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Heiligenhaus: Gute Erinnerungen an die „Kartoffelferien“ von einst

Heiligenhauserin erzählt : Gute Erinnerungen an die „Kartoffelferien“ von einst

Es war eine besondere Zeit, die mit dem eigentlich verkehrten, doch nicht abwegigen Begriff „Kartoffelferien“ versehen wurde. Die 92-jährige Irmgard Isenbügel erzählt von diesen Tagen des „Stoppelns“.

Vom Stoppeln hat Irmgard Isenbügel in der Rheinische Post gelesen und davon, dass Menschen heute immer noch (oder wieder) auf die Felder gehen, um nach der Ernte liegen gebliebene Kartoffeln einzusammeln. „Das habe ich nicht gewusst“, sagt sie. Dafür jedoch fühlte sich die gebürtige Höselerin, die heute in Heiligenhaus lebt, gleich an ihre Jugend erinnert.

92 Jahre alt ist Irmgard Isenbügel heute, eine lebenslustige Frau, die gerne Karten spielt, sich mit ihren in Heiligenhaus lebenden Nichten zum Kaffeetrinken trifft, mit dem Rollator zum Einkaufen geht und betont, dass sie zwar in einer altengerechten Wohnung lebt, aber keinesfalls in betreutem Wohnen. Geboren wurde Isenbügel im Jahr 1928 in Hösel, ab 1939 lebte die Familie in Hofermühle. Schließlich verschlug es Isenbügel nach Osnabrück bevor sie vor drei Jahren zurück nach Heiligenhaus kam.

Wie alle Kinder in dieser Zeit ging Irmgard Isenbügel damals im Herbst mit der ganzen Schule zur Kartoffelernte auf die Felder in der Hofermühle. „Kartoffelferien“ hieß es damals.

Das waren aber keine Ferien im eigentlichen Sinn, sondern Zeit, die die Kinder auf dem Acker verbrachten. Denn die Kartoffelernte war in Kriegs- und auch noch Nachkriegszeiten eine arbeitsintensive Sache, bei der die Bauern auf viele helfende Hände angewiesen waren.

Auch auf die von Irmgard Isenbügel. Auch noch nach dem Krieg ging sie aufs Feld, Kartoffeln hacken, aber dann nicht mehr mit der Schule, sondern privat. „Wir sind dann mit dem Fahrrad zum Acker gefahren“, erinnert sie sich.

Das diente dann gleichzeitig als Transportmittel für die Ernte. Die Kartoffeln kamen zu Hause als Salzkartoffeln oder Kartoffelsalat auf den Tisch. Die ganz kleinen Exemplare waren für die Tiere. „Die mussten ja auch was essen“, sagt Irmgard Isenbügel. Bis Anfang der 1950 Jahre holte Irmgard Isenbügel noch Kartoffeln vom Feld. Das Wort „stoppeln“, so erinnert sie sich, habe es im Krieg noch nicht gegeben. „Das nannte man das Nachlesen“, sagt sie.