Heiligenhaus: Kerkmann hat Schulzukunft im Blick

Der Beigeordnete und Kämmerer Björn Kerkmann will Akzente setzen: „Kreidezeit an Schulen muss enden“

Björn Kerkmann ist als Kämmerer und erster Beigeordneter, im Gespräch über das berufliche Einleben im neuen Amt , digitale Zukunft und den passenden Schreibtisch.

Wie blicken Sie auf die ersten 100 Tage zurück?

Kerkmann Das war eine aufreibende und stressige, aber auch eine schöne Zeit. Man möchte ja in alle Themen und Projekte schnell reinkommen und sich ein Bild verschaffen, weil auch schnell erste Entscheidungen getroffen werden mussten. Wenn man schon innerhalb einer Behörde wechselt ist das schon mit viel Veränderung verbunden, aber ein neuer Dienstherr und eine neue Stadt mit anderen Strukturen, das ist schon eine Herausforderung, aber es hat wirklich hervorragend geklappt. Nicht zuletzt wegen der tollen Zusammenarbeit mit den handelnden Personen, das erleichtet den Einstieg. Auch wenn ich mich von der Politik nicht bei allen willkommen gefühlt habe.

Wie gefällt es Ihnen in Heiligenhaus?

Kerkmann Es ist schön hier, nicht nur die Lage und die Landschaft sind toll, auch die Stadt hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Ich kannte Heiligenhaus und das Bergische Land schon, weil ich vor vielen Jahren einmal in Wülfrath gewohnt habe, aber das Umfeld und die Wirkung einer Stadt sind immer auch entscheidend, wenn man sich für eine Stelle entscheidet, aber ich kann mir zum Beispiel die Hauptstraße als Hauptverkehrsstraße oder emittierendes Gewerbe in der Innenstadt gar nicht mehr vorstellen. Auch das Ehrenamt ist hier sehr aktiv und gerade mit Feierabendmarkt oder Weinfest bietet die Stadt auch für den Bürger viel. Das hat mich schon ein bisschen überrascht. Mit Blick auf die Autobahnanbindung oder den Innovationspark schlummert hier aber noch viel Potential, und da liegt für mich der Reiz, aktiv begleiten und gestalten zu können.

Im ersten Gespräch haben Sie angekündigt, im ersten Jahr schon Akzente setzen zu wollen. Welche werden das sein?

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Kerkmann In der Schullandschaft werden wir zwar nichts groß verändern, aber wir müssen uns anders positionieren. Denn früher ist man von rückläufigen Schülerzahlen ausgegangen, das ist ganz anders eingetreten, dem müssen wir gerecht werden. Auch Digitalisierung wird ein Schwerpunkt. Nicht nur in den Schulen, wo ich den Satz „Die Kreidezeit in den Schulen beenden“ ganz passend finde. Ich habe Rathaus-intern den Posten des Verantwortlichen für Digitalisierung übernommen, ein Thema, mit dem ich mich in meiner Masterarbeit beschäftigt habe und bei dem ich schon in meiner vorherigen Stelle in vielen Projekten involviert war. Wir sind jetzt dabei, in Heiligenhaus aufzuholen, beispielsweise soll der Internetauftritt der Stadt moderner und innovativer gestaltet werden, wir vermarkten einen Innovationspark und müssen dementsprechend auch innovativer auftreten. Auch intern müssen wir schauen, wie wir Prozesse digitalisieren können, auch nach außen hin.

Das Thema Beigeordnete ist in der Politik ein schwer diskutiertes Thema. Hat Sie das bei ihrer Bewerbung oder an ihren ersten Tagen im Amt beeinflusst?

Kerkmann Man muss sich vor der Bewerbung schon Gedanken machen und zwei, drei Nächte darüber schlafen. Die Diskussion schreckt natürlich ein wenig ab. Und diese Gefahr sehe ich auch im nächsten Jahr, wenn Siegfried Peterburs als technischer Dezernent in den Ruhestand gehen wird und wir einen technischen Beigeordneten suchen, der die vielen anstehenden Projekte in der Stadt begleiten wird. Wenn dann das Theater und der Ärger von vorne los geht, schrecken wir bei dem großen Wettbewerb auf dem Gebiet potentielle Interessierte vielleicht ab. Und gutes Personal zu finden ist nicht einfach, wenn die Großstädte nebenan besser bezahlen können. Da müssen wir das, was wir bieten können, auch hervorheben und dürfen nicht verschrecken. Für mich war aber gerade der Neuzuschnitt des Dezernates für die zweite Bewerberrunde hervorragend. Ohne diesen Neuzuschnitt hätte ich die Stelle nicht unbedingt angetreten. Aber meine Affinität zum Gebäudemanagement kombiniert mit den Bereichen Finanzen, Schule, Sport, das passte für mich hervorragend.

Ist Ihr Büro eigentlich schon fertig eingerichtet oder fehlt noch etwas?

Kerkmann Ja, tatsächlich: Ein höhenverstellbarer Tisch fehlt. Dass mein jetziger Tisch zu klein ist, merke ich immer, wenn die Abende im Büro mal wieder länger werden. Aber ein neuer Tisch ist schon bestellt.