Heiligenhaus: Peter Ihle unterwegs

Ex-Bürgermeister Peter Ihle zeigt sein altes Heiligenhaus : Mit Fahrplan durch die Stadtgeschichte

„Heiligenhaus früher“ – Ex-Bürgermeister Peter Ihle ist ganz in seinem Element auf einer kleinen Rundfahrt.

Schon bei seinem Abschied aus dem Amt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt vor 14 Jahren hatte Peter Ihle eine Bitte, augenzwinkernd vorgetragen: „Dass mich jetzt bloß niemand Alt-Bürgermeister nennt.“ Daran hat man sich allenthalben gern gehalten – und zwar aus einer ganzen Reihe von guten Gründen. Ihle übernahm eine Talk-Reihe für die Volkshochschule, stellt darin bekannte Heiligenhauser vor. Bis zum vergangenen Jahr stand er an der Spitze des Geschichtsvereins, der regelmäßig mit Publikationen zur Stadtgeschichte für Aufsehen sorgt.

Beinahe folgerichtig ist auch sein aktuelles Projekt in Zusammenarbeit mit dem Ludgerustreff ein voller Erfolg: Ihle macht den Stadtführer ins alte Heiligenhaus. Gestern war es wieder so weit. Der vollbesetzte Bus startete an der Rheinlandstraße.

Der Kirchplatz, Heimat der Figurengruppe „Pladerköpp“, war gestern das erste Ziel auf der Suche nach „Heiligenhaus früher“. Foto: Blazy, Achim (abz)

Während Ludgerustreff-Chefin ingrid Niering die Anmeldeliste durchschaut und die 30 Gäste begrüßt, findet Ihle Zeit, aus dem Nähkästchen des Stadtführers zu erzählen. Eigentlich war nämlich alles anders geplant. „Es sollte eine Bustour entlang der Hauptstraße geben – vom Ehemannshof zur AEG“, erinnert er sich. Schnell stellte sich bei Tour Nummer eins heraus: Der Zeitplan von zwei Stunden war allzu optimistisch-sportlich geraten. Man war gerade am Kirchplatz – auf halber Strecke sozusagen – angekommen, als das Zeitlimit überschritten wurde.

„Weißt du noch, wie es früher war?“ Das ist für Niering und Ihle die so simpel klingende Leitfrage. Aber wenn es an die Details geht, wird es hier und da kritisch. Gab es früher drei, vier oder fünf Kinos in Heligenhaus? Ihle weiß es dank seiner Vorbereitungen besser. „Es gab sechs.“ „Schlenker“ nennt der Stadtführer die zahlreichen Anekdoten, die unbedingt zur Stadtführung gehören. Ebenso die genaue Kenntnis der allermeisten Bewohner in den Gründerzeithäusern entlang der drei Kilometer langen Hauptstraße.Und wenn das eigene Gedächtnis doch einmal passen musste, konnte und kann sich Ihle auf Stadtarchivar Hartmut Nolte verlassen. „Mit ihm zusammen habe ich an der Chronik zum 150-jährigen Bestehen des ältesten Vereins der Stadt gearbeitet“, sagt Ihle. So kam der MGV Frohsinn zu seinem eigenen Geschichtsbuch – und der damalige Stadtführer in spe zu einem Fundus in Sachen Ortsgeschichte.

Zum Start gestern ging es da weiter, wo die erste Tour geendet hatte: am Kirchplatz. „Ich möchte den Leuten erklären, warum es dort nicht wie in anderen Städten möglich war, das vermeintlich schöne Alte zu sanieren“, soviel verriet er vorab. Ihm selbst ist der alte Kirchplatz noch sehr vertraut wöchentlich führte sein Weg über den Platz zu den Zeiten, als er noch aktiver Sänger war und unterwegs zu den Proben.

Derweil ist Ingird Niering mit der Anmeldeliste durch. Die Mitreisenden in die Stadtgeschichte steigen ein. Niering hat noch eine gute und eine schlechte Nachricht: „Es wird eine dritte Tour geben, am 10. September. Aber die ist auch schon ausgebucht.“ Immerhin gibt es eine Warteliste – für Nachrücker.

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