Ratingen: Gymnastiklehrerin hört mit 74 Jahren auf

Ratingen: Gymnastiklehrerin hört mit 74 Jahren auf

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat Karin Ludwig beim TV Ratingen unterrichtet. Jetzt bringt sie "nur" noch die Senioren in der Nachbarschaft in Schwung.

Das waren noch Vornamen: Karin Rosemarie Charlotte. Da passte dann auch als Ehename ein männlicher, nämlich Ludwig. Diese Karin Ludwig, 74 Jahre alt, hat nun nach mehr als einem halben Jahrhundert ihre letzte Unterrichtsstunde als Übungsleiterin beim TV Ratingen gegeben.

Nun muss man nicht meinen, dass sie die Turnhose endgültig ins Kämmerchen gepackt hat. Bei den Senioren ums Eck kümmert sie sich auch jetzt noch ein bisschen um die körperliche Ertüchtigung.

Ihre zwölf ersten Lebensjahre verbrachte Karin Ludwig in Leipzig. Sie hat sich, wenn man nur ganz genau hinhört, eine ganz leichte Sprachfärbung ins Sächsische - aber wirklich nur eine ganz schwache - bewahrt. Immerhin war sie ab 1955 im Westen, war über Eschwege und Göttingen im Jahr 1959 nach Ratingen gekommen - mit Mutter und einem Bruder immer dem Vater hinterher.

Nach der Schulzeit absolvierte sie eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin und fing gleich - das war 1964 - beim TV Ratingen als Übungsleiterin an. Sie sammelte Erfahrung als Lehrerin für Hausfrauen, Kinder, ganz kleine Kinder, und machte das alles als Freischaffende.

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Und - Karin Ludwig tat etwas, das es nicht vorher und auch nicht nachher im Turnverein gegeben hatte oder gab: Sie spielte während ihrer Übungsstunden Klavier zur Begleitung. Allerdings musste sich der Hausmeister eine Lösung dafür ausdenken, damit sie ihre Schäfchen sehen konnte: Sie schaute doch beim Spielen immer gegen die Wand, an der das Klavier stand. Also bekam sie einen großen, schräg hängenden Spiegel und hatte so alles unter Kontrolle. Alles so ähnlich wie heute noch in Ballettschulen.

Und das blieb sehr lange so. Das Klavier wurde sogar gestimmt, damit niemand zu Misstönen hüpfen musste und ging schließlich in den Besitz ihrer Familie über. Später machten die drei Gruppen von Karin Ludwig zur Musik von der Schallplatte oder von der CD ihre Übungen und die hießen immer noch Gymnastik - egal, welche Namen der Zeitgeist körperlichen Ertüchtigungen verliehen hatte.

Sie wischt auch den Spruch vom inneren Schweinehund nicht weg, der manche gute Absicht zum Sporttreiben vernichtet. "Man muss schon konsequent sein und sich auch oft überwinden, um die Stunden einzuhalten. Und gute Planung ist dann immer hilfreich", sagt sie. Der Lohn aber waren die Gruppen, die ihr treu verbunden waren und Jahr für Jahr zu ihr in die Räumlichkeiten am Stadion kamen.

Das ist auch der TV-Vorstands-Vorsitzenden Marion Weißhoff-Günther bewusst, die Karin Ludwig seit mehr als 30 Jahren kennt: "Bei Karin vereinigen sich Tradition und Beständigkeit aufs Beste."

(gaha)