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Heiligenhaus. Aktion Stolpersteine wächst

Gedenken : Stadt setzt drei neue Stolpersteine

Die Familie Oss, von den Nationalsozialisten ermordet, wird im Hefelmann-Park einen Gedenkort erhalten.

Es war ihre letzte Adresse in Heiligenhaus: Leubeck 31. Das war einst, in den die Adresse des Hauses Hefelmann, des Fachwerkhauses, das 2001 abgerissen wurde und nach dem heute der Park benannt ist.

Damals, in den 30er Jahren, war es für den Bäcker Sigmund und seine Frau Hilde Oss, sowie für deren Sohn Günter die letzte offizielle Adresse in ihrer Heimatstadt, bevor sie, wie ihre Eltern zuvor, nach Essen flohen. Von dort wurden das Paar und ihr Sohn in das Konzentrationslager Izbica deportiert. Dort starben die 35-jährige Hilde, der 34-jährige Sigmund und der neunjährige Günter am 22. April 1942. „Der gemeinsame Todestag deutet auf gemeinsame Tötung hin, zum Beispiel durch Gas“, schreibt Forscher Rainer Köster in seinem Buch „Ewig kann‘s nicht Winter sein ...“

Er gehört zu den Menschen, die, wie die Heiligenhauserin Ruth Ortlinghaus und dem ehemaligen Velberter Pfarrer Frank Overhoff den Spuren jüdischen Lebens in der Region und in Heiligenhaus folgen und das Gedenken an ihre Schicksale erhalten. Ihre Recherchen helfen auch bei der Verlegung der Stolpersteine. An den bereits verlegten Steinen in Heiligenhaus wurde am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, den Verfolgten und Opfern des Nazi-Regimes gedacht. Fünf Gedenksteine gibt es bereits, drei weitere sollen für die Familie Oss folgen. Sie sind bereits im Kulturausschuss beschlossen worden, nach letzten Recherchen durch Stadtarchivar Dr. Axel Bayer steht nun auch fest, dass sie im heutigen Hefelmann-Park in den Boden eingelassen werden sollen.

Im Kulturausschuss erfuhren die Mitglieder, dass die Fertigung und Verlegung bereits bei der Stiftung beantragt sei, aber erst im Februar 2021 erfolgen könne. Ein Arbeitskreis „Stolpersteine“ beschäftigt sich derzeit mit der Frage, wo und für wen weitere Gedenksteine gelegt werden könnten.

In seiner seiner Textsammlung „Zum Novemberprogrom 1938 im Gebiet des Kirchenkreises Niederberg“ zeichnet Pfarrer Frank Overhoff die Schicksale nach. So war Hilde Oss die Tochter von Salomon Jacobs und damit die Nichte von Artur und Adele Jacobs, für die bereits Stolpersteine verlegt wurden (Siehe Infobox). Deren Schwester Meta Jacobs hatte den Metzger Isidor Herz geheiratet und ihre vier Kinder Alfred, Dora, Arthur und Hilde in Heiligenhaus zur Welt gebracht. Nach der Scheidung zog sie nach Gelsenkirchen. Während Alfred noch rechtzeitig emigrieren konnte, wurde Meta gemeinsam mit ihren Kindern Dora und Arthur im Jahr 1943 nach Riga ins KZ Kaiserwald deportiert, dort wurde sie im Juli 1944 vor den Augen des Sohnes erschossen. „Die Kinder überlebten wie durch ein Wunder.“ Dora folgte ihrem Bruder Alfred in die USA. „Arthur wurde nach einer grauenvollen Odyssee durch zehn Konzentrationslager, darunter Riga, Stutthof und Buchenwald, in Theresienstadt von der Roten Armee befreit und wanderte nach New York aus“, dort hatte er über Jahrzehnte eine Metzgerei betrieben. Familie Oss lebte vor ihrer Deportation in Essen gemeinsam mit ihrem Vater Isidor, dessen Schicksal ungeklärt ist, sowie mit Sigmunds Vater Semmy Oss und Sigmunds Stiefmutter Adele Ullmann. Auch sie wurden 1942 ins KZ Izbica deportiert und dort ermordet.