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Heiligenhaus: Krötenschutz unter Sonderbedingungen

Natur im Frühling : Krötenschutz unter Sonderbedingungen

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen machen sich die Kröten auf Wanderschaft. Helfende Hände sorgen auch in Heiligenhaus dafür, dass sie ihr Ziel, das Heimatgewässer, erreichen.

Es gibt öffentliches Leben, das lässt sich nicht einschränken: Denn wenn der Frühling sich mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen ankündigt und die Anzeige auf dem Thermometer langsam über zehn Grad ansteigt, erwachen Kröten aus ihrer Winterstarre.

Die kalte Zeit verbringen sie am liebsten ungestört an einem sicheren Ort, je nach Art gerne auch an feuchteren Plätzen im Erdreich. In den letzten Tagen wurde es dabei wieder so warm, dass sie erwacht sind. Zeit für die Wanderschaft. Ihr Ziel: Sie suchen das Gewässer auf, in dem sie selbst geboren wurden und wollen dort ihre Eier ablegen. Auf ihrem Weg dorthin müssen sie jedoch oft kritische Situation überwinden. Straßen und Wege, auf denen Autos unterwegs sind, oder auch Radfahrern und Jogger, die die kleinen Tierchen übersehen, können dabei schnell zu gefährlichen Gegnern werden. Jedes Jahr wieder organisieren sich deswegen an vielen Orten Helferinnen und Helfer, von jung bis jung geblieben, die den Kröten ihre Hand reichen und sie sicher an ihr Ziel bringen. Auch in Heiligenhaus sorgen sich Menschen um das das Wohl der Kröten mit dem Ziel: „Abtskücher Stauteich“. Sie organisieren sich über eine Gruppe im Netz und nach Einbruch der Dunkelheit ziehen die ehrenamtlichen Helfer in kleinen Gruppen von wenigen Menschen, mit Taschenlampe und Eimer gewappnet, los.

Sie scannen den Randbereich des Gewässers und des Flurwegs, wie auch entlang des Krötenzauns an der Abtskücher Straße ab und sammeln die kleinen Wanderer auf, um sie sicher am Wasser abzusetzen. Nach einer durchaus frühlingshaften Woche, in der viele Helfer auf viele Tierchen trafen – am Donnerstagabend noch wurden zum Beispiel von einer Gruppe 209 Kröten zum Wasser getragen -, hatten sich die Temperaturen am Freitag auf etwa vier Grad heruntergekühlt: Damit erwarteten die Experten eigentlich recht wenig Krötenbewegung. Dass trotzdem noch 40 der kleinen Tiere von mehreren Gruppen aufgelesen wurden, sorgte deswegen bei den erfahrenen Krötenrettern für Erstaunen. So trug eine Gruppe 23 davon bei einem Rundgang um den Stauteich und entlang der Abtskücher Straße zusammen. Am Anfang koste es schon Überwindung die Kröten anzufassen und sie hoch zu heben, erklärte eine junge Retterin, aber das lege sich schnell. Dafür wächst die Faszination für die Tierchen.

Und so ganz nebenbei bekommt man schnell einen Blick dafür, die Tiere im Taschenlampenlicht zu entdecken. Gar nicht so selten sieht dann aber auch mal ein trockenes Laubblatt wie eine kleine Kröte aus. An diesem Freitagabend findet die Gruppe fast nur Männchen auf dem Weg zum Wasser. Beinahe jeder von ihnen erhält sogar einen Namen, gerne einen Doppelnamen.Erst auf den letzten Metern wandert ein bereits verkuppeltes Kröten-Pärchen auf dem Weg. Das größere Weibchen schleppt das Männchen dabei auf dem Rücken mit sich zum Wasser. Kurz nachdem das Pärchen dabei eingesammelt wurde, befährt ein Auto den Weg. Ob der Fahrer das Paar oder die vielen anderen Wanderer gesehen hätte? Wer als Helfer unterwegs ist, lernt schnell wie unterschiedlich die Tiere doch sind: Manche klammern sich an den Händen fest, andere versuchen von der Hand zu hüpfen oder aus dem Eimer zu klettern, wieder andere quaken vor sich hin. In dieser Woche werden die Tiere wohl eine Wanderpause einlegen, die kalten Temperaturen schrecken sie ab. Der Großteil soll ohnehin schon angekommen sein, sagen die Retter. Die sind zu Zeiten der Krötenwanderung bei Einbruch der Dunkelheit um den Stauteich zu finden.

Erkennbar an den Eimern in der Hand. Und dem Licht der Taschenlampen.