Heiligenhaus: Mehr kooperation zwischen Feuerwehr und THW

Einsätze : Bürgerschutz zählt auf viele Experten

Feuerwehr und THW denken darüber nach, ihre Zusammenarbeit neu auszurichten. Das braucht einigen Vorlauf.

Gemeinsame Einsätze von Technischem Hilfswerk und Feuerwehr vor Ort sind keine Neuerfindung. Bisher letztes Beispiel einer großen Lage, die das Zusammenspiel mehrerer Organisationen erforderte, war in Heiligenhaus der Kampf gegen die Folgen des Orkantiefes „Ela“ im Juni 2014. Insofern ist der Anblick roter und blau-weißer Einsatzfahrzeuge bei großen Schadenslagen und im Katastrophenfall am gleichen Ort nichts Ungewöhnliches, sondern straff organisierte Praxis. Sie funktioniert.

Trotzdem beginnt in Heiligenhaus das Nachdenken darüber, wie man die Zusammenarbeit zwischen den Katastrophenschützern an der Unteren Industriestraße und der Feuer- und Rettungswache langfristig neu ausrichten könnte. Die Idee ist noch weit von jeglicher Umsetzung entfernt. Aber immerhin gibt es, wie der stellvertretende Feuerwehrchef Nils Vollmar sagt, schon verabredete Gesprächstermine mit THW-Vertretern: „Im April ist bei uns die erste von zwei Führungskräfte-Fortbildungen des Jahres. Daran wird das THW teilnehmen.“ Die ersten Fragen, die gemeinsam besprochen werden sollen, sind so offen wie möglich gehalten: Wie kann Zusammenarbeit künftig aussehen? Was kann das THW – derzeit in einer Phase der Neustrukturierung – beitragen?

In der Praxis hält Vollmar ein Stück gemeinsamer Ausbildung für denkbar: „Nur ein Beispiel: THW und Feuerwehr arbeiten zum Teil mit den gleichen Geräten wie hydraulischen Scheren und Spreizern. Gemeinsame Ausbildung könnte hier ein Ansatz sein.“

Nicht vergessen über den neuen Ideen ist allerdings, dass Feuerwehr und THW von Gesetzgebern in Bund und Land unterschiedliche Aufträge bekommen haben. Für das THW sind das Zivilschutz im Verteidigungsfall, Auslandshilfe – und Gefahrenabwehr am Ort. „Dagegen endet die Zuständigkeit der Feuerwehr bei Einsätzen an der Stadtgrenze“, so erklärt Vollmar wesentliche Unterschiede. Während ihrer Einsätze kann die Einsatzleitung vor Ort allerdings Hilfe durch das THW anfordern. Das THW kann sich nicht selbst zum Einsatz bringen. So ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz, organisiert. Auch hier ein Beispiel aus der Heiligenhauser Praxis: „Bei einem Großbrand hat das DRK die Verpflegung von 150 Einsatzkräften übernommen“, so Vollmar weiter.

Ein weiterer Unterschied zwischen Feuerwehr und Technischem Hilfswerk: Das THW hat eine wesentlich höhere Alarmierungsschwelle. Folglich kann es beim neuen Nachdenken über Zusammenarbeit auch nicht darum gehen, alltägliche Feuerwehr-Einsätze neu zu organisieren. „Gefahrenabwehr“ bleibt allerdings das gemeinsame Ziel.

Nils Vollmar erläutert das Zusammenspiel von Hilfsorganisationen und Feuerwehr in unterschiedlichen Fällen. Foto: RP/Achim Blazy

Eine weitere Gemeinsamkeit der Hilfsorganisationen liegt auf einer völlig anderen Ebene. Vollmar: „Alle haben nach Aussetzung der Wehrpflicht Probleme mit der Rekrutierung von Nachwuchskräften.“