählen, ohne viele Worte zu machen. Viel lieber erzählte sie von Erlebtem, von dem, was sie geprägt hat, wie der harten Arbeit, aber auch dem Reisen, und das immer mit einer ordentlichen Portion Humor. Ihre Heimat hat die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes nie aus den Augen verloren. Ihr letztes öffentliches Projekt ist der Bau auf dem Gelände des alten Pastorats. Mit dem Thormählen-Park hat die Stadt dem Paar bereits 2017 ein Denkmal gesetzt. Alice Thormählen, geborene Woelm, starb im Alter von 91 Jahren.

Bürgermeister Michael Beck rückte gegenüber unserer Redaktion Alice Thormählens Wirken doppelt in den Fokus: „Sie war eine prägende Unternehmerpersönlichkeit, die zum wirtschaftlichen Erblühen der Stadt beigetragen hat. Ihr unermüdliches Wirken hat sich auch in einer Vielzahl von zukunftsweisenden Projekten für die Stadt gezeigt. Damit hat sie den Zusammenhalt des Gemeinwesens entscheidend gefördert.“