Ratingen : Gotträumt auf

Die Bäume, Blumen und Büsche erwachen zu neuem Leben. Eine offensichtlich unaufhaltsame Kraft lässt die Pflanzenwelt sprießen, treibt frisches Grün, zartes Rosa und grelles Gelb vor sich her. Es ist Frühling. Dieses alljährliche, sehr stille Spektakel der Natur übt auf uns Menschen einen tiefen Eindruck aus; es weckt neue Lebenskraft, die auf manchen ganz praktische Auswirkungen hat: den Frühjahrsputz. Selbst Menschen mit verhältnismäßig hoher Chaostoleranz können sich dieser Bewegung nicht erwehren und bringen dies und das auf Vordermann.

Woher kommt das? Was hat das eine eigentlich mit dem anderen zu tun, das Leben mit der Ordnung? Leben und Ordnung gehören zusammen. Deutlich wird das, wenn man sich das Gegenteil der Ordnung und seine Auswirkungen vor Augen führt: das Chaos. Dieses verhindert Leben. Auf unvorstellbar schmerzliche Weise erlebt dies das japanische Volk in diesen Tagen. Die Chaosmächte der Natur haben unbegreifliches Chaos angerichtet. Die Lebensräume der Menschen, ganze Dörfer sind verwüstet. Chaos verhindert Leben, denn es zerstört Lebensraum, indem es alles durcheinander wirft. Und dort, wo alles durcheinander geworfen ist, ist ein Leben nicht mehr möglich. Ein gewisses Maß an Unordnung schränkt die Bewegungsfreiheit nur ein – das völlige Chaos erstickt das Leben. Und weil uns der Frühling das neue Leben vor Augen führt, fangen wir an, dem Chaos ein Ende zu setzen, aufzuräumen, Ordnung zu schaffen, damit sich das Leben wieder voll entfalten kann.

Bei diesem Projekt haben wir Gott auf unserer Seite. Sichtbar wird das in der Schöpfungserzählung am Anfang der Bibel. Da heißt es gleich im zweiten Satz: Und die Erde war tohu wa bohu, wie es im hebräischen Grundtext heißt. Das Tohuwabohu hat es bis in unseren Sprachgebrauch geschafft und steht (wie in der hebräischen Bibel) für das völlige Durcheinander. Diesem Chaos setzt Gott bei der Schöpfung nach und nach ein Ende, indem er ordnet, Unterschiedliches voneinander trennt und somit Lebensräume schafft und Leben ermöglicht. Der Apostel Paulus bringt diesen Charakterzug Gottes in der Bibel auf einen knappen Satz: Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. (1.Korintherbrief, Kapitel 14) Möge dieser ordnende Gott uns in den kommenden Wochen spürbar unter die Arme greifen – ganz persönlich und weltweit.

Pastor Maximilian Zimmermann

Ev.-Freikirchliche Gemeinde

(RP)