1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus: Nächstes Jahr 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Meaux

Heiligenhaus : Feiern satt – 50 Jahre Partnerschaft mit Meaux

2020 feiert die Städtepartnerschaft zwischen Heiligenhaus und dem französischen Meaux ihr 50-jähriges Jubiläum. Als Geschenk ist eine „Place de Meaux“ geplant.

Es ist 47 Jahre her, da reiste Peter Ihle zum ersten Mal nach Meaux. Damals im Gepäck: Eine ganze Kiste an Vorurteilen. Mitgegeben hatte die ihm sein Vater, doch bestätigt sah er keines von ihnen. „Das bringt mich immer noch zum Nachdenken.“

 Noch Baustelle, bald symbolischer Ort: Der Platz vor dem ehemaligen Alten Pastorat wird zur „Place de Meaux“.
Noch Baustelle, bald symbolischer Ort: Der Platz vor dem ehemaligen Alten Pastorat wird zur „Place de Meaux“. Foto: Blazy, Achim (abz)

2015 erzählte der ehemalige Heiligenhauser Bürgermeister und damalige Vorsitzende des Geschichtsvereins von dieser ersten Reise von vielen, als er die Ausstellung „Typisch Französisch(es), Typisch Deutsch(es)“ im Abtsküber Museum eröffnete. Anlass damals: Das 45-jährige Jubiläum der ersten Städtepartnerschaft mit dem französischen Meaux. Im kommenden Jahr wird nun wieder gefeiert, dieses Mal ein halbes Jahrhundert Städtepartnerschaft. Dass nun freundschaftliche Bande bestehen, ist aber gar keine Selbstverständlichkeit. Denn die deutsch-französische Erbfeindschaft beherrschte das Verhältnis der beiden Nachbarländer für Jahrhunderte.

Doch nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam der Wendepunkt: Am 22. Januar 1963 unterschrieben Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag. Sie legten damit auch das Fundament für eine Freundschaft zweier Staaten, deren erbitterte Feindschaft bis zu diesem Zeitpunkt zahllose Menschenleben gefordert hatte.

  • Stimmungsvoll soll es wieder zugehen rund
    Heiligenhaus blickt auf 2022 : Countdown fürs Jubiläumsjahr
  • Camilla Altvater, Tanja Klein-Kohlstette und Foudil
    Kaarster Verein : Soroptimistinnen fördern Städtepartnerschaft
  • Das Haus der Gastlichkeit punktet mit
    Auszeichnung im Kreis : „Typisch neanderland“-Siegel für weitere Betriebe

„Die Zukunft unserer beiden Länder, der Grundstein, auf dem die Einheit Europas errichtet werden kann und muss, und der höchste Trumpf für die Freiheit der Völker, bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk“, sagte der französische Staatspräsident de Gaulle im September 1962, in seiner an die Jugend gehaltene Rede – auf deutsch. Es folgt seitdem die längste ununterbrochene Friedenszeit auf dem europäischen Kontinent. Und das vor allem, weil die Begegnung zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ein konkretes Element des Élysée-Vertrags: Die Schaffung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). In dessen Rahmen knüpften Heiligenhauser Jugendliche 1963, die, wie die Ausstellung 2015 aufzeigte, damals die Comics von „Fix und Foxi“ verschlangen auf französische Jugendliche aus der Gemeinde Meaux, etwa 40 Kilometer östlich von Paris gelegen, die ihrerseits für „Asterix und Obelix“ schwärmten. Sie schließen Freundschaft und ihre Heimatstädte auch. 1965 wird zuerst eine Vereinbarung über den Jugendaustausch unterschrieben. Und 1970 folgen die Signaturen unter einem Vertrag, der höchst offiziell und für beide Städte als Premiere, die Städtepartnerschaft besiegelt. Seitdem gibt es zum Beispiel regelmäßig Reisegruppen, die sich die jeweiligen Städte und das erste Weltkriegsmuseum anschauen, wie die Frauengruppe um Uschi Klützke, die ehemalige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees, aber auch Vereine, wie die Gesang- und Sportvereine, pflegen regelmäßig Kontakte.

So kommen die französischen Märkte im Museum Abtsküche und das Stadtfest eigentlich nicht ohne den „Brie de Meaux“ aus. Im kommenden Jahr soll diese Freundschaft, deren Aufrechterhaltung in Zeiten von klammen Stadtkassen und schwieriger werdendem ehrenamtlichen Engagement, nicht immer einfach ist, gefeiert werden. Das verantwortliche Kulturbüro sowie das Partnerschaftskomitee sind derzeit in den Planungen für Feierlichkeiten zum Jubiläum.

Für einen Anlass haben jüngst auch die Entscheider im Rathaus gesorgt: Nachdem bereits das Zwönitzer Eck, der Mansfield- und Basildonplatz an Partnerstädte erinnern, soll nach der Fertigstellung des Baus rund um das „Alte Pastorat“ der kleine Platz vor dessen Pforten den Namen „Place de Meaux“ erhalten. Dem französischen Amtskollegen hat Bürgermeister Michael Beck auch schon von dem Vorhaben erzählt, und der habe sich sehr gefreut.