1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus. Dokumentarfilmer zu Bahngeschichte

Nahverkehr früher : Bahngeschichte führt zurück in die Zukunft

Ein Dokumentarfilmer-Duo schildert die Geschichte der Niederbergbahn. Die hatte ihrerseits Vorläufer.

Ab Mitte der 1920er Jahre führte die Niederbergbahn von Velbert durch Heiligenhaus bis nach Essen. Die Bedeutung der Strecke wuchs jedoch erst mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch die Transporte für die Rüstungsindustrie. Mit der Sprengung der Ruhrbrücken 1945 durch die Wehrmacht wurde für sechs Jahre jedoch die Blockstelle Pusch (Heute Kettwig Stausee) zur Endhaltestelle.

Allzu lange währte die Freude über die durchgängige Trasse aber nicht, denn am 2. Oktober 1960 endete die einst so sehnsüchtig erwartete aber nur 34 Jahre währende Ära des Schienen-Personennahverkehrs in Heiligenhaus. Pläne aus den späten 60ern diese Trasse zur S-Bahnstrecke umzuwandeln und mit Essen zu verbinden, scheiterten – wieder einmal - am Gegenwind aus Velbert.

„Dass es so konkrete Pläne gab und auch das Geld bereit stand, hat uns schon sehr überrascht“, sagen die Velberter Elmar Zielke und Frank Jannusch. Etwa ein Jahr hat das Duo sich – neben dem Hauptberuf – durch die Geschichte der Anfänge der Niederbergbahn gewühlt und einen Dokumentarfilm in Spielfilmlänge produziert – inklusive spannender Tricktechnik, amüsanter Spielszenen und viel Eisenbahnerwissen.

„Nach unserem ersten Film, der sich um den Velberter Altbergbau drehte, haben wir bei den Velbertern nachgefragt, was sie noch interessieren würde. In der Facebook-Gruppe ‚Velbert in Bildern‘ hat sich dann das Thema der Niederbergbahn deutlich durchgesetzt“, erzählt Zielke.

Obwohl ihr Film „Abgehängt – Die Geschichte der Niederbergbahn“ seit Ende letzten Jahres schon kostenfrei auf Youtube (Siehe Infobox) zu sehen ist, lud am Dienstagabend der Heiligenhauser Geschichtsverein zur öffentlichen Leinwand-Premiere ins VHS-Café.

Das Interesse an dem Film war dabei so groß, dass Geschichtsvereins-Vorsitzender Reinhard Schulze Neuhoff weitere Interessierte mit einem Verweis auf einen zweiten Termin, der für Februar angedacht ist, nach Hause schicken musste. „Mit so einem großen Andrang haben wir wirklich nicht gerechnet“, kommentierte er erfreut.

Auch die beiden Velberter Filmemacher waren dabei. Deren Heimatstadt kommt in ihrer Retrospektive allerdings nicht gut weg: „Über die Jahrzehnte hat Velbert den Planern ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen. Daran hat sich vor allem Heiligenhaus oft die Zähne ausgebissen“, sagt Jannusch. So seien die Pläne zum S-Bahn-Ausbau Anfang Ende der 60er an den Velbertern gescheitert, weil man dort lieber eine Direktanbindung nach Essen-Werden wollte, die aber ebenfalls nicht realisiert wurde.

Auch die Heiligenhauser Hoffnungen auf die Anbindung zur Regiobahn 1997 scheiterten und die „Circle Line“ mit Anschluss an die S-Bahnen S6 und S9 scheint derzeit auch nur ein Traum. Für eine Anbindung an das Schienennetz in Richtung Rheinschiene setzte sich ab 1992 auch die Initiative Pro Niederbergbahn ein. Deren Tenor damals, wie Zielke zusammenfasst: „Völlig unverständlich, wie eine Region mit 100.000 Einwohnern mitten in Deutschland nicht ans Bahnnetz angeschlossen sein kann.“

2009 wurde die Trasse dann zum Panoramaradweg, der sich zwischenzeitlich zum beliebten Freizeitweg mit Anbindung an das Radwegenetz gemausert hat. Hintergedanke damals: Die Strecke erhalten und bei Bedarf für die Schiene zu reaktivieren. Und so beschäftigen sich die Filmemacher auch mit möglichen Zukunftsvisionen. Ergebnisse ihrer Recherchen schickten die beiden noch vor der Fertigstellung des Films an die Parteien des Städtedreiecks Velbert, Heiligenhaus und Wülfrath. Daraufhin hat das Thema „Bahnanschluss“ Ende vergangenen Jahres in alle drei Rathäusern, auch mit Blick auf die Klimapolitik wieder Einzug gehalten.

Die Filmemacher wünschen sich, dass die Verantwortlichen Zwistigkeiten beiseite legen und sich an einen Tisch setzen, um das Thema gemeinsam voran zu bringen.