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Heiligenhaus: Fahrerflucht – ein teures Delikt

Heiligenhaus : Fahrerflucht kommt Angeklagten teuer

Landgericht Wuppertal verwirft Berufung: 2400 Euro muss ein Heiligenhauser für einen Parkrempler zahlen.

Es geschah an einem Samstagmorgen im Dezember 2017. Auf dem ReaL-Parkplatz an der Velberter Straße herrschte der übliche Vorweihnachtsstress, als ein Taxifahrer zum unfreiwilligen Zeugen einer Unfallflucht wurde. Der Fahrer eines Ford C-Max soll rückwärts aus der Parklücke und auf ein parkendes Auto aufgefahren sein.

So zumindest hatte es der Taxifahrer gesehen, der an der Unfallstelle vorbeifuhr und dann im Rückspiegel beobachtet haben will, wie der Unfallverursacher erst anhielt, um dann einfach weiterzufahren. „Ich dachte, der steigt jetzt aus, um sich den Schaden anzuschauen“, erinnerte sich der Taxifahrer vor dem Wuppertaler Landgericht. Dorthin war er als Zeuge geladen worden, weil der Ford-Fahrer wegen der gegen ihn vom Amtsgericht verhängten Geldstrafe in Berufung gegangen war.

2400 Euro – die wollte der Heiligenhauser nicht zahlen. Schließlich habe er den Unfall gar nicht bemerkt. Was jedoch aus seiner Sicht noch viel schwerer wog war die Vermutung, dass der Schaden am Unfallwagen keinesfalls nur durch einen derart leichten Aufprall entstanden sein könne. Tatsächlich räumte der Fahrzeugbesitzer ein, bereits zuvor einen Unfallschaden am Kotflügel gehabt zu haben. Allerdings nicht dort, wo ihn der C-Max gestreift haben soll. Die Regulierung des neuen Schadens scheint offenbar sehr in seinem Sinne gelaufen zu sein. 3000 Euro hatte er dafür von der Versicherung des Angeklagten bekommen. „Die haben einen Polen geschickt, um das Auto bei mir zuhause abzuholen“, plauderte der 30-Jährige munter drauflos. Auf den Wiederverkaufswert von 2200 Euro hatte die Versicherung noch 800 Euro draufgelegt, um dann alles auf sein Konto zu überweisen. Dem Taxifahrer sei er jedenfalls sehr dankbar dafür, dass der ihn im Real-Markt habe ausrufen lassen. Draußen habe er dann selbst auf die Polizei gewartet, um den Unfall aufnehmen zu lassen. Wenig später hatten die Beamten an der Haustüre des Unfallflüchtigen geklingelt, der sich nicht als solcher fühlte, weil er ja den Unfall gar nicht bemerkt haben will. Der vom Gericht hinzugezogene KFZ-Sachverständige war anderer Ansicht. Einen eher leichten Aufprall wie diesen würde man zwar nicht unbedingt hören, aber man könne ihn fühlen. Dazu sei der Ford des Angeklagten mit einem Rückwärtswarnsystem plus Kamera ausgerüstet gewesen. Spätestens der „Dauer-Piep-Ton“ hätte den Fahrer also warnen müssen. „Wir erleben es dennoch häufig, dass trotz dieser Fahrhilfen derartige Auffahrunfälle passieren“, so Wolfgang Nover. Auch die Örtlichkeiten bei Real seien ihm als Unfallanalytiker bekannt: „Gerade im Eingangsbereich zum Supermarkt passiert sowas immer wieder.“ Fußgänger, Einkaufswagen, dazu der Parkplatzsuchverkehr: Wer dort aus einer Parklücke fahre, müsse sehr aufmerksam sein. Erfahrungsgemäß sei es so, dass jeder möglichst nah an den Eingang heranfahren wolle. Dabei gebe es reichlich Platz, auch in den hinteren Bereichen. „Wen man sich nicht sicher ist, sollte man doch besser einen Fußweg in Kauf nehmen.“ Was die Berufung des Unfallfahrers betrifft: Die wurde verworfen. Die 2400 Euro wird der 71-Jährige zahlen müssen.