Heiligenhaus: Mehr Ladesäulen für Elektro-Mobilität

Strom tanken : Stadtwerke bauen E-Ladesäulen-System aus

In Heiligenhaus gibt es derzeit 38 zugelassene Autos mit reinem Elektroantrieb. Das sagt die Kreis-Statistik. Die Stadtwerke sehen hier allerdings Zukunftspotential und wollen für mehr Ladesäulen sorgen.

Die Stadtwerke haben an der Gesamtschule, am Immanuel-Kant-Gymnasium und am Museum Abtsküche drei weitere Elektro-Ladesäulen in Betrieb genommen. Insgesamt stehen damit nun an vier Standorten (siehe Karte) jeweils zwei Ladepunkte mit einer Ladeleistung von je 22 kW zur Verfügung. „Alle Ladesäulen werden mit 100 Prozent zertifiziertem Ökostrom betrieben“, teilt der Versorger mit.

Vier Strom-Ladesäulen, eine Erdgas-Tankanlage – das ist das aktuelle Angebot der Stadtwerke im Stadtgebiet. Foto: RP/Stadtwerke

Allein der Blick auf die absoluten Zahlen erklärt das Engagement nicht ohne weiteres. Nach aktuellen Zahlen des Kreises gibt es in Heiligenhaus 38 zugelassene E-Autos. Folglich ist auch der Ansatz der Stadtwerke ein anderer, wie Jens Matics erläutert. Er verantwortet an der Abtsküche den Bereich Energiedienstleistungen. „Die Zahl ist natürlich überschaubar, aber unsere Marktforschung geht von steigender Nachfrage aus.“ Bei den Stadtwerken kommen Anfragen seiner Erfahrung nach in der Regel dann an, wenn ein Autokäufer darüber nachdenkt, sich ein E-Auto anzuschaffen. „Uns geht es darum, das Stadtgebiet mit verhältnismäßig wenigen Säulen zu erschließen. Infrage kommen besonders Schulparkplätze, wo die benötigten längeren Standzeiten möglich sind“, sagt Matics.

Die Installation einer einzelnen Säule koste den Versorger rund 20.000 Euro. „Mit einem einzigen Ladevorgang pro Tag amortisiert sich das natürlich nicht“, so der Stadtwerke-Experte. „Man wird nicht reich mit Ladesäulen, aber wir sind als Energieversorger zuständig.“ Die Stadtwerke wollen die Infrastruktur bereitstellen. Im Blick hat man eher den bundesweiten Trend: „Bis 2022 werden auf Deutschlands Straßen etwa eine Million Elektroautos erwartet.“ Diese Zahl hatten Matics und Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Scheidtmann schon vor einem Jahr im Blick, als der neue Mann für die Energiedienstleistungen die strategische Geschäftsausrichtung erstmals erläuterte. Hier ist der promovierte Elektrotechniker Matics ganz in seinem Element. Seine Doktorarbeit erschien 2007 mit dem Titel „Betriebliche Modellierung, Auslegung und Management von dezentralen Energiesystemen“. Sie ist 181 Seiten stark. Die Kurzfassung findet sich in der Universitätsbibliographie der Uni Duisburg/Essen.

Auch die Stadtwerke selbst werden, wie Matics sagt, Zug um Zug ihren Fuhrpark in Richtung E-Mobiliät umrüsten. „Bei Austausch, wenn Leasingverträge auslaufen wird geprüft, was geht.“ Bisher setzt man, wie beim städtischen Fuhrpark, noch auf Erdgas. „Das war bis vor ein paar Jahren der effizienteste Standard“, so die Erläuterung.

Der Ladesäulen-Betrieb in der Praxis: Der Ladevorgang kann mit den bekannten Smartphone-Apps und – besonders komfortabel – mit dem Stadtwerke-Ladeschlüssel gestartet werden. Der Ladeschlüssel kann kostenlos auf der Homepage der Stadtwerke und persönlich im Kundencenter am Rathausplatz beantragt werden. Dieser funktioniert dann auch bundesweit an 17.400 und europaweit an 120.000 weiteren Ladepunkten.

Weitere öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet sind aktuell in Planung. Auch Lademöglichkeiten für private und gewerbliche Anwendungen können individuell realisiert werden.