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Heiligenhaus: So wird aus dem Garten ein Paradies für Schmetterlinge

Tipps vom Biologen : So wird aus dem Garten ein Paradies für Schmetterlinge

Der pensionierte Biologielehrer Dietmar Borbe ist ein erfahrener Schmetterlingsexperte. Für unsere Redaktion erklärt er, wie sich die bunten Falter in den eigenen Garten locken lassen.

„Sommervögel“ nennt man die Schmetterlinge in den nordischen Ländern, eine ziemlich treffende Bezeichnung zur jetzigen Jahreszeit, in der man diese zarten Wesen auf ihrem gaukelnden Flug bewundern kann. Immer wieder sind Menschen von ihrer Farbenpracht fasziniert.

Ja, es gibt sie noch, obwohl ihre Zahl und überhaupt die der Insekten erheblich zurückgegangen ist. Waren Autoscheiben früher nach ein paar Stunden Autobahnfahrt von einer bunten Farbenpalette zahlreicher Insekten übersät, so haben wir heute praktisch freie Sicht. Dennoch lohnt es sich, diesen fliegenden Edelsteinen nachzuspüren, sie, wenn möglich, zu fotografieren.

Aber wo? Natürlich da, wo es ihnen gefällt und sie reichlich Nektar finden und sie für ihren Nachwuchs sorgen können. Blütenreiche Wegränder, Brachflächen, neuerdings auch extra angelegte Blühstreifen wie vor der Heiligenhauser Realschule, wo früher abrasierte, monotone Grasflächen die Eingangsumgebung bestimmten, helfen dabei. Hier beginnt sich allmählich das Bild zu wandeln. Erste Wildblumen bereichern die Biodiversität und fördern bei Schülern neue Einsichten.

Durch ein geändertes Bewusstsein in der Bevölkerung werden inzwischen manche früheren, nackte Steingarten zu wahren Hotspots von Insekten wie am Sommerflieder. Da dieser aber nur eine beschränkte Blühzeit hat und Falter das ganze Jahr über fliegen, sollte man auch an andere Blütenpflanzen denken, wie beispielsweise Wasserdost, Lavendel, Fetthenne, Wicken.

Leuchtende Doldenrispen der rot blühenden Spornblumen so wie verschiedene Distelarten reichern das Nahrungsangebot zusätzlich an. Gleichzeitig dient die jetzige Zeit aber auch der Vermehrung. Schmetterlinge legen ihre Eier bevorzugt da ab, wo der Nachwuchs sich durch Raupen entwickeln kann.

Derartige Wirtspflanzen sind Brennesseln, Faulbaum, Klee, vor allem auch Disteln (Distelfalter!), die man also immer auch mal stehen lassen sollte. Je mehr Vielfalt zur Verfügung steht, desto attraktiver wird es für zukünftige Gäste. Derart bereicherte Gärten können Zentren der Falter werden und für den Menschen zu Ruhezonen, die Geist und Seele beflügeln.

Letztlich sind sie jedoch nicht für uns geschaffen. Die Vielfalt an Düften und Farben verleitet Falter zum Aufenthalt auf Blüten und damit zur Weitergabe von Pollen und so zum Weiterbestand und Vermehrung der Arten. Es ist also hier wie so oft ein Geben und Nehmen. Wenn man bewusst in der Natur rund um Heiligenhaus spazieren geht, so lassen sich auch hier mit ein wenig Geduld fliegende Füchse und fliegende Admiräle bewundern.

Gerade letztere zählen wohl zu den farbenprächtigsten Besuchern blühender Pflanzen. Zehnmal zahlreicher sind jedoch unsere Nachtfalter. Sie sind oft zu ihrem Schutz mit dunklen Farben unterwegs. Mit mehr als sechs Zentimetern Flügelspannweite fliegen Ordensbänder wie Geheimnisse der Nacht durch unsere Wälder. Sie werden durch Baumsäfte angezogen und laben sich an ihnen. Man kann sie selbst anlocken, indem man Baumstämme mit einer Rotwein-Sirup-Mischung (am besten Christkindl) anstreicht. Insekten allgemein vertilgen Tausende von „Schädlingen“, sie bilden die Lebensgrundlage für Vögel, Frösche und Fledermäuse. Sie stehen am Anfang der Nahrungskette. Ohne sie gäbe es nur eine sehr eingeschränkte Bestäubung von Pflanzen . Mehr als 70 Prozent unserer landwirtschaftlichen Produktion ist davon abhängig.

Neueste Studien weisen bereits auf geringere Ernterträge durch den starken Insektenschwund in Nordamerika hin. Unterstützen wir sie also, denn sie bilden die Grundlage der Natur. Um den Heiligenhauser Naturkundler Prof. Wolfgang Gerß zu zitieren. „Sie sollte uns so wichtig sein wie das Atmen.“

Hier geht es zur Infostrecke: Schmetterlinge: Die wohl beliebtesten Insekten der Welt