1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus: Abiturienten bekommen Zeugnisse

Abitur in Heiligenhaus : Abitur 2020: Zum Abschied ist alles neu

Einfallsreiche Zeugnisübergaben in Pandemie-Zeiten: zwei Termine für die Feier mit Gästen – aber auf Abstand – am Immanuel Kant-Gymnasium, Videostream ins elterliche Wohnzimmer vom Gesamtschul-Schulhof aus.

Die Abiturienten des Kant-Gymnasiums haben mit ihrem doppelt wortspielverdächtigen John-Denver-Motto „Kantry Roads to the place ABIlong“ auch in Corona-Zeiten ihr Stilgefühl nicht vergessen. Über den Spruch mag gern schon ein wenig nachgedacht werden. Das zeigte sich am Donnerstag bei der ersten von zwei IKG-Zeugnisübergaben, bei der im Prinzip nur der Bühnenrahmen so war wie gewohnt. Aber auch der nicht ganz: Das Jazz-Duo, bestehend aus Sax und Piano, spielte auf Abstand.

Die Aula bietet den IKG-Abiturienten Platz für luftig gestellte Dreier-Stuhlgrüppchen. Dazu musste die Feier geteilt werden. Foto: Achim Blazy (abz)

Solche Voraussetzungen sind nicht nur ein Akt corona-bedingter, organisatorischer Notwehr. „Wir haben ja den Luxus, in der viel Aula Platz und eine ausgezeichnete Klimatisierung und Lüftung zu haben. Und uns war schon sehr daran gelegen, dass jeder Abiturient zwei Begleiter zur Zeugnisübergabe mitbringen konnte“, erläuterte Schulleiterin Britta Berschick. In der Aula waren sämtliche Abstands-Vorschriften locker einzuhalten, die Stühle zum Teil in Dreiergrüppchen vorsortiert, es gab zugewiesene Plätze nebst Maskentragepflicht auf dem Weg zu ihnen hin.Und auf dem Weg zum Abholen des Zeugnisses im Saal. Die Schüler-Vertreter Zelal Taşkiran und Niklas Ketschau moderierten von der Bühne aus einen „feierlichen Abschied, nachdem wir vor einiger Zeit eigentlich schon die Hoffnung darauf aufgegeben hatten.“ Damit war das Kapitel „Hoffnungslosigkeit“ aber auch definitiv abgeräumt.

Auch an der Gesamtschule ließen sich die Abiturienten eine feierliche Zeugnisübergabe nicht nehmen. Auch wenn die wie eben auch am benachbarten IKG unter äußerst ungewohnten Umständen zustande kam. Mit dem begeisterten und wohl auch erleichterten „Yeah, ich hab mein Abi“ von einem der Absolventen wurde die Feier eröffnet, die kurzerhand bei sommerlichen Temperaturen, strahlendem Sonnenschein unter den blauen Himmel auf dem Schulhof verlegt worden war – und damit zugleich an einen zentralen Ort ihrer Schulzeit. Größter Wermutstropfen allerdings waren die fehlenden Familien und Freunde der Gefeierten.

Die Entscheidung, ohne Eltern zu feiern, sei der Schulleitung nicht leicht gefallen, betonte Rektorin Carmen Tiemann. Dafür jedoch, hatte der Förderverein der Gesamtschule eine Lösung parat: Die Feier wurde live in die Wohnzimmer der Familien übertragen – und so konnten die Angehörigen eben doch dabei sein, als ihre Liebsten das hart erarbeitete Zeugnis überreicht bekamen. Es war der Abschluss eines ziemlich außergewöhnlichen Schuljahres, das nun mit 57 überreichten Reifezeugnissen gekrönt wurde. Die Vorbereitung dafür war, wie Oberstufenleiter Thomas Kriwet berichtete, eine Herausforderung, da ständig neue Anweisungen aus dem Ministerium gekommen seien. „Aber wir konnten zumindest die Zeit nach den Osterferien noch effektiv nutzen.“ Dafür habe man dann auch den Platz im Schulgebäude ausnutzen können, da die anderen Schüler nicht im Haus waren. „Das waren wohl“, so begann auch Bürgermeister Michael Beck seine Rede, „die wohl schwierigsten Abitur-Vorbereitungen seit 70 Jahren. All den Widrigkeiten zum Trotz haben drei von Ihnen sogar einen Schnitt mit einer 1 vor dem Komma.“ Mit einem Schnitt von 2,6 und dem Motto „Tabiasco 2020 – Auch die Schärfsten müssen mal gehen“ hat der Jahrgang sich das Feiern auch in Corona-Zeiten nicht nehmen lassen. „Alles ist möglich!“, betonte die Schulpflegschaftsvorsitzende Angela Hartmann „und ihr habt gelernt, wie es manchmal im Leben so ist. Und wie man lernt, damit umzugehen.“