Ratingen: Hebt den Schatz im Keller

Ratingen: Hebt den Schatz im Keller

Im Magazin des Stadtmuseums ruhen rund 400 Grafiken, Gemälde und Skulpturen. Deren Besitzer – die Einwohner der Stadt – haben bisher nur einen Bruchteil davon gesehen. Dabei wird es wohl auch bleiben.

Im Magazin des Stadtmuseums ruhen rund 400 Grafiken, Gemälde und Skulpturen. Deren Besitzer — die Einwohner der Stadt — haben bisher nur einen Bruchteil davon gesehen. Dabei wird es wohl auch bleiben.

Die Liste lässt aufhorchen: Joseph Beuys, Andy Warhol, Peter Brüning, Arnulf Rainer, Cy Twombly, Antoni Tàpies, Alfred Hrdlicka — und das sind nur einige Namen aus dem städtischen Bestand, die schon einmal öffentlich genannt wurden.

Dass die Kunstsammlung unter dem Motto "Auf der Suche nach dem verborgenen Leben" steht, muss man wörtlicher nehmen, als es den Freunden der Kunst lieb sein dürfte. Zwar sind einzelne Werke gelegentlich schon im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigt worden.

Eine umfassendere Schau der Arbeiten, die im Wesentlichen seit den frühen achtziger Jahren von der damaligen Museumsleiterin Ursula Mildner erworben wurden, gab es noch nie, schon gar nicht in Form einer ständigen Ausstellung. Auf Fragen nach einem Gesamtüberblick reagiert das Kulturamt schmallippig: "Eine Namensliste der Künstler, die sich in der Sammlung des Museums befinden, würde sicherlich den Rahmen einer Berichterstattung sprengen", heißt es auf RP-Anfrage.

Wer jetzt argwöhnt, das insgesamt vernachlässigt wirkende Haus habe seine Bestände womöglich gar nicht ordentlich registriert, wird sich mit dem Satz "Selbstverständlich existiert eine Inventarliste" zufriedengeben müssen. Zumindest, so lange niemand nachhakt, wie es die Mitglieder des Kulturausschusses tun könnten.

Man sollte doch meinen, dass die Besitzer der Sammlung — die Einwohner der Stadt Ratingen — ein Recht darauf haben, zu erfahren, was genau denn da treuhänderisch für sie und von ihnen bezahlt im Keller verwahrt wird. Und ob die wertvollen Werke sachgerecht aufbewahrt werden. Das Kulturamt verweist zwar darauf, dass 2009 eine Zugdepotanlage für die sichere Lagerung angeschafft worden sei, und dass man im "Jahr der Grafik 2009" Zeichnungen aus dem Bestand für rund 16 000 Euro habe restaurieren lassen, um sie anderen Museen zur Verfügung zu stellen. In welchem Zustand das Magazin insgesamt ist, wird nur ein Ortstermin mit einem Experten klären können.

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Um den Bestand künftig in einer eigenen Museumsabteilung (mit einem Schwerpunkt Peter Brüning) zu zeigen und daraus eigene Sonderausstellungen zu entwickeln, wie es die Leiterin Melanie Ehler vorhat, müsste das Konvolut wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Mit einer Inventarliste hat die Stadt nämlich gerade einmal die Minimalanforderung erfüllt. Alles, was über das rechtlich Notwendige hinausgeht, erfolgt erst durch die bislang versäumte Katalogisierung, also die formale und inhaltliche, die kunsthistorische Erschließung und Gliederung des Bestands, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass mit den Werken in Form von Ausstellungen gearbeitet werden kann. Es geht ja in Ausstellungen nicht darum, Objekte ihres Eigenwertes wegen zu zeigen, sondern um Sinngehalte, Themen und Bezüge.

Ob es in absehbarer Zeit zu einer solchen Aufarbeitung kommen wird, ist zweifelhaft. Der Fachbereich Kunstgeschichte der Universität Düsseldorf hat bereits Interesse daran angemeldet, die Sammlung gemeinsam mit dem Museum aufzuarbeiten. Aus dem Kulturamt heißt es jedoch, dass bei der Neugestaltung des Museums die Stadtgeschichte und die Einrichtung einer Jugendkunstschule Vorrang haben.

Abgesehen davon, dass es naheliegender wäre — Bestand verpflichtet —, erst einmal die akuten Baustellen des Hauses zur Erfüllung der Bildungsaufgaben abzuarbeiten, bevor es an die Einrichtung einer Jugendkunstschule geht, stellt sich die Frage: Was hat das Haus denn noch zu bieten, wenn man die Sonderausstellungen und die Themenführungen durch die Stadtgeschichte abzieht?

Und den Schülern der künftigen Jugendkunstschule signalisiert man zumindest indirekt, dass die eigenen Kunstbestände zur Lagerware degradiert werden, deren Aufarbeitung zu mühevoll erscheint. Warum verzichtet man leichthin auf Besucher, auch von außerhalb, die gewiss kämen, wenn es im Museum auch über Sonderausstellungen hinaus etwas zu sehen gäbe? Politik und Verwaltung scheinen diesen Fragen eher gleichgültig gegenüberzustehen.

(RP)