1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus. Demo gegen Kürzungen bei der Musikschule

Heiligenhaus : „Musikschule arbeitet schon am Limit“

Nach der Demo gegen Kürzungspläne stand für den Rat die Verabschiedung des Doppelhaushalts an.

Ursprünglich hatten die Ratsmitglieder für den Mittwochabend nur die Ratssitzung mit der Verabschiedung des Doppelhaushalts im Terminkalender stehen. Für die kommenden beiden Jahre zeichnet sich ein kleiner Silberstreif am Horizont ab, abzulesen an einem kleinen, aber nicht wegzurechnenden Überschuss. Der Haushalt weist einen Weg abseits von der bilanziellen Überschuldung vergangener Jahre aus. Allen Risiken schwankender Einnahmen wie der Gewerbesteuer zum Trotz.

Dass Spardruck weiter besteht und Folgen hat, zeigte sich bei einer kurzfristig geplanten Demonstration unmittelbar vor der Sitzung (unsere Redaktion berichtete). Die Musikschule fürchtet um ihre Zukunft. Die Schulgemeinde – angeführt von den Fördervereins-Köpfen Tobias Kaiser und Christina Mitropoulus-Bott – protestierte gegen erneut geplante Einsparungen im Personalbereich der 50 Jahre alten Institution.

Kaiser findet deutliche Worte zum geplanten Vorgehen: „Kultur ist kein Luxusgut – und in der Musikschule geht es nicht um die Verwaltung von Geigen.“ Ohnehin arbeite das Haus bereits am Limit. Er nennt Zahlen: 18 Lehrkräfte teilen sich sechs Planstellen. Und wir haben 650 Schüler.“

Einstudiert hatten die Demonstranten ein sehr besonderes Ständchen für Rat und Verwaltung. Zur Melodie der Europahymne (Ode an die Freude) gab es Gereimtes in mehreren Strophen. Kostprobe: „Euer Streichen, das hat Folgen, uns’re Stadt wird ärmer sein. Gleichheit, Bildung, Musizieren wird nur noch für Reiche sein.“

Zur Beratungen stand allerdings auch die Gesamtlage der Musikschule an, die ein jährliches Defizit von etwa 350.000 Euro ausweist. Speziell für Kämmerer Kerkmann alles andere als eine freudige Odenstrophe. Um das Thema öffentlich zu beraten (nicht aber über die nach wie vor nicht-öffentliche Beschlussvorlage abzustimmen) stellte der Rat seine Tagesordnung um. Die Zuhörer hörten abgestufte Bekenntnisse zum Erhalt der Musikschule. Wie Erklärungen dazu, was den zukünftigen Einsatz von Honorarkräften aus Verwaltungs- und offenbar auch Mehrheitssicht unausweichlich machen könnte, vor allem mit Blick auf den Spardruck, der letztlich alle freiwilligen Einrichtungen der Stadt treffe – Bücherei, Spielhaus, Club.

Allerdings wurde auch eine Art strategischer Perspektive aufgezeigt. Sowohl CDU-Fraktionschef Ralf Herre wie SPD-Fraktionschef Peter Kramer wiesen darauf hin, dass der zu fassende Beschluss zeitlich keine unmittelbare Auswirkung habe. Die Lösung, 30 Prozent der freiwerdenden Stellen mit Honorarkräften zu besetzen, gelte erst, wenn vorhandene Stellen überhaupt frei würden. Bis dahin werde noch einige Zeit ins Land gehen. Dieses Zeitfenster könne für Gespräche mit Musikschulleitung und Förderverein über alternative Sparmöglichkeiten genutzt werden.