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Heiligenhaus: Seltener Glasflügler entdeckt

Heiligenhaus : Biologe Dietmar Borbe findet superseltenen Glasflügler

Dem pensionierten Biologielehrer und Falterexperten Dietmar Borbe ist die Begeisterung für sein Lieblingsgebiet jederzeit anzumerken: „Schmetterlinge begleiten uns durch ihren auffällig gaukelnden Flug schon seit Kindertagen.“

(köh) „Zwar sind die Bestände erheblich durch Klimawandel, Lebensraumvernichtung, Monokulturen und Pestizide auf nur noch 20 bis 30 Prozent geschrumpft“, sagt er. Umso mehr aber fällt dem Experten die Familie der Glasflügler auf.

Der Name weist schon darauf hin, dass ihre Flügel durchsichtig sind und praktisch keine Schuppen haben. „Obwohl schon viele als Kind gelernt haben, dass man Schmetterlinge nicht anfassen soll, da sie dann ohne Schuppen kaum noch fliegen können. Die Glasflügler führen diese Ansicht ad absurdum“, erklärt Borbe.

Eine besondere Entdeckung gelang ihm jetzt in Heiligenhaus durch den Nachweis des Großen Weiden-Glasflüglers (Sesia bembecifiormis). „Er wurde in unserer Umgebung noch nie gesehen und ist ansonsten in Deutschland sehr selten.“ Auf den ersten Blick ähnelt er einer Wespe oder sogar Hornisse, wenn man die gelben Rückenstreifen wahrnimmt. Nur: Damit läge man komplett falsch. Die gelben Streifen sind eine Signalfarbe, die einem Feind die Ungenießbarkeit dieses Insekts vortäuschen soll. „Jeder Vogel, der einmal eine Biene gefressen hat, wird es nicht noch einmal wagen“, sagt der ehemalige Biologielehrer Diese Lernerfahrung kommt diesen Glasflüglern besonders zugute. Er ist durch seine Tarnung erfolgreich geschützt. Dieses der Arterhaltung dienende Phänomen durch Vortäuschen einer Gefährlichkeit nennt man Mimikry.

Da der Falter auch weder Stechrüssel noch Stachel besitzt, ist er auch vollkommen harmlos. Der Große Weiden-Glasflügler bevorzugt Weiden allgemein, um dort seine Eier abzulegen. Salweide liebt er am meisten, denn diese Pflanze dient den Raupen als Futterpflanze.

In den frühen Morgenstunden eines warmen Sonnentages schlüpft der Falter. Danach muss sein Flügeladersystem aushärten. Zu dieser Zeit läßt er sich am ehesten beobachten.

Dann ist er aber auch bald auf und davon, um ein Weibchen zu finden.

Die meisten Glasflügler sind kleiner und filigraner und so auch schwierig zu bemerken. Borbe verrät einen Kniff: „Das Geruchsvermögen für ein Weibchen ist so ausgeprägt, dass man sich das zunutze machen kann, indem man Pheromone in Bäume hängt. Dieser Geruch ist für die Männchen unwiderstehlich. Sie nähern sich ihm und fallen wie durch eine Reuse in einen Behälter, aus dem sie nicht mehr entkommen können.“

Nach einer Kontrolle werden sie schnell wieder frei gelassen. Das reicht aber zur Identifizierung. Auf diese Art und Weise konnten in Heiligenhaus schon Apfel-Glasflügler, Johannisbeer-Glasflügler, Himbeer-Glasflügler, der kleinen Weidenglasflügler und Hornissen-Glasflügler nachgewiesen werden. Jetzt ist mit dem Großen Weiden-Glasflügler eine sechste Art dazugekommen.

Seine Arbeit verbindet Borbe mit einem dringenden Appell: „Möge der Eine oder Andere jetzt von der Natur bei uns überrascht sein, vielleicht sogar die Natur besser verstehen und ihr mit mehr Respekt begegnen. Hoffentlich führt das zu mehr Verantwortung gegenüber unserer nächsten Umgebung. Es wird uns allen von Nutzen sein.“