Heiligenhaus. Aktionswoche gegen Trickbetrüger

Heiligenhaus : Klinken putzen gegen Trickbetrüger

Raffinierte Gauner erbeuteten im Jahr 2018 insgesamt 1,1 Millionen Euro im Kreis Mettmann. Die Polizei hält gegen.

„Niemals wird die Polizei bei unbescholtenen Bürgern Geld zuhause abholen!“ Die Mahnung von Landrat Thomas Hendele ist eindrücklich. Denn die Betrugs-Methode vor der er und die Kreispolizei warnen ist perfide: Falsche Polizisten rufen Senioren mit der Anzeigenummer 110 an, setzen sie unter Druck in dem sie vor anstehendem Diebstahl warnen und wollen Geld und Wertgegenstände an sich nehmen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Betrugsmasche scheint auf dem Kreis Mettmann zu liegen. Im letzten Jahr wurden mindestens 900 Menschen angerufen, 20 von ihnen wurden zu Opfern der Masche – die Täter erbeuteten über 1,1 Millionen Euro, „und das sind nur die Fälle, die gemeldet wurden. Mit dieser Zahl sind wir ziemlich an der Spitze“, sagt Hendele. „Trotz angespannter Personallage ist es uns sehr wichtig, die Bürger zu informieren. Wir wollen das Thema zum Stadtgespräch machen.“

In jeder Kreisstadt wird deswegen eine Woche lang informiert – in dieser Woche in Heiligenhaus. (Unsere Zeitung berichtete). Die echten Polizisten sprechen dazu gezielt Menschen an: Gestern auf dem Wochenmarkt am Infostand, sie klingeln aber auch an den Haustüren. Bei der Aktion am Montag konnten bereits 450 Menschen beim Klinkenputzen angesprochen werden. Die persönliche Ansprache sei hier wichtig und komme bei den Menschen gut an. Auf dem Wochenmarkt sprach gestern Stefanie Lösing von der Kriminalprävention die Menschen an. Dabei wird sie auch deutlich: „Wenn Sie so einen Anruf bekommen, dann legen Sie einfach auf. Das ist nicht unhöflich, sondern das einzig richtige.“ Die Täter werden immer dreister und technisch versierter: „Wir haben schon von Fällen gehört, in denen den Angerufenen geraten wurde, doch die 110 anzurufen, um sich abzusichern. Dahinter steckt dann eine technische Methode, dass die Anrufer nicht auflegen, sondern zum Beispiel das Freizeichen einspielen und die Angerufenen im Glauben lassen, sie hätten aufgelegt und neu gewählt, so dass sich dann auf der gleichen Leitung jemand mit der Begrüßung der Polizei meldet.“ Die Täter gehen inzwischen sogar so weit, die echte Polizei in die Nähe der Angerufenen mit Falschanrufen etwa zu einem vermeintlichen Verkehrsunfall zu locken, damit die Anrufer selbst glaubwürdig werden. Die Tätergruppen arbeiten gut vernetzt, Callcenter sitzen meist im Ausland, im Inland sitzen dann diejenigen, die das Geld dann bei den Menschen abholen. In Köln wurden im April zwei falsche Polizisten gefasst, wie Kreispolizeisprecher Daniel Uebber berichtet.

Die Masche sei dabei recht jung, aufgekommen sei sie 2017, im Jahr 2018 sei sie dann „sintflutartig“ durchgeführt worden, wie Hendele erklärt. Auch den „Enkeltrick“ gibt es weiterhin, die große Masse sei da aber schon gut sensibilisiert. Mit der Polizei als Autorität hätten die Betrüger dann aber ein anderes Druckmittel. Dazu komme, dass immer mehr ältere Menschen vereinsamen und über jeden sozialen Kontakt dankbar seien, das mache sie anfällig.

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