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Heiligenhaus: Chemiker ist Fachberater der Feuerwehr

Heiligenhaus : Ein Mann für alle Chemie-Fälle

Schon als Zehnjähriger trat David Stephan in seiner Siegerländer Heimat in die Feuerwehr ein. In Heiligenhaus macht der studierte Chemiker weiter. Er hat bei der Wehr mit einem sehr besonderen Job.

So viel steht fest: Wer den Master-Abschluss in Chemie in der Tasche hat, für den sind komplizierte Formeln und ebensolche Versuchsaufbauten in Unilaboren vertraute Anblicke, keine Spur von Hexenwerk. Weniger vertraut dürften die allermeisten Chemiker mit Aufgaben, Ausstattung und Einsätzen einer Freiwilligen Feuerwehr sein. Eine Ausnahme ist David Stephan. Der Heiligenhauser kombiniert beides.

Stephan ist seit Kurzem zum externen „Fachberater“ für Chemie bei der Feuerwehr Heiligenhaus bestellt. Für ihn eine logische Fortführung seiner bisherigen Feuerwehr-Karriere. „Als Zehnjähriger bin ich in meiner siegerländischen Heimatstadt der Feuerwehr beigetreten“, sagt er. Ein Chemiestudium in Siegen folgte Jahre später, ebenso die fachliche Spezialisierung zum Toxikologen.

Insofern war von Praxisschock nicht die Rede, als er unlängst in Heiligenhaus zu seinem ersten Einsatz in neuer Funktion hinzugezogen wurde. Mieter hatten aus einem Hochhaus eine „Geruchsbelästigung“ und Atemwegsreizungen gemeldet. Ein Fall für den Heiligenhauser ABC-Abwehrtrupp, der in solchen Fällen stets für die sogenannte erste Welle zuständig ist, wie Feuerwehrsprecher Marco Bayer erklärt. „Chemie ist ja nicht erst, wenn es knallt und qualmt“, ergänzt er. Stattdessen geht es zuerst darum, Schadstoffe zu identifizieren. Das passierte in Stephans erstem Fall schlicht durch „Reden mit den Betroffenen“. Es ging also um deren Wahrnehmungen. Der Profi-Koffer mit Windmessgerät und Messröhrchen für Gase in der Luft nutzte diesmal nichts. „Für Pfefferspray hat die Feuerwehr keinen Nachweis“, sagt Stephan. Denn darum ging es am Ende: Ob schlechter Scherz oder übler Wille – in dem Flur war Pfefferspray versprüht worden, nicht mehr und nicht weniger. „Spektakuläre Fälle sind selten“, kommentiert Stephan trocken. 

Gerüstet ist man allerdings: „Jede Feuerwehr muss einen Grundstock an ABC-Abwehr haben“, sagt Bayer. So gehört neben Schutzkleidung unterschiedlicher Stufen auch eine im Kasten zusammenklappbare Dusche zur Ausstattung. Sie dient im Ernstfall dazu, Einsatzkräfte zu dekontaminieren, also Schadstoffe abzuspülen. Bei großen Einsatzlagen kommt der ABC-Zug de Kreises hinzu, bei Bedarf gibt es auch Unterstützung durch speziell ausgebildete Werksfeuerwehren.

In größeren Feuerwehreinheiten tun Feuerwehrchemiker als Profis Dienst. Fachberater Stephan hat im Einsatz keine Weisungsbefugnis, berät allerdings den Einsatzleiter in Sicherheitsfragen. Der entscheidet dann letztlich.

Mit seiner Bestellung zum Fachberater hat sich Stephan allerhand vorgenommen. Dann kam die Corona-Pandemie. Das heißt: Kontakte zu anderen Einheiten zu knüpfen oder zu intensivieren, ob nun in Velbert, Ratingen, Erkrath oder Wülfrath – ist nur sehr begrenzt möglich. Übungsabende fallen aus. Videotelefonie kann nicht alles ersetzen. Trotzdem will Stephan hier am Ball bleiben.