Prozess wegen versuchten Totschlags Was geschah vor der Messerattacke?

Heiligenhaus · Im Prozess wegen versuchten Totschlags gegen Ismet R. sagte ein städtischer Sozialarbeiter aus, der das Opfer in der Unterkunft betreut hat. Demnach soll sich die Frau seit längerem von ihrem Lebensgefährten bedroht gefühlt haben.

 Der Fall wird in Wuppertal verhandelt.

Der Fall wird in Wuppertal verhandelt.

Foto: dpa/Bernd Thissen

Im Prozess gegen des wegen versuchten Totschlags angeklagten Ismet R., der seine Lebensgefährtin im Juli 2023 mit Messerstichen und Stockschlägen schwer verletzt haben soll, sagte nun ein weiterer Zeuge aus.

Der Sozialarbeiter hatte das Opfer vor der Tat und auch noch danach in der städtischen Unterkunft in der Harzstraße betreut. Dort habe die Frau nach der Verlegung aus einer anderen Unterkunft mit ihrer Tochter in einer Wohngemeinschaft gewohnt. Zwei Wochen vor der Messerattacke habe es bereits ein Gespräch am „runden Tisch“ wegen angeblicher Nachstellungen des Angeklagten gegeben, an dem auch eine Mitarbeiterin des SKFM teilgenommen habe. Das Opfer habe sich bereits seit Monaten bedroht gefühlt, in einer vorherigen Unterkunft soll es zu gewalttätigen Übergriffen durch Ismet R. gekommen sein.

Im Februar 2023 habe der 41-Jährige dann vor der Einrichtung in der Harzstraße gestanden und lautstark nach seiner Lebensgefährtin und der gemeinsamen Tochter (11) gerufen. Die Frau habe den Notruf gewählt und sei wutentbrannt nach draußen gelaufen, die Polizeibeamten hätten den Angeklagten mitgenommen. Bereits vor der Messerattacke am 28. Juli 2023 soll das Opfer mehrfach bei der Polizei gewesen sein und über massive Bedrohungen durch den Angeklagten gesprochen haben. Es habe auch Klagen seitens der Schule gegeben, weil die Tochter ständig gefehlt habe. Auch sie soll Angst vor Übergriffen ihres Vaters gehabt haben.

Eine WG-Mitbewohnerin habe behauptet, dass ständig ein fremder Mann an der Türe klingeln würde, der vom Angeklagten geschickt werde. Ein weiterer Mitbewohner habe das bestritten und gesagt, das spätere Opfer würde ständig herumschreien und behaupten, es sei jemand an der Türe.

Dass es Streit und Anschuldigungen gebe in den städtischen Unterkünften, höre er sehr häufig von den Bewohnern, so der Sozialarbeiter. Oftmals stimme das nicht – stattdessen gehe es darum, in einen anderen Ort verlegt werden zu wollen. Zu diesem Zweck werden auch Atteste von Ärzten vorgelegt, um dem Anliegen entsprechend Nachdruck zu verleihen. Durch die Messerattacke habe man dann „etwas in der Hand gehabt“, um eine Verlegung des Opfers zu beantragen. Weil es dafür sechs Monate später immer noch keine Zusage gegeben habe, sei die Verlegung im Dezember 2023 erneut beantragt worden. Dann sei die Aufforderung zur Abschiebung gekommen und die Frau sei „plötzlich weg“ gewesen.

Die Mitbewohnerin der 38-Jährigen war auf dem Heimweg vom Supermarkt zur Zeugin der Messerattacke geworden, ihre Aussage bei der Polizei wurde nun bei Gericht verlesen. Demnach soll der Angeklagte erst mit dem Stock auf seine Lebensgefährtin eingeschlagen und dann mit dem Messer auf sie eingestochen haben.

Sie selbst sei von dem Nordmazedonier noch am Tatort damit bedroht worden, dass er ihre Kinder töten werde, wenn er wieder rauskomme aus dem Knast. Die Kinder der Zeugin und die 11-Jährige Tochter des Opfers hatten die Tat mit ansehen müssen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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