Heiligenhaus: Stadtarchivar Nolte geht in Ruhestand

HEILIGENHAUS : Archivar liebt Geschichte im Kleinen

Hartmut Nolte geht in den Ruhestand. Vorher arbeitet er noch seinen Nachfolger Dr. Axel Bayer ein.

Als Hartmut Nolte am 1. Dezember 1991 seinen Dienst in Heiligenhaus angetreten hat, sah das Stadtarchiv deutlich anders aus als heute: „Erwin Eikermann, der sich vorher um das städtische Archiv gekümmert hat, nahm mich unter seine Fittiche und führte mich ins Dachgeschoss des Rathaus-Altbaus.

Da standen damals ein paar Kisten mit Fotos. Und meine erste Aufgabe war es, die zu sortieren“, erinnert sich Nolte. Heute hat er den Überblick über etwa 50.000 Fotos aus der Stadtgeschichte in der Obhut des Stadtarchivs, eine Verantwortung, die er zum Monatsende an seinen Nachfolger Dr. Axel Bayer übergeben wird, der derzeit einarbeitet. Denn am 18. April ist offiziell der letzte Arbeitstag für Hartmut Nolte, nachdem er in Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Helfer Rolf Praast die Abteilung in knapp drei Jahrzehnten neu aufgebaut hat, geht er in den Ruhestand. Hinter sich eine bewegte Vita, wie Bürgermeister Michael Beck bei der Verabschiedung betont.

Nach seiner Ausbildung zum Tiefdruckretuscheur begann Nolte an der Universität zu Köln ein Sozialwissenschafts- und Geschichtsstudium. Nach seinem Magister ist er unter anderem freier Mitarbeiter bei der Rheinischen Post, bevor er hauptamtlich beim „Verein gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus“ des DGB arbeitet. 1991 heuert er in Teilzeit in Heiligenhaus an, ab 1994 teilt Nolte seine Arbeitszeit zwischen Heiligenhaus und Wülfrath in einer freiwilligen Städtekooperation auf.

Seit 1989 sind die Kommunen in NRW zur sachgerechten Archivierung verpflichtet, Nolte bekam dann nicht nur mehr Platz zur Archivierung, sondern mit dem Büro im Rathaus-Innenhof auch einen prominenten Ort im Stadtgeschehen, der die Historie öffentlich zugänglich gemacht hat.

Insgesamt 52 Ausstellungen trägt er in Heiligenhaus zusammen: „Die erste drehte sich um Baupläne, die früher ja noch kunstvoll verziert waren. Die letzte Ausstellung handelt vom 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehr.“ Jetzt wird er Zeit für seinen Garten und die Hobbies finden, aber so ganz ohne Archive kann er dann doch nicht: „Die evangelische Kirche in Wülfrath hat schon gefragt, ob ich dort mit ihrem Archiv helfen kann. Da ist einiges zu tun“ Der Abschied von Heiligenhaus fällt ihm dabei deutlich sichtbar nicht leicht: „Es tut weh, wenn man so viel weiß, und gehen muss“, sag er. Wie wichtig Nolte das Archiv ist, hat auch Bürgermeister Beck beeindruckt: „Ich erinnere mich, wie Sie schon vor zwei Jahren in meinem Büro standen und den nahtlosen Übergang bei ihrem Ruhestand für den Posten sicher stellen wollten.“

Auch für die Geschichtsexperten Ruth Ortlinghaus und Rolf Watty (Geschichtsverein) ist der Abschied nicht einfach: „Du hast mit deiner Kompetenz beeindruckt und bist unheimlich genau in deiner Arbeit, vor allem aber bist du ein Freund geworden. Und ich freue mich, dass ich dich auch weiterhin anrufen kann, wenn es Fragen gibt“, so Ortlinghaus. Und Watty fügt an: „Wir vom Geschichtsverein waren immer wieder erstaunt, was Sie zusammen getragen haben und was so nun erhalten bleiben kann.“

Mehr von RP ONLINE