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Heiligenhaus: Die Bücherei und ihre Standorte

Heiligenhaus : Wie eine Bücherei ihren Standort findet

Seit 1908 hat Heiligenhaus eine eigene Stadtbibliothek. Und die hat eine durchaus „bewegte Geschichte“. Das ist angesichts ihrer zahlreichen, wechselnden Adressen im Laufe der Zeit durchaus wörtlich zu verstehen.

„So viel Bücher, so wenig Zeit!“ Die Anhänger des Lesens kennen das Problem, das schon Musiker Frank Zappa treffend in diesem Satz zusammenfasste. Zumindest beim Nachschub des Lesestoffs selbst gibt es längst Abhilfe.

In Bibliotheken ist die „Flatrate“ für den Buch-Nachschub Konzept. In Heiligenhaus hat die städtische Bücherei ihren Anfang in dem Jahr, in dem der deutsche Rudolf Eucken den Literaturnobelpreis bekam – 1908. An einem Donnerstag, dem 1. Oktober, eröffnete in Heiligenhaus, unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Paul Freund, die erste städtische Volksbücherei. Das geschah auf Bestreben der Ortsgruppe des „Bergischen Vereins für Gemeinwohl“, sie wollten unter sozialen Gesichtspunkten eine Bildungs- und Informationsstätte für jedermann einrichten. So stiftete der Verein 158 Bücher und erhielt noch einmal 80 Bücher von der „Berliner Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung“ zur Verfügung, so dass 238 Bücher zum Erstbestand der HeiligenhauserVolksbücherei zählten. Noch Jahrzehntelang sollte hier eine Ausleih-Praxis gelten, die heute doch für Schmunzeln sorgen dürfte: Der Bibliothekar bestimmte, wer was zu lesen bekam und wer welche Bücher nicht in die Hand bekam.

Kisten packen und auspacken – das dürfte seit dem Umzug ins Thormählenhaus im Jahr 2017, wie hier zu sehen, Geschichte sein. Foto: Achim Blazy (abz)

Der Geschichte der Heiligenhauser Stadtbücherei hat Bibliothekarin Ruth Ortlinghaus hinterher gespürt und sie – natürlich – zu Papier gebracht. Die letzten Jahrzehnte hat sie, erst als Mitarbeiterin und später als Förderin, die Stadtbücherei begleitet und im Stadtmarketing-Arbeitskreis „Kultur und Gesellschaft“ die Leseförderung zur hohen Prämisse erklärt. Die Stadtbücherei ist ihr ein Anliegen geblieben.

So fand sie heraus, dass sich die Stadtbücherei-Räumlichkeiten zu Beginn in der Gemeindeverwaltung des Rathauses begann, dort wo einst die Volksschule beheimatet war. Geöffnet war die Ausleihe wöchentlich für eine Stunde. Das Angebot soll rege genutzt worden sein, doch in Zeiten des ersten Weltkrieges fehlten die Gelder, die Bücherei weiter zu bestücken. Mit dem Neubau des Rathaus 1922 schloss die Stadtbücherei für ein Jahr, bevor sie mit der sogenannten Thekenausleihe dort wieder eröffnet wurde.

Die „Gemeinnützigen Anstalten Preußens und des Reiches“ gaben finanzielle Hilfen für die Anschaffung der Werke von Autoren, die ein Jahrzehnt später auf dem Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen landen sollten. Es zogen auch in der Heiligenhauser Bücherei Nationalsozialismus verherrliche Bücher ein, die nach 45 wieder aussortiert wurden.

Seitdem leiteten wechselnde Pädagogen die Einrichtung, bevor im Juli 1955 die erste Diplom-Bibliothekarin Doris Strassen die Leitung übernahm. Pionierarbeit für sie und ihr Team, die im Dezember 1957 die neuen Räumlichkeiten im ehemaligen sogenannten HJ-Heim am Südring zur Freihandbücherei machten. Mit einem Bestand von 43.000 Bänden zog die Bücherei 1986 in die Räume der heutigen VHS und 2005 in den Sparkassenturm. Hier konnte man im Jahr 2010 erstmals eine sechsstellige Zahl der Entleihungen erreichen.

Nach mehreren Wechseln in der Leitung übernahm 2013 Andrea Einig die Leitung. 2017 folgte dann mit über 30.000 Medien, zu denen auch Spiele, CDs oder Filme gehören, der Umzug in das Thormählen-Bildungshaus, die ehemalige Kiekert-Hauptverwaltung an der Kettwiger Straße. Ein Jahr später wurde das Team mit zwei neuen Mitarbeiterinnen erweitert. Das Team und die Besucher fühlen sich hier pudelwohl.