1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus: Stadt sucht die schönsten Laternen

Martins-Aktion : Stadt sucht die schönsten Laternen

Die Martinsumzüge fallen aus, dafür sucht die Stadt Heiligenhaus nun die schönsten Laternenfotos. Einsendeschluss ist der 13. November. Die schönsten Exemplare werden prämiert.

Ein langer, großer Zug mit Kindern und Erwachsenen, der sich unter den leuchtenden, hin und her tanzenden Lichtpunkten ihrer Laternen durch die Straßen der Stadt zieht. Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern jene Martinslieder singen, die sie selbst einst als kleine Steppke mit großem Eifer gesungen haben. Mit Texten über St. Martin, dessen Mantelteilung und über Laternen, gelernt und regelmäßig gesungen an vielen Herbstabenden. In diesem Jahr wird aufgrund der Pandemie auch diese Tradition vorübergehend verstummen. Es wird keinen Reiter geben, der als St. Martin verkleidet voran reitet, keine Mantelteilung und keine Martinsfeuer.

Es ist eine ungewöhnliche Martinswoche in diesem ungewöhnlichen Jahr. Aber so ganz ohne diese liebgewonnene Tradition im Herbst können auch die Heiligenhauser nicht: Zumindest Laternen oder Lichter werden trotzdem gebastelt. Und damit diese kleinen Kunstwerke trotzdem gesehen und gefeiert werden, hat die Stadt Heiligenhaus gemeinsam mit dem Stadtmarketing dazu aufgerufen, Fotos der Laternen einzuschicken. „Wir machen es uns trotzdem schön und bunt“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Von dort kommt die Bitte an alle Laternen- und Lichterbastler dieser Stadt: „Stellt eure schönsten Laternen, selbst gebastelte oder gekaufte, ins Fenster und schickt uns ein Foto davon.“

Auf der Webseite der Stadt auf www.heiligenhaus.de und auf der Facebook-Seite „Wir in Heiligenhaus“ werden dann die Fotos veröffentlicht. Und: Die schönsten Laternenbilder werden prämiert und bekommen Preise. „Das Stadtmarketing und Stadt stellen Gutscheine und Sachpreise des Heiligenhauser Einzelhandels und Gastronomie bereit. Also mitmachen und am 11. November Heiligenhaus zum Leuchten bringen.“ Um an der Aktion teilnehmen zu können, müssen die Fotos bis zum 13. November an die Mail-Adresse bm@heiligenhaus.de geschickt werden. Die Gewinner werden dann in der nächsten Woche prämiert.

Aber warum ist der 11. November eigentlich der Tag des Heiligen Martin, obwohl dessen Todestag doch der 8. November 397 ist? Es ist der Tag der Beisetzung des beliebten Bischofs des französischen Erzbistums Tours, der als Begründer des abendländischen Mönchstums gilt. Die bekannteste Legende wird jedes Jahr wieder als kleines Schauspiel bei Martinszügen nachgespielt: Als römischer Ritter teilte er seinen Militärmantel in zwei Hälften und übergab eine einem Bettler. In der Nacht danach sei ihm Jesus mit dem Mantel im Traum erschienen und er verließ die Armee, um in den Dienst Gottes zu treten.

Mit 81 Jahren starb er in Candes bei einer Streitschlichtung. Zu seiner Bestattung wurde er mit einer Lichterprozession Loire-aufwärts nach Tours gebracht. Hier könnten die Martins-Laternen ihren Ursprung haben, es gibt da allerdings noch eine weitere Theorie: Wenn zu Beginn des Novembers die Erntezeit auf den Feldern beendet wurde und die Vorratskammern der Gutsherren gut gefüllt waren, zogen die Kinder singend und mit Fackeln und Laternen um ihren Weg zu finden durch die Straßen und bekamen dabei so manche Leckereien zugesteckt.

Ebensolche Verkettungen ranken sich auch um die Tradition der Martinsgänse:In den Legenden um Martin von Tours heißt es, dass er sich 371 vor der Ernennung zum Bischof im Gänsestall versteckt haben soll, doch die schnatternden Gänse verrieten ihn. Eine andere Legende besagt, schnatternde Gänse haben seinen Gottesdienst unterbrochen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Gänse-Tradition auf dem Martinstag als Hauptzinstag beruht, nach dem ein neues Wirtschaftsjahr begann. Gesinde wechselte an diesem Tag den Arbeitsplatz und bekam gerne Vieh zum Abschied geschenkt, das wurde kurz vor der vorweihnachtlichen Fastenzeit noch geschlachtet.