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Heiligenhaus: Grüne besprühen ihr eigenes Wahlplakat

Beschmierter Aufsteller : Grüne besprühen ihr eigenes Wahlplakat

Ein beschmiertes Wahlplakat hat die Grünen animiert, ihre eigenen Aufsteller künstlerisch zu gestalten. Einer der das kann, ist Künstler Thomas Pischke, der für die Grünen in den Rat möchte.

Aerosole sind derzeit in aller Munde. Was dieser feine Nebel aber noch so alles kann, das zeigen Graffiti-Künstler: Sie arbeiten mit künstlich produzierten Aerosolen, die in Köpfen von Spraydosen entstehen, die, je nach Cap, also dem Sprühdosenkopf, unterschiedliche Stärkegrade von Farbe auf den Grund bringen. Das ist ähnlich wie bei Pinseln.

Einer, der sich damit auskennt, ist Thomas Pischke. Das Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs „Kunstquadrat“ engagierte sich jahrelang als sachkundiger Bürger in der Heiligenhaus Politik und will nun für die Grünen in den Heiligenhauser Stadtrat. Und so sah er mit ganz fachmännischem Blick auf das Wahlplakat der Grünen am Eingang zur Unterilp, das mit zwei Schriftzügen besprüht wurde, die da eigentlich nicht hin gehören.

„Das hat jemand vor gut einer Woche entdeckt und über unsere digitalen Kommunikationskanäle an alle weiter geleitet“, sagt Pischke. Die Schriftzüge seien bis nach Hösel verfolgbar und wohl von jemandem gemacht, der nicht sonderlich viel Erfahrung habe, wie Pischke anhand der Linienführung und dem Einsatz der Sprühköpfe vermutet. „Da hat jemand mit Weiß auf Weiß gesprüht und eine zu kleine Kappe benutzt.“

Zuerst hätten sich die Wahlkämpfer darüber geärgert, beschmierte oder verunstaltete Wahlplakate sind allerdings keine Neuigkeit mehr und so sei schnell die Idee aufgegangen, das als Herausforderung anzunehmen: „Natürlich ist das für uns nicht schön, aber wir machen uns jetzt den Spaß draus.“

Der Spaß, das war am Mittwoch ein Rucksack voll von Sprühdosen, hauptsächlich mit Grün- und Grautönen und zwei Skizzen einer Idee, die Pischke eine Woche lang mit sich herum getragen hat: „Blumenwiesen statt Betonköpfe“ hat er dann selbst auf das Plakat gesprüht. „Der Text stand schon früh fest, die Skizze ist noch relativ frisch“, erklärte er vor der Aktion. „Wer illegal sprüht, der hat meistens keine Zeit“, sagt Pischke, der sich Mittwochnachmittag ein paar Stunden mit tatkräftiger Unterstützung der Heiligenhauser Grünen Zeit nahm, um das Plakat selbst zu bearbeiten.

Dafür galt es zuerst, sich auf der Fläche zu orientieren, wo ist der Mittelpunkt? Wo müssen die Buchstaben hin, damit auch alles passt? Deckt die Farbe überhaupt? Der Künstler Pischke, der beispielsweise auch Graffiti-Workshops für Jugendliche anbietet, bedauert, dass es in Heiligenhaus bisher nicht möglich war, Wände für Graffiti-Kunst zu finden, an denen sich der Nachwuchs ganz legal austoben dürfe. Das könnte auch eine präventive Maßnahme sein. „Da bin ich als sachkundiger Bürger mehrfach gescheitert“, erinnert er sich und erzählt, dass das in anderen Städten bereits funktioniere.

Seine Idee: Die Wahlplakate, die nach der Wahl ohnehin nicht mehr gebraucht würden und entsorgt werden müssen, da sie wegen des aufgedruckten Datums nicht mehr zu benutzen seien, jungen Sprayern zur Verfügung zu stellen, damit sie sich auf deren weißen Rückseiten austoben können. Dafür will er bei den Verantwortlichen nun für Zustimmung werben. „Wir hätten in den Reihen der Grünen auch schon Sponsoren für Sprühdosen“, sagt Pischke.