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Heiligenhaus: Als der Krieg zu Ende ging

Gedenken : Wie der Krieg in der Stadt zu Ende ging

Das Datum 17. April hat in der Stadtgeschichte eine besondere Bedeutung. An diesem Tag endete der Zweite Weltkrieg für die Heiligenhauser.

Es sind bewegende Zeugnisse, die die Isenbügelerin Ellen Keim im November 2018 vortrug und die jetzt in Transkription im Stadtarchiv vorliegen. Es geht um sehr persönliche Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in Heiligenhaus und vor allem an das Kriegsende vor 75 Jahren. Archivar Dr. Axel Bayer bewahrt sie auf, ebenso wie die Chronik der Stadt, die im Archiv angefertigt wird und die, als Pflichtaufgabe für den Archivar, auch fortzuschreiben ist.

 Das Wrack eines Kriegsflugzeugs in Höhe der damaligen Isenbügeler Gaststätte Karrenberg im Jahr 1945.
Das Wrack eines Kriegsflugzeugs in Höhe der damaligen Isenbügeler Gaststätte Karrenberg im Jahr 1945. Foto: Blazy, Achim (abz)

Diese Chronik allein erstattet ihrer Form gemäß nüchtern Bericht über den Tag, an dem der Krieg für die Heiligenhauser endete: „17. April 1945: Um 5.00 Uhr rücken US-Truppen in Heiligenhaus ein. Wirtschaft und Verwaltung stellen ihre Tätigkeit ein. Die in Heiligenhaus untergebrachten rd. 2500 Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen sprengten ihre Lager und ziehen marodierend durch die Gemeinde. Der Schulbetrieb in Isenbügel ruht.“ Eingerückt war, von Velbert kommend, die 94. US-Infanteriedivision, ist zusätzlich vermerkt. Und: „Keine Kampfhandlungen in Heiligenhaus.“

 Ein Bild der Verwüstung bot der Ziegeleibetrieb der Firma Mannertz nach einem Bombenangriff im Juni 1941.
Ein Bild der Verwüstung bot der Ziegeleibetrieb der Firma Mannertz nach einem Bombenangriff im Juni 1941. Foto: Blazy, Achim (abz)
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Auch die 1997 erschienene Heiligenhauser Stadtgeschichte, geschrieben von Thomas Lux, Hartmut Nolte und Kurt Wesoly, hat das Kriegsende dokumentiert: „Eine Übergabe-Delegation (NSDAP-Bürgermeister Wernicke, der Stellvertretende NSDAP-Ortsgruppenleiter Leicht und andere örtliche NS-Funktionäre haben sich am Vortage davongemacht), in der sich auch der spätere Velberter Bürgermeister Dr. Anton de Visscher befindet, sorgt für eine friedliche Übergabe des Ortes. Die Besetzung durch amerikanische Truppen bringt tiefgreifende Einschnitte in allen Lebensbereichen mit sich.“

 Appell einer Wehrmachtseinheit, etwa im Jahr 1941. Einen Tag bevor US-Streitkräfte einrückten, machten sich führende Nazis aus dem Staub.
Appell einer Wehrmachtseinheit, etwa im Jahr 1941. Einen Tag bevor US-Streitkräfte einrückten, machten sich führende Nazis aus dem Staub. Foto: Blazy, Achim (abz)

Ellen Keims Erinnerungen an das Kriegsende klingen so: „Im Schloss Flick, das Schloss lag hinten im Park, vorne wohnten die Angestellten und dort waren auch die Pferdeställe. Heute gehört es zu Haus Altfried, im Schloss war der Generalstab untergebracht. Daher auch in der Nähe die Flakstation. Als alles vorbei war, konnten alle das Schloss besichtigen. Die älteren Jungen entdeckten, dass vom Schlossinnern den ganzen bewaldeten Berg bis zur Ruhr hinunter gemauerte Gänge und Stufen, auch seitlich Räume vorhanden waren. Die Gänge bis zur Ruhr waren vielleicht auch als Fluchtweg gedacht. Für die Begehung brauchten wir Laternen. Die Isenbügeler haben alle das Schloss besichtigt, und wir Kinder konnten dort wunderbar spielen.“

Zu ihrer Erinnerung gehört aber auch die Zeit unmittelbar zuvor: „Die Soldaten von der Flakstation wurden durch Isenbügel abgeführt. Eine Viertelstunde bevor die Truppe der Amerikaner einfuhr, fuhr langsam ein Jeep durch Isenbügel, und durch ein Sprachrohr ertönte: ,Alle Häuser Weiß flaggen’. Meine Mutter war ganz gelassen, aus dem Schlafzimmerfenster ließ sie ein weißes Bettlaken flattern. Dann kam der Panzer, er war höher als unser Haus, und er nahm die ganze Straße ein, die Ketten an den Rädern rasselten.“

Die Erinnerungen der Isenbügelerin reichen, wie sie sagte, bis in die Jahre 1942 oder 1943 zurück. So berichtet sie auch über ein Kapitel Schulzeit im Krieg.