Große Teile der Generation 40plus orientiert sich im Leben noch einmal neu. Sei es aus eigenem Antrieb oder durch veränderte betriebliche Rahmenbedingungen.

Wirtschaft : Wege in den beruflichen Neuanfang

Große Teile der Generation 40plus orientiert sich im Leben noch einmal neu.

Qualifiziert, gut situiert, die Familienplanung abgeschlossen – und doch unzufrieden. So empfinden viele sogenannte „Mid-Ager“, also Menschen ab Mitte 40, die noch einige Jahre bis zum Renteneintritt vor sich haben. Dabei sind die Gründe dafür vielfältig, angefangen bei betriebsbedingten Ereignissen – wie zuletzt auch im Kreis Mettmann unter anderem bei August Küpper in Heiligenhaus oder Knorr Bremse in Wülfrath – bis hin zur generellen Unzufriedenheit mit der eigenen beruflichen Situation.

„Diese Menschen sind auf dem Weg in die Sinnkrise, stellen sich die Frage, ob sie dort noch richtig sind, wo sie stehen“, weiß die Heiligenhauserin Katrin Lohner, die sich als Karrierecoach und Persönlichkeitsentwicklerin mit dieser Zielgruppe ebenso beschäftigt wie mit der Unternehmensseite, die auf die neuen Bedürfnisse und Vorstellungen ihrer potenziellen Mitarbeiter vorbereitet sein will.

Katrin Lohner berät Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Foto: RP/RP-Foto

„Viele dieser Mid-Ager haben eine Menge erreicht und suchen nach einer neuen Zielrichtung für ihr Leben, trauen sich manchmal aber den Absprung aus ihrem bisherigen Dasein nicht unbedingt zu. Oder sie kehren nach einer längeren Auszeit ins Berufsleben zurück – was überwiegend auf Frauen zutrifft, die sich um Kinder und Haushalt gekümmert haben.“

Und trotz allgemeinem Fachkräftemangel – allein in Düsseldorf und dem Kreis Mettmann fehlen den Unternehmen nach Berechnungen des unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstituts „WifOR“ derzeit rund 70.000 qualifizierte Mitarbeiter – ist der Weg in neue Lebensabschnitte nach erfolgreichen 20 bis 25 Berufsjahren schwer für die Gesuchten.

„Da stellen sich viele Fragen“, sagt Lohner. „Angefangen bei Gehaltsansprüchen über das Vorwagen in neue Metiers bis hin dazu, dass man eingefahrene und vielleicht auch beliebte Pfade und Prozesse verlassen muss.“

Oft seien sich die Menschen ihres eigenen Wertes nicht bewusst, müssen ihre eigenen Fachexpertisen und Kernkompetenzen noch einmal neu herausarbeiten, um darauf aufbauend ihre zukünftige Bestimmung und mögliche Arbeitgeber in Angriff zu nehmen. Ist dann noch klar, welche Arbeitszeitmodelle in Frage kommen, beginnt die Orientierung auf dem Markt.

Das kann zum Beispiel über Stellenbörsen, Headhunter oder Personalagenturen angegangen werden. Letztere sind längst mehr als die noch vor Jahren angeprangerten Anbieter von Billiglöhnern im Leiharbeitsbetrieb. Ein hoher Spezialisierungsgrad sorgt für gute Ergebnisse in der Vermittlung von Mitarbeitern.

„Wir pflegen einen sehr engen Kontakt zu unseren Kunden, um deren Bedarf genau zu eruieren und ein Gespür für die richtigen Mitarbeiter zu entwickeln“, erklärt beispielsweise Daniel Martens, der vor vier Jahren gemeinsam mit seinem Studienkollegen Sascha Steinhardt die SMC SteinMart Personalagentur in Hilden gegründet hat. „Wir verbinden zwei wichtige Zielgruppen – auf der einen Seite die Unternehmen und auf der anderen die Fachkräfte – optimal miteinander, um das ideale Matching zu erreichen.“

Die Hildener sind inzwischen an mehreren Standorten auf die Bereiche Engineering, Office & Finance, gewerblich-technisch, Medical und Kids (Kindertagesstätten) spezialisiert.

„Es gibt keine Garantie dafür, aber gut vorbereitete Bewerber können innerhalb von vier Monaten einen neuen Job finden“, sagt Katrin Lohner. „Dabei ist es nach wie vor so, dass persönliche Netzwerke immer noch bei 60 bis 65 Prozent aller offenen Stellen zur Besetzungen führen.“

Aber auch dieses „Vitamin B“ muss oftmals erst in der Neufindungsphase genau analysiert werden, um es dann zielgerichtet einbringen zu können. „Initiativbewerbungen sind übrigens für mich die Königsklasse in der Stellensuche. Ich muss ein Unternehmen davon überzeugen, dass es mich braucht, obwohl es mich ja überhaupt nicht sucht.“

Das setze eine sehr intensive Auseinandersetzung sowohl mit dem Unternehmen wie auch mit der eigenen Person voraus.

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