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Heiligenhaus: Steinige Wege zum digitalen Lernen

Analyse : Steinige Wege zum digitalen Lernen

ANALYSE Die Digitalisierung von Schule und Unterricht soll zügig voranschreiten. Dazu braucht es mehr als Geld und gute Worte, wie die Erfahrungen nach drei Monaten „Corona-Schulbetrieb“ zeigen.

So viel ist sicher: „Digitalisierung“ ist (allerspätestens) zu Corona-Zeiten als zentrales Stichwort im Schul-Alltag angekommen und wird als mehr oder weniger herzlich willkommene Entwicklung begrüßt.

Heiligenhauser Erfahrungen: Eine Umfrage an der Gesamtschule kurz nach Einführung des „Distanzunterrichts“ zu Coronazeiten ergab: 25 bis 30 Prozent der Schüler gaben an, massive Schwierigkeiten mit Computerausstattung und/oder Programmen zu haben. Und Schulleiterin Carmen Tiemann betont die „Heterogenität“ ihrer Schülerschaft. Heißt: Längst nicht überall ist genügend Eltern-Zeit oder Eltern-Geld da. Beides aber begünstigt den Erfolg des digitalen Lernens. Und wo beides fehlt, drohen Schüler schlechtestenfalls abgehängt zu werden. Dagegen stemmen sich viele Lehrer, auch das eine Erfahrung der vergangenen Monate. Dass auch davon zu hören ist, wie Lehrer Unterrichtsmaterialien in Papierform vervielfältigen und sie als Postboten in eigener Klassen-Sache den Schülern nach Hause bringen, verdient in diesem Zusammenhang großen Beifall, ist aber eigentlich ein vollkommen unglaublicher Zustand.

Die FDP-Ratsfraktion beurteilt den Stand der Dinge so: „Einige Schulen sind sehr technikaffin, während andere Schulen noch viel Luft nach oben haben. Woran liegt das aber? Dies liegt sicherlich daran, dass die digitale Infrastruktur in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt wurde. Es wurde aber auch kein Wert darauf gelegt, das Lehrpersonal fit zu machen für die Arbeit mit digitalen Medien. Das zur Verfügung stellen von Technik ist nicht ausreichend hierfür.“ So etwas nennt man wohl einen Rundumschlag.

Natürlich ist etwas daran zu sagen: Wohl dem Kollegium, in dem IT-Freaks unter den Pädagogen sich mächtig reinhängen. An denen darf aber die neue Herausforderung nicht allein hängenbleiben. Wenig Sinn macht es, auf (wenn auch offenkundige) Versäumnisse vergangener Zeiten hinzuweisen. Top-Ausstattung und top-fortgebildete Lehrer lassen sich eben nicht aus dem Boden stampfen, schon gar nicht in pandemiebedingten Ausnahmesituationen. Die Stadt – als Schulträger zuständig allein für die Ausstattung der Schulen kann da ohnehin nur in einem Teilbereich etwas ausrichten.

Das genau bleibt ihre Aufgabe. eine Aufgabe ganz weit oben auf der Prioritätenliste.