Heiligenhaus: Bauhaus-Ausstellung ist eröffnet

Heiligenhaus : Türdrücker der Moderne im Museum

„100 Jahre Bauhaus“ werden auch im Heiligenhauser Museum Abtsküche mit einer Ausstellung über Türdrücker und Fenstergriffe gefeiert. Der Dessauer Harald Wetzel hat eine beachtliche Sammlung zusammengetragen.

Jeder hat sie täglich in der Hand: Türklinken und Fenstergriffe. Im Alltag gehören sie zu den Selbstverständlichkeiten. Der Dessauer Harald Wetzel sieht das anders. Er hat eine beachtliche Sammlung von nach eigenen Schätzungen insgesamt 1700 Türdrückern, Beschlägen und Fenstergriffen zusammengetragen.

Einen Teil davon stellt er seit gestern in einer Sonderschau der Heimatkundlichen Sammlung in der Abtsküche aus. Ein besonderer Fokus seines Interesses liegt dabei auf der Zwischenkriegszeit und dem Wirken des staatlichen Bauhauses.

Die Kunstschule hat Architektur und Design mit ihrem nüchternen, klaren und funktionalen Stil bis in die heutige Zeit geprägt, man schaue sich nur so manchen Neubau auf städtischem Boden an.

In diesem Jahr jährt sich die Gründung der Kunstschule zum 100. Mal; das offizielle Bauhausjahr wird mit der Ausstellung nun auch in Heiligenhaus gefeiert. Und so darf man den Blick für Details auch gerne zur gestern eröffneten Ausstellung mitbringen.

Für Reinhard Schulze Neuhoff, Vorsitzender des Geschichtsvereins, sorgte die wieder einmal große Zahl an Besuchern zur Ausstellungseröffnung für Begeisterung. Als Sammler und Kurator übernahm dabei Harald Wetzel persönlich die einführenden Worte für einen Ausflug in seine Sammlerleidenschaft. Zu der gehören übrigens nicht nur die Türdrücker selbst, sondern auch Postkarten, die die Gebäude zeigen, in denen eben jene Türdrücker verbaut waren.

Als Maschinenbauingenieur hat er Anfang der 90er Jahre im Dessauer Bauhaus gearbeitet und sein Faible für die vermeintlichen Alltagsgegenstände und ihre Historie entdeckt. Nach der Wende wurden dann viele der Gebäude modernisiert. „Da hat man ganze Türen ausgebaut, von denen ich noch im Container die Beschläge abgebaut habe“, erinnert sich Wetzel.

Anfang 1995 folgte dann die erste Ausstellung. Ein Mitglied des Heiligenhauser Geschichtsvereins entdeckte seine Sammlung dann Anfang der 2000er Jahre im Jüdischen Museum in Berlin. Über Umwege kam der Kontakt zu Stande.

Und für Wetzel auch der Kontakt in die buchstäbliche Schlüsselregion. Der Bauboom der 1920er Jahre sorgte auch für hohe Nachfrage nach den sogenannten Gropius-Beschlägen, entwickelt und benannt von Bauhausgründer Walter Gropius.

Die Berliner Gießerei Loevy vergab daraufhin Lizenzen für die Herstellung der Modelle, erzählt Wetzel. Zu ihnen gehörte auch die Heiligenhauser Wilhelm Engstfeld AG (Wehag) (Modelle gibt es in der Ausstellung zu sehen) sowie die Metallwarenfabrik Otto Grosssteinbeck (Ogro) aus Velbert.

Für Wetzel ist es nach 2004 bereits die zweite Ausstellung in Heiligenhaus, die noch bis 20. Oktober im Museumsneubau zu erkunden ist. Sie ist in sieben Teilen aufgebaut, in deren Rahmen sich eine Vitrine auch den „Frankfurter Normen“ nach Ferdinand Kramer als Standardisierung von Türknopf, Fensteroliv oder Pendeltürgriff widmet.

Eine Schreibtischleuchte aus Eisenguss und Stahlblech sowie ein Telefon aus Phenol-Kunstharz von 1930. Foto: Blazy, Achim (abz)
Eine Türdrücker-Rosettengarnitur von 1930 von der Firma Ogro, Otto Großsteinbeck aus Velbert. Foto: Blazy, Achim (abz)

Beispielhaft für die Gestaltungsstandards sind auch ein Telefon und eine Schreibtischleuchte als Ausstellungsstücke. Eine Neuheit in der Schau: QR-Code an den Ausstellungsvitrinen sorgen für Zusatzinformationen auf dem eigenen Endgerät. Weitere Informationen auf www.gropius-druecker.de

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